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Luftverschmutzung: Können unsere Gene uns vor Emissionen schützen?

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Können unsere Gene uns vor Emissionen schützen? Eine neue Studie sagt, ja. (Foto: Pixabay / 원규 이)

Wissenschaftler glauben, dass unsere Vorfahren Gene gegen Luftverschmutzung entwickelt haben. Sie helfen uns gegen Emissionen, können uns aber auch schaden.

Luftverschmutzung ist eins der sichtbarsten Zeichen von Umweltverschmutzung. Wenn der Rauch von Waldbränden über Australien schwebt, Mexiko Stadt im Smog versinkt oder saurer Regen im Winter auf Neu-Delhi fällt – dann werden Emissionen greifbar.

Wir sehen, riechen und fühlen sie. Nicht nur in dem Moment, sondern auch langfristig. Schließlich schaden Emissionen unserer Gesundheit.


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Rauchende Fabrikschlote, Autoabgase, Zigarettenrauch und der Ruß unserer Kaminöfen: Wir sind eigentlich stets von Luftverschmutzung umgeben. 92 Prozent der Weltbevölkerung lebt in einem Umfeld, das die Akzeptanzgrenze der Weltgesundheitsorganisation für Emissionen übersteigt.

Die Folgen sind bekannt: Herz- und Lungenkrankheiten, Diabetes und sogar Alzheimer werden mit Emissionen in Verbindung gebracht. Tatsächlich sind genaue kausale Zusammenhänge, etwa zwischen Rauchen und Lungenkrankheiten, schwierig herzustellen. Schließlich kennen viele von uns Kettenraucher, die 90 Jahre alt geworden sind.


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Unsere Vorfahren mussten gegen Sand und Pollenflug kämpfen

Forscher sagen nun: Unsere Gene haben wahrscheinlich über Jahrmillionen eine Art Widerstandsfähigkeit gegen Emissionen entwickelt. Das könnte erklären, warum manche Menschen mit Emissionen so „gut“ zurechtkommen. Einerseits hilft uns das gegen Luftverschmutzung. Andererseits führt uns genau das neuen Schaden zu.

Tatsächlich entstand diese Widerstandsfähigkeit gegen Luftverschmutzung möglicherweise lange bevor es Fabriken oder Autos gab.

Die beiden US-Biologen Caleb Finch und Benjamin Trumble behaupten in einer aktuellen Studie, The Exposome in Human Evolution: From Dust to Diesel, dass diese Genveranlagung schon entwickelt wurde, als Primaten durch die afrikanische Savanne wanderten.

Der aufrechte Gang brachte sie in neue luftige Höhen – und damit auch zu neuen Herausforderungen. Ihre Körper mussten plötzlich lernen, mit Staub oder Pollenflug umzugehen.

Finch und Trumble glauben, dass sich dadurch bestimmte genetische Verteidigungsmechanismen formten, die uns heute noch gegen Luftverschmutzung helfen.

Möglicherweise könnte das also die Erklärung für die 90-jährigen Kettenraucher sein. Sie profitieren noch von diesen Genen unserer Vorfahren.

„Luftverschmutzung-Gene“: Segen oder Fluch?

Tatsächlich gibt es einige Gene, die sich mit der Evolution der Menschheit bedeutend weiterentwickelt haben.

Dazu gehört MARCO, eine Art Haken, den Zellen in unseren Lungen nutzen, um sie von Bakterien und Partikeln zu reinigen. Auch AHR ist ein solches Gen, das sich vermutlich genau dann entwickelt hat, als die Menschen lernten Feuer zu beherrschen – und sich gegen Rauch-Emissionen schützen mussten.

Auch die Genvariante ApoE4 könnte dazu gehören. Diese wird mit einer hohen Todesrate bei Kindern in Verbindung gebracht, aber auch mit Alzheimer, wie die New York Times berichtet.

Es ist denkbar, dass ApoE4 sich deshalb entwickelt hat, weil es Menschen gegen Luftverschmutzung schützt und so die Überlebenschancen erhöht hat.

Gleichzeitig sind es aber genau diese genetischen „Vorteile“, die auch viele Risiken mitbringen.

Denn wir sind im heutigen Zeitalter natürlich sehr viel mehr Luftverschmutzung ausgesetzt als unsere Vorfahren es je waren. Unsere Gene können zwar damit umgehen, sie reagieren darauf aber auch mit Entzündungen als Abwehrmechanismus.

Aufgrund der konstanten Luftverschmutzung gehen diese Entzündungen aber nicht mehr vorbei. Sie werden chronisch und beeinträchtigen dadurch unter anderem die Fähigkeit unseres Gehirns schädliche Proteine zu entfernen.

Viele Wissenschaftler bringen deshalb mittlerweile chronische Entzündungen mit Demenz in Verbindung, insbesondere mit Alzheimer.

Die Gene, die unsere Vorfahren gegen Luftverschmutzung entwickelt haben, haben uns lange das Überleben gesichert. Doch sie könnten uns nun auf andere Weise gefährden.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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