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Nachgefragt: Marcus Meurer über Marketing für digitale Nomaden

sensitive noise / Milos Milosevic / Flickr (CC BY 4.0)
geschrieben von Marinela Potor

In unserer Reihe Nachgefragt fragen wir bei den erfolgreichsten digitalen Nomaden nach wie sie es ganz nach oben geschafft haben, was ihre Strategien sind und welche Tipps sie für Neueinsteiger haben. Im heutigen Interview haben wir mit Marcus Meurer, einem der bekanntesten digitalen Nomaden in Deutschland gesprochen.

Gemeinsam mit seiner Freundin Felicia Hargarten hat Marcus Meurer 2014 die erste Digitale Nomadenkonferenz (DNX) gestartet, er interviewt auf seinem Podcast LIFE HACKZ andere digitale Nomaden und hat „nebenher” noch eine Vielzahl anderer erfolgreicher Projekte. Seine berufliche Expertise liegt dabei vor allem im Bereich Marketing, einem Thema das für Onlineentreprenuere IMMER wichtig ist – und genau darüber haben wir ihn Löcher in den Bauch gefragt.

MLD: Marketing ist unter Online-Entrepreneuren ein Riesen-Thema. Doch braucht wirklich jeder, der ein Produkt oder einen Service im Internet verkauft, Marketing?

Marcus: Nun ja, es gibt natürlich den Fall, dass du etwas entwickelst, was genau den Nerv der Zeit trifft und sich das Produkt oder der Service dann von ganz alleine verkauft. Doch ganz ehrlich, darauf würde ich mich nicht verlassen. Daher würde ich schon allen Geschäftsleuten empfehlen, sich auch mal mit dem Thema „Marketing“ auseinanderzusetzen.

Wie macht man das denn am besten, wenn man mal davon ausgeht, dass der Durchschnitts-Digitalnomade wohl viel Ahnung von seinem Produkt aber eher weniger von Marketing hat? Sollte man lieber einen Marketing-Experten bezahlen?

Ich kann allen nur empfehlen, am Anfang erstmal alles selbst zu machen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das sehr schwierig ist, aber ich glaube, es ist wichtig, dass man zumindest ein Mal alles selbst gemacht hat. Wenn du nicht weißt wie ein Prozess funktioniert oder was dir wichtig ist, kannst du das auch keinem Experten erklären oder merken, ob die Hilfe, die du bekommst, dir überhaupt hilft. Zum Glück findet man all diese Informationen heute im Internet. Ich empfehle zum Beispiel die Onlinemarketing-Produkte von Moz oder die Webseite von Pat Flynn zum passiven Einkommen.

Gibt es so etwas wie gutes und schlechtes Marketing?

Es gibt definitiv gutes Marketing, ich nenne das den Pull-Effect, also wenn User auf dein Angebot von selbst aufmerksam werden und dahin gepullt werden, also davon angezogen werden und deine Inhalte von ganz alleine teilen. Und dann gibt’s Marekting, das zu pushy ist und die Leute einfach nervt. Das ist, wenn ich auf Teufel komm raus Emails von Nutzern sammle und die dann zuspamme oder wenn mir auf einer Webseite tausend Pop-Ups entgegenfliegen und ich das „X“ zum Schließen nicht finde. Oder manche Leute verstehen auch nicht, wie sie zum Beispiel Facebook effizient nutzen können.

Viele Online-Businessleute, die am Anfang stehen, meinen das mit dem Nerven gar nicht böse, sondern sind wahrscheinlich selbst so begeistert von ihrem Produkt und wollen das natürlich auch verkaufen…

Das ist das Problem! Die meisten machen erstmal den Fehler, dass sie als allererstes ans Geld verdienen denken – und das ist tödlich. Denn bevor man an irgendwelche Einnahmen denkt, muss man den Nutzern ja erstmal ein gutes Produkt bieten. Wenn du einen Blog hast, musst du den Lesern wertvolle Information bieten, die sie woanders nicht finden. Das ist am Anfang verdammt viel Arbeit und kaum Einnahmen. Deswegen sage ich auch immer: Erst Reichweite aufbauen, gute Produkte mit Mehrwert anbieten und dann erst an Einnahmequellen denken. Das können dann Affiliate-Links sein oder auch eBooks. Denn dann nehmen die User dir das auch nicht übel, wenn du zum Beispiel einen Affiliate-Link setzt, nachdem du total ausführlich und ehrlich Reiserucksäcke getestet hast.

Die meisten digitalen Nomaden, die sich gerade ein Onlinebusiness aufbauen, müssen aber doch am Anfang auch ans Geld denken und haben keine Zeit, sich jahrelang eine gute Reichweite aufzubauen.

Deswegen würde ich auch nie empfehlen, ohne irgendwelche Rücklagen ein Onlinebusiness zu starten. Entweder man hat ein finanzielles Puffer, sodass man die Zeit und Ruhe hat, ein Produkt oder eine Dienstleistung vernünftig aufzubauen oder man arbeitet nebenher erstmal als Freelancer. So haben Feli und ich das am Anfang auch gemacht. Denn du brauchst ja logischerweise auch ein Einkommen und dafür ist Freelancing ideal – nicht das Marketing für dein Angebot!

Marcus in Chiang Mai

Marcus in Chiang Mai

Wie lange kann das denn dauern, bis solche Marketng-Strategien für ein Onlinebusiness zum Erfolg führen?

Das kann natürlich ganz unterschiedlich sein, aber ich würde mal drei Jahre dafür einplanen.

Was sind denn Marketing-Strategien, die zum Erfolg führen für Onlineunternehmer?

Das kommt sehr auf das Produkt oder die Dienstleistung an. Wenn du ein physisches Produkt anbietest, ist es zum Beispiel sehr erfolgreich, Marketing über Amazon zu betreiben. Das hilft erstmal dabei, dein Produkt in die Welt zu launchen und bringt natürlich auch Traffic zu dir. So kann man sich dann zum Beispiel langsam eine Marke aufbauen.

Und für Onlineprodukte wie Onlinecoaching oder eBooks?

Als erstes sollte man hier mit dem Bloggen, starten, um Reach aufzubauen und bei Google gefunden zu werden. Dann sind meine Tipps

  • Starte vom ersten Tag an, Emails zu sammeln durch ein Freebie, das auch Mehrwert bietet
  • Interviewe Influencer auf deinem Blog
  • Mache eine Umfrage was die Leute wirklich wollen und bilde daraus das Produkt
  • Baue dir ein Netzwerk auf, gut geeignet sind dazu Onlinenetzwerke wie etwa die zahlreichen Facebook-Gruppen für digitale Nomaden

Was sind Strategien, die man eher vermeiden sollte?

Man sollte Leute einfach nicht mit Eigenwerbung nerven und auch Webseiten, die völlig mit Werbung überladen sind, wollen Nutzer einfach nicht sehen. Ein weiterer Tipp: Don’t oversell! Verspreche also nie mehr als du halten kannst, nur für den einen Sale! Das merken sich Nutzer und kommen nie wieder zu deinem Produkt. Die bessere Strategie ist, lieber weniger versprechen und dann mehr bieten als man versprochen hat.

Die meisten verbinden dich ja mit erfolgreichem Marketing. Gab es bei dir denn auch schon Marketing Flops?

Oh ja, eine ganze Menge! Als wir zum Beispiel mit der DNX losgelegt haben, dachten Feli und ich, dass es ’ne ganz tolle Idee wäre, eine Forums-Webseite aufzubauen. Das hat überhaupt nicht gklappt, die Leute haben das einfach nicht angenommen. Wir hatten einfach unterschätzt, wie schwierig es ist, die User von Facebook wegzukriegen.

Apropos Foren und Austausch mit anderen: Wie wichtig ist Netzwerken als Marketing-Strategie?

SEHR wichtig! Es kann so hilfreich sein, seine Ideen einfach anderen vorzustellen und darüber zu reden, als Feedback für dich, aber auch einfach, um Kontakte zu knüpfen und ganz ungeahnte Kooperationen zu starten. Ich würde sagen, dass das Netzwerken ein unglaublich wichtiges Tool im Marketing sind!

Was ist denn mit Menschen, die eher introvertiert sind?

Genau dafür ist ja das Internet da und die vielen Gruppen für digitale Nomaden. Hier kann man sich erstmal ganz anonym im Forum oder in einer Facebook-Gruppe austauschen. Wenn es dann zum Beispiel regionale Treffen gibt, an denen man interessiert wäre, sich aber nicht traut hinzugehen, kann man erstmal mit anderen aus der Gruppe chatten und diese so online beschnuppern, bevor man sie dann direkt trifft.

Was rätst du digitalen Unternehmern, die gerade mit dem Marketing loslegen wollen?

Ihr solltet die Dinge nicht verkomplizieren – je einfacher, desto besser! Darüber hinaus ist es auch ganz wichtig, keine Versagensangst zu haben. Von allen Fehlern kann man immer nur lernen – und das ist im Leben genau so wie beim Marketing!


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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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