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Studie: So schlecht sind Uber und Lyft fürs Klima

Lyft, Ridepooling, Ridesharing
Neue Studie zeigt, wie klimaschädlich Lyft und Uber sind. (Foto: Lyft)
geschrieben von Marinela Potor

Wie schlecht sind eigentlich Ridehailing-Angebote wie Uber und Lyft fürs Klima? Eine neue Studie sagt: sehr! Warum eigentlich?

„Vieles wird besser, wenn Menschen mobil bleiben“, heißt es auf der Website von Uber Deutschland. Das mag teilweise sogar stimmen, gilt aber im Fall von Uber und Lyft allerdings nicht fürs Klima. Zu diesem Schluss kommt jedenfalls eine neue US-Studie der Union of Concerned Scientists (UCS).

Warum ist das aber so? Denn eigentlich sollen Ridehailing-Dienste in Städten das eigene Auto ersetzen.


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Wer will schon Bus fahren, wenn es Lyft und Uber gibt?

Das tun sie sogar. Allerdings haben sie noch einen anderen negativen Effekt. Sie ersetzen ebenfalls umweltfreundlichere Transportmittel. Warum soll man beispielsweise bei schlechtem Wetter zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren, wenn man günstig und bequem mit Uber oder Lyft ans Ziel kommt?

Und warum soll man mit dem vollen Bus fahren, wenn man zu einem vergleichbaren Preis aber wesentlich komfortabler im Ridehailing-Auto transportiert wird?

Die UCS-Studie hat genau zu diesem Verhalten Nutzer in Kalifornien befragt und festgestellt, dass 24 Prozent der Nutzer, die einen nicht-geteilten Fahrdienst bestellt hatten andernfalls mit dem ÖPNV gefahren wären. Bei Usern, die die Ridepooling-Option der Apps genutzt hatten, wären 36 Prozent ohne Lyft und Uber andernfalls mit den Öffis gefahren.

Ridehailing ersetzt damit also in den USA weniger das eigene Auto, sondern vielmehr umweltfreundlichere Transportmittel und das führt zur negativen Klimabilanz von Ridehailing.

Die Studien-Autoren schätzen, dass die Ridehailing-Fahrten 69 Prozent klimaschädlicher sind als die Transportmittel, die sie ersetzen – also etwa Fahrrad oder Bus und Bahn.

Sogar im Vergleich zu Taxis schneiden Uber und Lyft schlecht ab. Das liegt aber vor allem daran, dass Städte in den USA Taxis regulieren können. Sie können beispielsweise die Anzahl der Fahrzeuge festlegen.

Bei den privaten Ridehailing-Diensten sind Regulierungsversuche bislang meist gescheitert, sodass es oftmals sehr viel mehr Uber- und Lyft-Fahrer gibt als Taxifahrer – oder sogar Taxifahrer, die zusätzlich auch noch privat für die Ridehailing-Unternehmen arbeiten. Auch das führt dazu, dass am Ende mehr Autos anstatt weniger in US-Städten unterwegs sind.


Ridehailing, Ridesharing und Ridepooling: Was ist der Unterschied?

Die Begriffe Ridehailing, Ridesharing und Ridepooling werden oft als Synonyme verwendet. Es gibt aber bedeutende Unterschiede.

Ridesharing

Ridesharing bedeutet schlichtweg, dass sich mehrere Personen eine Fahrt teilen. Das kann spontan und einmalig über eine App organisiert werden, wie etwa bei Blablacar oder anderen Mitfahrzentralen. Es kann aber auch eine regelmäßige Fahrgemeinschaft zwischen Arbeitskollegen sein.

Ridehailing

Ridehailing könnte man als „Fahrt-Herbeirufen“ übersetzen. Im ganz klassischen Sinne ist es das Heranwinken eines Taxis auf der Straße. In Zeiten der On-Demand-Mobility kann es aber auch heißen, dass du ein Transportmittel per App zu deinem Standort bestellst.

Ridepooling

Ridepooling ist wiederum eine sehr spezifische Form des geteilten Transports. Denn während du beim Ridehailing meist alleine im Auto gefahren wirst, beinhaltet das Wort „Pooling“ immer die Idee, dass mehrere Mitfahrer auf der gleichen Route mitgenommen werden.

Wenn du also zum Beispiel  im Blablacar-Auto mit drei weiteren Mitfahrern von Hamburg nach Berlin fährst, ist es genau genommen Ridepooling. Doch auch bei Uber und Lyft kannst du eine Pooling-Option auswählen. Dabei akzeptierst du, dass auf der gleichen Strecke noch andere Fahrgäste mit einsteigen.

Mit Blick aufs Klima ist das die nachhaltigste Variante. Denn anstatt, dass drei Mitfahrer in drei individuellen Autos von A nach B fahren, nutzen sie lediglich ein Fahrzeug und reduzieren damit Emissionen. Genau genommen könnte man deswegen auch beim ÖPNV von Ridepooling sprechen.

Da Uber und Lyft eine Kombination aus all diesen drei Varianten nutzen, werden die Dienste – je nach Fokus – auch anders genannt. Ridehailing ist aber die präziseste Beschreibung.


Nutzer lehnen geteilte Fahrten ab

Fairerweise muss man aber sagen, dass sowohl Uber als auch Lyft durchaus das nachhaltigere Ridepooling anbieten. Das ist sogar die günstigste Variante, um die Dienste zu nutzen. Allerdings ist es kein besonders beliebtes Angebot.

Denn man akzeptiert dabei gleichzeitig kleine Umwege und muss sich das Fahrzeug mit Fremden teilen. In vielen Städten gibt es daher die Pool-Varianten gar nicht (mehr).

Das Ergebnis ist also, dass Uber und Lyft, wenn wohl auch nicht unbedingt so beabsichtigt, dafür gesorgt haben, dass es mehr Individualverkehr, mehr Autos und damit auch mehr Abgase in Städten gibt. Schon in der Vergangenheit haben Studien Ähnliches festgestellt.

Die UCS sagt aber auch: Man kann Ridehailing durchaus nachhaltiger gestalten.

So kann Ridehailing klimafreundlicher werden

Dazu schlägt die UCS drei Dinge vor:

  1. Die Dienste sollen nachhaltigere Fahrzeuge, vornehmlich Elektroautos, nutzen.
  2. Uber und Lyft sollten ihre Pooling-Angebote ausweiten.
  3. Sie sollten ihr Angebot mit dem ÖPNV koordinieren, also beispielsweise gezielt Fahrten zur U-Bahn-Haltestelle anbieten.

In Deutschland funktionieren die gängigen On-Demand-Dienste wie Moia oder Clevershuttle übrigens genau nach diesen drei Prinzipien. Doch auch Lyft und Uber bemühen sich zumindest auch in den USA ihr Angebot umweltfreundlicher zu gestalten.

Lyft hat zum Beispiel einen Klimaplan vorgelegt. Demnach will das Unternehmen klimaneutral werden – unter anderem, indem es die durch die eigenen Fahrten entstanden Emissionen ausgleichen möchte. Seit Neuestem bewirbt Lyft sogar seinen Service aktiv als Anbindung zum ÖPNV. Uber wiederum hat finanzielle Anreize für Fahrer geschaffen, damit diese auf Elektroautos umsteigen.

Ob das ausreicht, um Ridehailing wirklich so klimafreundlich wie etwa den ÖPNV zu gestalten? Es wäre zumindest ein Schritt in diese Richtung. Gleichzeitig wäre es aber insbesondere für mittelgroße Städte in den USA sicher auch keine schlechte Idee, in den Ausbau des öffentlichen Verkehrsnetzes zu investieren.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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