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Interview: Levin Klocker über Campersharing, #Vanlife und die deutsche Liebe zum Wohnmobil

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Interview mit Levin Klocker über Campersharing und #Vanlife (Foto: Yescapa)
geschrieben von Marinela Potor

Woher kommt die deutsche Liebe zum Reisen im Wohnmobil? Was steckt hinter dem Trend #Vanlife und wieso teilen sich so viele Menschen ein Wohnmobil über Campersharing? Über das und vieles mehr sprechen wir mit Levin Klocker, dem Country Manager DACH der Campersharing-Plattform Yescapa.


Von Wohnmobil bis Wohnwagen: Das Reisen mit der eigenen Unterkunft auf vier Rädern liegt im Trend. Der Caravaning Industrieverband vermeldete für die vergangene Saison insgesamt etwa 79.000 Neuzulassungen von Caravans und Reisemobilen in Deutschland – ein erneuter kräftiger Zuwachs.

Davon profitieren nicht nur Campingplätze und Wohnmobil-Bauer, sondern auch Campersharing-Plattformen. Campersharing funktioniert nach dem klassischen Sharing-Prinzip.


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Wohnwagen- und Wohnmobilbesitzer nutzen ihre Fahrzeuge im Schnitt 14 Tage pro Jahr. Den Rest der Zeit stehen sie mehr oder weniger dumm herum. Um diesen Leerlauf besser zu nutzen, stellen sie ihre Fahrzeuge über Campersharing-Plattform anderen Reisenden zur Verfügung.

Die Besitzer können so ihre laufenden Kosten decken. Die Mieter wiederum können sehr viel günstiger als über die klassische Campervan-Vermittlung in den Urlaub fahren. Und die Plattformen verdienen eine Provision für die Vermittlung.

Eine dieser Plattformen ist Yescapa, mit Sitz in Bordeaux. Wir haben mit Levin Klocker, dem Country Manager DACH von Yescapa, über Campersharing, den Hashtag #Vanlife und über den neuen Trend zum Fliegen und Campen gesprochen.

Beim Reisen geht es nicht mehr um den Ort

Mobility Mag: Levin, wie wird man eigentlich Country Manager bei einer Campersharing-Plattform?

Levin Klocker: Ich bin natürlich selbst sehr viel gereist und ein riesiger Camper-Freund. Das fing schon in meinen Ferien als Kind an, als meine Mutter mit mir in den 90ern in einem T2 Bulli verreiste. Das war eine tolle Erfahrung. Auch heute ist es noch das, was ich am liebsten machen will, wenn ich auf Reisen gehe.

Das Verreisen im Campervan ist ja gerade ein Riesen-Trend. Das gilt aber nicht nur für den Kauf von Wohnwagen oder Wohnmobilen, sondern auch für das Teilen. Woher kommt das?

Levin Klocker, Yescapa

Levin Klocker ist schon als Kind gerne im Wohnmobil verreist. (Foto: asisi)

Ich glaube, da kommen mehrere Trends zusammen. Zum einen ist der Sharing-Gedanke in vielen andere Lebensbereichen sehr integriert. Das reicht von der Nachbarschaftsgemeinschaft über das Teilen von Kellern und Gärten bis hin zu Haustieren.

Zum anderen bieten Sharing-Erlebnisse beim Reisen eine neue Erfahrung. Vielen geht es beim Reisen ja nicht mehr nur um den Ort, sondern um authentische Erlebnisse und selbstbestimmtes, entschleunigtes Reisen – Stichwort “Slow Travel”.

Beim Reisen mit dem Camper kannst du genau das tun. Du bestimmst die Zeit, die Route und bist außerdem komplett unabhängig unterwegs. Nur: Nicht jeder kann sich einen Wohnwagen oder ein Wohnmobil um die 50.000 Euro leisten.

Und so kommen dann diejenigen, die mit dem Wohnmobil verreisen wollen – sich aber kein eigenes leisten können – und die Wohnmobilbesitzer auf Campersharing-Plattformen wie Yescapa zusammen?

Genau! Für die Besitzer ist es natürlich sehr praktisch, wenn sie mit dem Fahrzeug, das sie gerade eh nicht nutzen, Geld verdienen können. Für Mieter ist es sehr viel günstiger als einen Camper über klassische Anbieter zu mieten.

Viele spielen auch mit dem Gedanken, ein eigenes Fahrzeug zu kaufen und wollen erstmal ausprobieren, indem sie privat ein Wohnmobil mieten.

Vanlife-Fans mieten Retro-Busse

Und dann gibt es noch den #Vanlife-Boom auf Instagram…

Das spielt sicher auch eine gewisse Rolle. Unter unseren Nutzern gibt es auch Vanlife-Fans, die dann ganz bewusst die Retro-Busse mieten, die man von den #Vanlife-Posts auf sozialen Netzwerken so kennt.

Das sind aber nicht die einzigen Campersharing-Nutzer auf eurer Plattform…

Nein, ganz und gar nicht. Auf der einen Seite sind da die Vermieter, die für ihre Reisen einen eigenen Wohnwagen oder ein Wohnmobil haben. Häufig sind das Familien oder auch Rentner. Von der Altersgruppe her liegen die Vermieter im Schnitt zwischen 35 und 60 Jahren.

Die Mieter sind auch bunt gemischt. Neben den Vanlife-Freunden sind es vor allem junge Familien mit Kindern, aber auch Pärchen. Wir haben auch junge Nutzer, Mitte 20, die gerne für einen Roadtrip im Freundeskreis einen Campingbus oder ein Wohnmobil mieten möchten.

Lohnt sich das wirklich finanziell für die Besitzer, ihre Fahrzeuge zu vermieten?

Im Jahr 2018 hat Yescapa mehrere Millionen Euro an die Vermieter-Community ausgeschüttet. Viele vermieten ihr Wohnmobil gelegentlich und decken damit die laufenden Kosten, andere finanzieren sich den Wohnmobilkauf und den eigenen Jahresurlaub, indem sie ihr Wohnmobil häufiger vermieten. Es ist für die Wohnmobilbesitzer also ein durchaus lukratives Geschäftsmodell.

Spanien und Portugal sind am beliebtesten

Gibt es bestimmte Lieblingsmodelle auf Yescapa?

Man kann ganz grob sagen: Familien entscheiden sich eher für das geräumigere Alkoven-Modell. Paare und Gruppen von Freunden bevorzugen eher den kompakteren Campingbus, wie etwa einen VW-Bulli.

Und was machen all diese Leute im Urlaub mit dem Campingbus?

Das ist ganz unterschiedlich. Einige fahren damit in den Surf-Urlaub oder zum Canyoning. Andere wollen einfach einen relaxten Urlaub am Meer, an einem See oder in den Bergen.

Wohin verreisen die deutschen Yescapa-Kunden eigentlich am liebsten?

Wir haben viele Nutzer, die gerne in die skandinavischen Länder, nach Österreich oder auch innerhalb von Deutschland verreisen.

Die Lieblingsreiseziele der Deutschen sind jedoch eindeutig Spanien und Portugal. Viele zieht es also in die Sonne, für einen Roadtrip von Lissabon aus, oder eine Rundfahrt auf Inseln wie Teneriffa.

Inseln? Wie kommt man denn da mit dem Wohnmobil hin?

Das ist ein Trend, den wir vermehrt beobachten. Nach dem Motto „Fly and Camp“ fliegen die Urlauber an ihr Urlaubsziel, um dann vor Ort den Campingbus oder das Wohnmobil zu mieten.

Das ist ganz praktisch, wenn man nicht so viel Zeit für die Anreise hat oder eben Urlaub auf einer Insel machen möchte. Bei internationalen Vermietungen kommt es zudem oft zu spannenden interkulturellen Begegnungen.

Zum Beispiel?

Wir hatten eine Vermietung mit einem deutschen Pärchen, das in Frankreich ein Wohnmobil mieten wollte. Die deutschen Mieter sprachen kein Französisch, die französischen Vermieter kein Deutsch, und Englisch klappte auch nur mit Mühe und Not.

Letztendlich haben sie sich bei einem Kaffee richtig Zeit genommen, Fotos ausgetauscht und sich auch ohne viele Worte super verstanden. Am Ende war es eine tolle Erfahrung für alle.

Dieser persönliche Austausch der Nutzer untereinander macht das private Campersharing so besonders.

Was passiert, wenn jemand in den Graben fährt?

Wie genau funktioniert eigentlich das Mieten und Vermieten bei euch?

Es ist vergleichbar mit Airbnb.

Nutzer melden sich erstmal kostenfrei über die Plattform an. Vermieter beschreiben sich und ihre Fahrzeuge, laden Fotos und Unterlagen hoch und legen auch ihre eigenen Preise und Bedingungen fest. Mieter können so über die Filter-Suche ein passendes Fahrzeug finden.

Bei Yescapa liegt der Fokus beim Peer-to-Peer-Modell. Das heißt, man mietet den Campingbus oder das Wohnmobil überwiegend von privaten Besitzern, nicht von kommerziellen Anbietern.

Am Tag der Abreise treffen sich Mieter und Vermieter, um sich das Fahrzeug in Ruhe anzusehen, technische Besonderheiten zu erklären und sich generell kennenzulernen.

Schließlich lässt man als Vermieter in gewisser Hinsicht fremde Menschen in sein persönliches Fahrzeug.

Ist man da als Vermieter in irgendeiner Form abgesichert, falls die Mieter das Fahrzeug verwüsten oder in den Graben fahren?

Wir haben zum einen ein spezielles Versicherungspaket für Schäden am Fahrzeug und die Mieter hinterlassen auch eine Kaution. Dazu gibt es noch einen integrierten 24-Stunden-Pannenschutz, falls jemand unterwegs eine Panne haben sollte.

Was passiert denn, wenn jemand liegen bleibt?

Dann schickt die Pannenhilfe jemanden, der das Fahrzeug repariert. Wenn die Mieter nicht am selben Tag weiterfahren können, werden sie in einem Hotel untergebracht.

Sollte der Wagen nicht mehr fahrtüchtig sein, bekommt der Mieter ein Ersatzfahrzeug.

Wie häufig kommt so etwas denn vor?

Es kommt natürlich besonders bei älteren Fahrzeugen hin und wieder vor, allerdings kann in vielen Fällen der Vermieter per Telefon bereits weiterhelfen. Ein Totalausfall ist die Ausnahme.

Im Camper durch Mexiko

Was verreist du eigentlich, wenn es in den Urlaub geht? 

Bei meinen eigenen Reisen ist es mir wichtig, langsam zu unterwegs zu sein und so intensiv wie möglich mit der ortsansässigen Bevölkerung in Kontakt zu kommen.

Dieses Jahr habe ich beispielsweise einen mexikanischen Freund besucht. Ich habe seine Familie und Freunde kennengelernt und bin mit ihm in seinem kleinen Camper von der mexikanischen Hauptstadt bis nach Yucatán gereist.

Diese interkulturellen und persönlichen Begegnungen sind enorm bereichernd und geben dir einen neuen Blick auf deine eigene Lebenssituation.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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