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Lucid Air Launch: Über 800 km Reichweite und mehr – das bietet Teslas großer Konkurrent

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Im neuen Lucid Air stecken viele Superlative. (Foto: Lucid Air)

Gestern Abend fand der offizielle Lucid Air Launch von Tesla-Konkurrent Lucid Motors statt. Darin stellte das Elektroauto-Start-up aus Kalifornien neue Details zu seinem ersten Auto, Lucid Air, vor und erklärte, was das Unternehmen in den nächsten Jahren so alles vorhat. Demnach muss Tesla sich zumindest warm anziehen. 

Es ist vielleicht übertrieben, jeden Elektroautohersteller mit Tesla zu vergleichen. Doch bei einigen Unternehmen, wie etwa Rivian, ist das durchaus berechtigt. Und auch Lucid Motors fällt definitiv in diese Kategorie.

Das liegt nicht nur daran, dass viele ehemalige Tesla-Führungskräfte bei dem Unternehmen arbeiten. Das erste Auto aus der Elektroautoschmiede aus Kalifornien hat durchaus das Potenzial, Autofahrer genauso zu begeistern wie die Tesla-Fahrzeuge.

Das wurde beim offizielen Lucid Air Launch gestern sehr deutlich. Dabei hat das Start-up per Livestream die neue Marke ausführlich vorgestellt und dabei natürlich ein besonderes Augenmerk auf das Premiere-Fahrzeug, den Lucid Air gelegt.

Dabei soll es zunächst eine limitierte Auflage geben, die Lucid Air Dream Edition.

Lucid Air Launch: Sagenhafte 832 Kilometer Reichweite

So waren die Manager auch definitiv nicht bescheiden und nannten den Lucid Air beim Launch „das beste Auto der Welt“. Tatsächlich hat das Elektroauto so einige Superlative zu bieten.

Dazu gehören:

  • der größte Frunk der Welt
  • eins der hellsten Scheinwerferlichter der Welt
  • das größte Rücklicht der Welt
  • die höchste Spannung (900 Volt) in einem E-Auto
  • die höchste Reichweite überhaupt mit 832 Kilometer nach EPA-Standard (113 Kilowattstunden Akku-Pack)

Gerade die letzten zwei Punkte zeigen, dass Tesla sich warm anziehen muss. Denn Lucid Motors bietet durchaus revolutionäre Innovationen, die selbst Tesla-Fahrzeuge nicht haben.

Das Tesla-Fahrzeug mit der höchsten Reichweite und einer vergleichbaren Modell-Klasse ist der Tesla Model S mit etwas mehr als 600 Kilometer Reichweite.

Die hohe Spannung erlaubt dem Lucid Air zudem nicht nur schnelles Fahren (1.000 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 378 Kilometer pro Stunde), sondern auch sehr schnelles Laden. Innerhalb von 20 Minuten kannst du etwa 480 Kilometer Reichweite laden.

Am Schnellladesystem, Lucid Motors arbeitet dafür mit Electrify America zusammen, sind es dann 32 Kilometer pro Minute.

Unterm Strich macht das den Lucid Air so effizient wie eine kleine Renault Zoe.

Kleineres Auto, mehr Platz

CEO Peter Rawlinson wollte nämlich bei der Entwicklung besonders zwei Dinge erreichen: Ein Elektroauto mit viel Reichweite schaffen und den Raum im Auto neu denken. Das ist bei Elektroautos, die sich nicht um Verbrennungsmotoren und dazugehörige Teile sorgen müssen, durchaus möglich.

So ist der Lucid Air von außen kleiner als die Mercedes S-Klasse, bietet im Innenraum aber mehr Platz. Möglich machen das clevere Details wie der Verbau der Klimaanlage außerhalb des Innenraumes oder auch bisher nie dagewesene Innovationen. So ist etwa das Getriebe erstmals voll in den Elektromotor integriert worden.

Für Autobesitzer heißt das: Mehr Platz im Innenraum. Es soll auch eine Executive-Version geben, bei der man die Rücksitze um 45 Grad zurücklehnen kann.

Übrigens: Der Akku sitzt beim Lucid Air unter den Füßen der Insassen, etwas, das Lucid Motors von seiner Erfahrung mit elektrischen Rennautos mit eingebracht hat.

Lucid Air soll vollautonom fahren

Darüber hinaus ist Lucid Air schon mit einigen autonomen Features ausgestattet. Dazu gehören neben verschiedenen Assistenzsystemen ein Lidar-Erkennungssystem, um Gegenstände vor dem Auto zu erkennen.

Eine Kamera beobachtet zudem den Fahrer und kann so einschätzen, ob er konzentriert oder abgelenkt ist.

Apropos Kamera. Der Lucid Air lässt sich über eine App ans Smartphone koppeln. Hier kann dann jeder Fahrer für sich individuelle Features einstellen. Willst du losfahren, kannst du dies über die App angeben und das Auto stellt alles auf deine gespeicherten Einstellungen um.

Dann öffnet sich das Auto, sobald du in der Nähe bist und prüft dann über die Gesichtserkennungsfunktion der Kamera, ob du auch wirklich der richtige Fahrer bist.

Lucid Air lässt sich über Alexa auch ans Smart Home anbinden.

All diese Systeme, so versichert es das Unternehmen, seien redundant und über ein Ethernet-System sehr sicher.

Langfristig plant man wohl auch ein vollautonomes Fahrzeug. Sehr viel mehr war aber beim Launch dazu nicht zu erfahren.

Wunderbox: Laden in zwei Richtungen

Ein weiteres interessantes Feature, das das Team beim Lucid Air Launch vorstellte, ist die Wunderbox. Dabei handelt es sich um ein bidirektionales Ladesystem.

Das heißt, dass damit nicht nur Strom von der Steckdose ins Auto fließen kann, sondern auch vom Auto nach außen. Bei einem Stromausfall kannst du damit also etwa deinen Lucid Air als Generator nutzen oder natürlich auch andere Autos aufladen.

Ein solches System bietet übrigens auch das deutsche Elektroautostart-up Sono Motors im Sion.

Kauferfahrung per VR

Die Konfiguration für den Kauf der Fahrzeuge funktioniert natürlich über die Website. Hierbei hat sich Lucid Motors angeblich von Videospielen inspirieren lassen, um das Erlebnis echter zu gestalten.

Es soll auch Verkaufsstellen geben, sogenannte Studios. Hierbei können Interessierte dann auch per VR-Brille das Fahrerlebnis immersiv ausprobieren.

Die Dream Edition des Lucid Air wird es in drei Farben geben: Schwarz, Weiß und Gold.

Produktionsstart noch in diesem Jahr geplant

Dabei wird es sich, wie bereits erwähnt, um eine limitierte Auflage handeln. Ab 2021 sind dann aber weitere Modelle in Serie geplant. Offenbar ist auch ein Luxus-SUV in Arbeit.

Zunächst will Lucid Motors den Grand Touring launchen (139.000 US-Dollar), dann den etwas abgespeckten Touring (95.000 US-Dollar) und schließlich soll 2022 die massentauglichere Version folgen, der Air (weniger als 80.000 US-Dollar).

Alle Autos werden in der Casa-Grande-Fabrik zwischen Tucson und Phoenix in Arizona produziert. Sie ist – noch ein Superlativ – die am schnellsten aufgerichtete „Greenfield-Fabrik“ für Elektroautos in den USA.

Greenfield ist hier im Sinne von „auf der grünen Wiese“ gebaut zu verstehen. Lucid Motors ist damit in acht Monaten quasi vom grünen Feld zur voll funktionsfähigen Fabrik gelangt. Die Produktion der neuen Autos soll Ende des Jahres starten.

Den Lucid Air der limitierten Dream Edition kannst du mit einer Vorauszahlung von 7.500 US-Dollar vorbestellen. Der Kaufpreis liegt bei 169.000 US-Dollar (ohne Mehrwertsteuer). Immerhin gibt es in den USA einen möglichen Steuerbonus von 7.500 US-Dollar.

Für die ersten drei Käufer soll es zudem drei Jahre Gratis-Strom an den Stationen von Electrify America geben.

Den Lucid Air gibt es schon ab 1.000 Euro Vorauszahlung.

Erste Lieferungen in den USA der Dream Edition werden Mitte 2021 erwartet. Ein genaues Datum für Lieferungen nach Europa ist noch nicht bekannt.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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