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Vom Start-up zum Megaunternehmen: Der Erfolg von LimeBike erklärt

LimeBike
Bild: LimeBike
geschrieben von Marinela Potor

Sage und schreibe 50 Millionen US-Dollar konnte das Bikesharing Start-up LimeBike aus Kalifornien in seiner zweiten Finanzierungsrunde in der vergangenen Woche sammeln. Das ist umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass LimeBike gerade einmal im Juni 2017 gelauncht wurde. Wie kann ein Bikesharing-Anbieter es in nur knapp vier Monaten schaffen, so erfolgreich zu werden?

So ganz können es viele immer noch nicht begreifen. Da hat das junge Start-up LimeBike gerade 50 Millionen US-Dollar von Investoren abgestaubt. Nach nur knapp vier Monaten seit dem Launch des ersten Angebots an der University of North Carolina in Greensboro. Was hat der Bikesharing-Anbieter aus Kalifornien was andere nicht haben?

Nur eine Kopie – aber damit extrem erfolgreich

„Your ride anytime“ ist das Motto von LimeBike. Das Unternehmen mit den limonengrünen Fahrrädern bewirbt das Free-Floating-System als hätten die Gründer es selbst erfunden. Dabei sind weder das Prinzip noch die quietschbunten Fahrräder besonders neu oder originell. Ganz im Gegenteil, sie sind eine ziemlich genau Kopie der erfolgreichen Bikesharing-Angebote aus China. Warum sind die Investoren also gerade so wild auf LimeBike?

Es mag stimmen, dass LimeBike weder das Bikesharing noch das stationslose Prinzip erfunden hat, doch manchmal haben Unternehmen, die etwas später einsteigen, einen entscheidenden Vorteil. Sie konnten beobachten, was für ihre Vorgänger funktioniert hat und was nicht – und damit ein besseres Angebot erstellen. Das scheint LimeBike – in Kombination mit einigen anderen Faktoren – hervorragend gelungen zu sein.

Auf allen Märkten von Anfang an

LimeBikes erster Schritt war, sich breit aufzustellen. Und zwar in genau den drei Märkten, die für Bikesharing-Anbieter am interessantesten sind: Großstädte, Universitäten und Unternehmen.

Große Städte sind aufgrund ihrer Bevölkerungsdichte und der Infrastruktur ohnehin interessant für Bikesharing. Es gibt viele Kunden, oft auch eine bereits vorhandene Infrastruktur und bei den oftmals verstopften Straßen in Innenstädten ist Radfahren oft die schnellste Fortbewegungsmöglichkeit.

Seattle LimeBike

Seattle war die erste von 12 Großstädten, in der LimeBike präsent war (Bild: LimeBike)

Auf den weitläufigen Universitätscampussen in den USA sieht die Situation ganz ähnlich aus. Hinzu kommt, dass Studenten oft kein eigenes Auto besitzen – ein weiterer interessanter Markt also.

Bei Unternehmen mag es nicht ganz so offensichtlich sein, doch tatsächlich gehört es für immer mehr Arbeitgeber dazu, sich als sportlich, innovativ und gesund zu positionieren, um die besten Köpfe anzuziehen. Bikesharing ist daher für viele Unternehmen ein interessantes Prestige-Angebot. Und ein Angebot, dass LimeBike nicht ohne Eigeninteresse gestartet hat. Schließlich ist es auch für den Bikeshare-Anbieter eine tolle PR, wenn Angestellte von hippen Unternehmen ihre Räder durch die Gegend fahren.

Mit dem sofortigen Einstieg in diese drei Bereiche war LimeBike so in nur wenigen Monaten auf 20 Märkten aufgestellt und bietet aktuell Bikesharing in zwölf US-Städten und in acht Universitäten an.

Auf Kundenbedürfnisse eingehen

Das stationslose Modell von LimeBike ist zudem sehr günstig (eine Fahrt kostet einen Dollar) und natürlich praktisch. Denn anstatt zu einer Station zu gehen, dort das Fahrrad abzuholen und es anschließend wieder an einer vorgegebenen Station abzugeben, können Nutzer ein verfügbares Fahrrad in ihrer Nähe per App sehen, buchen, aufschließen und bezahlen. Nach der Fahrt können sie es ebenfalls an einem beliebigen Ort wieder abschließen.

Und es gibt noch etwas, dass LimeBike im Bereich Bikesharing probiert, was kein Unternehmen vor ihnen getan hat: Ihre Fahrräder können auch ohne den Besitze einer Kreditkarte gemietet werden. Das soll Bikesharing (neben dem vergünstigten Tarif) auch für Menschen ohne Kreditkarten, typischerweise aus einkommensschwachen Haushalten, zugänglich machen.

Es wächst und wächst und wächst

Doch es sind nicht nur die schlaue Marktpositionierung, das praktische System und der kundenorientierte Ansatz, die LimeBike für Investoren so attraktiv machen. Es sind auch die unglaublichen Wachstumsraten. Seit ihrem Launch im Juni haben die Gründer ihre Wachstumsraten bei Einnahmen und gebuchten Fahrten verfünffacht – und das im Durchschnitt in jedem Monat. Die Anzahl der Nutzer hat sich seit Beginn mehr als verfünffacht. Das Unternehmen kann bis dato über 500.000 Fahrten aufweisen, 250.000 registrierte User und wächst nach eigenen Aussagen im Schnitt um 50 Prozent … pro Woche!

Der Erfolg von LimeBike sowie ein Blick auf die ebenfalls außergewöhnlich erfolgreichen Modelle aus China zeigen: Bikesharing ist heiß heiß heiß!

Kein Wunder also, dass LimeBike in der zweiten Finanzierungsrunde (in der ersten Runde im März kamen 12 Millionen zusammen) 50 Millionen US-Dollar an Investmentsummen sammeln konnte und damit auf einen Wert von 225 Millionen US-Dollar kommt.

Ist LimeBike das nächste Uber?

Investoren gehen davon aus, dass Bikesharing-Anbieter wie LimeBike das nächste Uber sein könnten – und wollen daher keine Milliardenchance verpassen. Denn – wie das Beispiel Uber gezeigt hat – der Ridesharing-Anbieter war gerade aufgrund seiner aggressiven Investorenpolitik letzlich erfolgreicher als die Konkurrenz. LimeBike, das sich den US-Markt aktuell mit vier anderen Konkurrenten (Mobike und Ofo aus China, sowie JumpDC und Spin) teilt, muss also schnell und mit viel Kapital agieren.

Das hat auch etwas mit dem stationslosen Modell zu tun. Denn theoretisch können Unternehmen wie LimeBike einfach Tausende von Fahrrädern über Nacht in eine Großstadt stellen und Nutzer allein durch die Fülle des Angebots überzeugen. Solange sie nicht an einen Dock gebunden sind, brauchen Unternehmen dafür auch keine Genehmigung von der Stadt, sondern nur Kapital. Genau deshalb sammelt LimeBike so aggressiv Investorengelder.

Denn klar ist auch: Wer im Bikesharing dominieren will, kann dies nur mit einer entsprechenden Anzahl von verfügbaren Fahrrädern. LimeBike hat deshalb angekündigt, bis Ende des Jahres 50.000 bis 70.000 neue Räder auf über 30 US-Märkten aufzustellen.

LimeBike konnte größte Investorensorge beschwichtigen

Das geht natürlich nicht immer reibungslos vor sich, wie der Streit zwischen einigen Schweizer Städten und asiatischen Fahrradverleih-Anbietern zeigt. Genau hier hatten Investoren bisher auch beim Investment in Anbieter wie LimeBike bedenken. Ja, die Investoren wollen ein uber-ähnliches Wachstum, sie wollen sich aber auch den mühseligen Kampf mit städtischen Regulierungen sparen.

Denn ein dockloses Modell bedeutet auch: Nutzer können ihre Räder wirklich überall abstellen. In Städten wie Shanghai hat genau das zu großen Problemen geführt. Denn die Fahrräder werden einfach irgendwo abgestellt und die Stadt muss diese massenweise „abschleppen“.

In dieser Hinsicht konnte LimeBike Investoren wohl beruhigen. Ein weiteres Zeichen dafür, dass LimeBike den Markt möglicherweise besser versteht als einige seiner Konkurrenten.

Das Unternehmen hat nämlich angekündigt, seine Fahrräder nur in voriger Abstimmung mit Behörden, beziehungsweise Grundstücksbesitzern, einzubringen. Hinzu kommt, dass LimeBike auch auf hochwertigere Qualität seiner Fahrräder setzen möchte, um sich so von den Billigrädern der Konkurrenz abzugrenzen. Neben robusteren Reifen sollen auch Sicherheitsfeatures wie solarbetriebende Lichter hinzukommen.

LimeBike Detail

Mit robusterer Bauweise besser als die Konkurrenz? (Bild: LimeBike)

Das mag etwas mehr Zeit und Geld kosten, könnte sich im Endeffekt aber durchaus lohnen, wenn dies einen reibungslosen Betrieb in den Städten für LimeBike garantiert.

Der Hype ist also groß, der Wettbewerb im Bikesharing knallhart und wie LimeBike-Investor Jeff Jordan von Andreessen Horowitz sagt: Der Markt wird sich konsolidieren, auf nur sehr wenige Player. Mit anderen Worten: Der Gewinner bekommt alles, die Verlierer nichts. Da können die LimeBike-Investoren nur hoffen, dass sie nicht auf das falsche Rad gesetzt haben.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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