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Mitfahrgelegenheiten im Netz, Teil 1: Von den Anfängen bis Blablacar

geschrieben von Marinela Potor

Man nehme ein Auto, ein Ziel und mehrere Menschen. Das ergibt zusammen eine Fahrgemeinschaft. Das Konzept ist nichts Neues und wird von Klassenkameraden, Arbeitskollegen, Freunden und wahrscheinlich jedem Kegelverein gerne und oft genutzt. Seit Ende den Neunzigerjahren ist aus dem Prinzip der Fahrgemeinschaft eine Geschäftsidee entstanden. Mittlerweile gibt es unzählige Onlineplattformen für Mitfahrgelegenheiten. Blablacar ist dabei mit über 20 Millionen Nutzern die größte Mitfahrplattform der Welt. Doch viele schrecken immer noch davor zurück, einen solchen Service zu nutzen. Deshalb haben wir hier von den Anfängen bis Blablacar einige der wichtigsten Fragen evisund um Mitfahrgelegenheiten aus dem Netz für euch zusammengestellt.

Das Internet bringt Fahrer und Mitfahrer zusammen

Als ich im Jahr 2003 zum ersten Mal mit der Mitfahrzentrale fuhr, studierte ich in Süddeutschland – und wollte nicht mehr die (für mich damals teure) Bahncard bezahlen. Damals erzählte mir eine Freundin begeistert von mitfahrzentrale.de. Seitdem bin ich begeisterte Nutzerin von Onlineportalen für Mitfahrgelegenheiten.

Wie funktionieren die Mitfahrgelegenheiten im Netz?

Eine der ersten Portale für Fahrgemeinschaften war mitfahrgelegenheit.de. Die Plattform wurde Ende der Neunzigerjahre gegründet und war bis vor Kurzem eines der größten und aktivsten Onlineportale in Deutschland. Fahrer und Mitfahrer konnten sich hier suchen und finden – und so Fahrgemeinschaften bilden. Alle Plattformen im Netz funktionieren mehr oder weniger nach dem gleichen Muster.

Das Grundprinzip: Fahrer und Mitfahrer können sich online suchen und finden

Das Prinzip dahinter ist denkbar einfach: Anstatt im Freundes- und Bekanntenkreis nach Fahrern oder Mitfahrern zu suchen, kann man nun theoretisch das ganze Internet zum Suchen nutzen.

Fahrer können auf der Plattform eintragen, wann sie welche Strecke fahren und wie viel Geld sie für die Spritkosten haben wollen. Mitfahrer wiederum tragen ihre Wunschstrecken ein. So ist es ein Leichtes, passende Fahrer oder Mitfahrer für die gewünschte Strecke zu finden.

Sind Mitfahrgelegenheiten im Netz legal?

Solange die Fahrer tatsächlich nur Spritgeld kassieren: ja. Sobald Fahrer damit anfangen, Geld zu verdienen: nein! Denn dafür braucht man in den meisten Ländern eine spezielle Lizenz zum Personentransport.

Wer aber nur einen Benzinzuschuss bekommt oder zahlt, hat nichts zu befürchten.

Was sind die Vorteile von Mitfahrgelegenheiten?

Die Vorteile einer solchen Fahrgemeinschaft liegen klar auf der Hand: Die Fahrer bekommen ein wenig Gesellschaft für eine lange Fahrt – und einen Zuschuss fürs Spritgeld. Mitfahrer sparen sich teure Bahntickets, kommen gerade bei langen Strecken oft schneller ans Ziel und müssen sich trotzdem kein eigenes Auto anschaffen. Mitfahrgelegenheiten sind darüber hinaus auch umweltfreundlicher, als alleine mit dem Auto zu fahren, da durch das Carpooling natürlich weniger Autofahrer auf den Straßen unterwegs sind.

Der Erfolg einer solchen Online-Community steht und fällt natürlich mit der Zahl der Mitglieder. Je mehr User ein Portal nutzen, desto mehr Fahrer, Mitfahrer und angebotene Strecken kann man finden. Mit mehr als 20 Millionen Nutzern ist Blablacar hier eindeutig die größte Plattform der Welt. Schauen wir uns deshalb dieses Portal etwas genauer an.

Wie entstand Blablacar?

Verglichen mit dem Urgestein mitfahrgelegenheit.de ist Blablacar ein Neuling auf dem Markt der Online-Fahrgemeinschaften. Das Netzwerk wurde 2006 gestartet und ist mittlerweile mit mehr als 20 Millionen Nutzern in über 20 Ländern, darunter auch Brasilien und Mexiko, der Platzhirsch.

Gründer Frederic Mazzella kam die Idee zu Blablacar im Jahr 2003. Er hatte angeblich sein Bahnticket verschlampt. Blöd, dass es in seinem Heimatland Frankreich Weihnachtszeit war und alle Züge komplett ausgebucht waren. Auch ein eigenes Auto besaß er nicht.

Mazzella hatte keine Ahnung, wie er nun nach Hause kommen sollte. Seine Schwester erbarmte sich schließlich seiner und holte ihn auf einem 150-Kilometer-Umweg ab. Als er jedoch auf dem Beifahrersitz saß und die Autobahn um sich herum betrachtete, fiel ihm auf: In den Autos saß oft nur eine einzige Person. Es müsste doch einen Weg geben, diese freien Sitze mit verzweifelten Mitfahrern wie ihm selbst zu füllen, dachte er sich. Blablacar war geboren.

Mazzella hatte dabei sicherlich den Vorteil, nicht der erste auf dem Markt zu sein. Er konnte sein eigenes Modell entwickeln und dabei von den Erfahrungen und Funktionsweisen bestehender Plattformen lernen. Mittlerweile ist Blablacar so erfolgreich, dass das Unternehmen auch die deutschen Portale mitfahrzentrale.de sowie mitfahrgelegenheit.de gekauft hat.

Wie funktioniert Blablacar?

Die Nutzung von Blablacar ist einfach.

Schritt 1: Profil erstellen

Als erstes müsst ihr euch als Nutzer registrieren und ein Profil erstellen. Darin beschreibt ihr euch kurz selbst, gegebenenfalls euer Auto, und auch unter anderem, wie gesprächig ihr seid (bla, bla bla oder bla bla bla).

Anmeldung bei Blablacar

Anmeldung bei Blablacar

Schritt 2: Fahrten anbieten oder Fahrten suchen

Je nachdem, ob ihr ein Auto habt und eure freien Sitzplätze füllen möchtet, oder ob ihr selbst Fahrer sucht, könnt ihr die Suchfunktion auf der Seite entsprechend nutzen. Ihr wählt Start und Ziel sowie das Reisedatum aus, und die Seite zeigt euch dann die Mitfahrgelegenheiten für eure Wunschstrecke.

Strecke wählen

Strecke wählen

Ihr könnt dabei eure Suche verfeinern und beispielsweise nach den Autos mit mehr Komfort suchen oder euch Profile von Nutzern anzeigen lassen, die besonders schnell antworten. Gerade wenn ihr Last-Minute sucht, ist das sehr hilfreich. Den Preis könnt ihr auch schon direkt sehen.

Schritt 3: Fahrer auswählen

Fahrer wählen

Fahrer wählen

Wenn ihr dann einen Fahrer gefunden habt, könnt ihr ihn direkt über das Portal kontaktieren. Ihr vereinbart Treffpunkt, tauscht Telefonnummern aus – und schon habt ihr eure Mitfahrgelegenheit organisiert.

Schritt 4: Die Bezahlung

Je nachdem in welchem Land und auf welcher Strecke ihr Blablacar nutzt, fällt eine Vermittlungsprovision an. Wenn diese wegfällt, zahlt ihr normalerweise direkt beim Fahrer in bar.

Bei der Provision läuft es so ab, dass ihr erstmal eine Reservierungsanfrage schickt. Stimmt der Fahrer dem zu, bezahlt ihr die Fahrt schon im Voraus, zum Beispiel per PayPal oder Kreditkarte. Das beinhaltet auch die Provision für Blablacar. Bei der Beispielsstrecke Dortmund-Düsseldorf ist das ein Euro.

Ist das Geld überwiesen, parkt Blablacar den Betrag erstmal – ähnlich wie auch Airbnb. Ihr erhaltet einen Code, den ihr dann am Ende der Fahrt eurem Fahrer übergibt. Er kann damit den Betrag von Blablacar erhalten.

Manche Nutzer möchten natürlich diese Provisionszahlung vermeiden, doch Blablacar macht es Usern schwierig, Kontaktdaten außerhalb der Plattform auszutauschen. Die Nachrichten werden gescannt, Telefonnummern oder Mail-Adressen geblockt. Nur wer eine Fahrt reserviert, erhält die Kontaktdaten der Mitfahrer oder Fahrer.

Warum verlangt Blablacar manchmal eine Provision und manchmal nicht?

Darüber kann man nur spekulieren, doch es ergibt natürlich Sinn, dass das Unternehmen mit dem Portal Geld verdienen möchte. Bisher scheint es so zu sein, dass Blablacar seine Seite in einem Land neu ausrollt und der Service dann komplett gratis ist. Bis eine kritische Nutzeranzahl erreicht wird. Dann beginnt Blablacar für die beliebtesten Strecken eine Provision zu verlangen – und weitet dies schließlich aus.

In Deutschland hat Blablacar seit August 2016 für das Vermitteln von Fahrten eine Gebühr eingeführt. Ältere Mitglieder, die sich bereits vor August 2016 registriert haben, erhalten hier aus Kulanz zwei gebührenfreie Freihfahrten. Auch hier kann es also mitunter vorkommen, dass ihr als Nutzer (noch) keine Gebühren zahlen müsst.

Das ist unternehmerisch sicher geschickt, da User so erstmal nicht von Kosten abgeschreckt werden. Haben sie dann das Portal genutzt und mögen den Service, sind sie eher bereit zu zahlen – zumal Blablacar natürlich mit seiner Masse oft Mitbewerber schluckt.

Warum ist Blablacar so beliebt?

Dafür gibt es wahrscheinlich zwei Gründe: Öffentlicher Transport, gerade für lange Strecken, ist oft zu langsam und/oder zu teuer. Wer beispielsweise keine Bahncard hat, kann mit einer Mitfahrgelegenheit wie Blablacar sehr viel Geld sparen. Selbst mit der Provision ist Blablacar also oft günstiger.

In unserem Beispiel fällt der Vergleich so aus: Für eine Mitfahrgelegenheit mit Blablacar von Dortmund nach Düsseldorf habe ich inklusive Gebühr sechs Euro gezahlt. Für die gleiche Strecke kostet eine Fahrt mit der Deutschen Bahn – ohne Bahncard oder andere Angebote – 18 Euro.

Aber auch für die Fahrer ist es natürlich eine willkommene Einnahme, wenn sie den Spritpreis nicht alleine bezahlen müssen. Das macht die gleiche Strecke auch für sie sehr viel günstiger – vor allem, wenn mehr als eine Person auf der gleichen Strecke mitfährt.

Darüber hinaus ist Blablacar einfach eine unterhaltsame Art zu reisen. Ein Fahrer hat einmal von Spanien nach Andorra  speziell für uns einen Umweg gemacht – nur damit wir die schöne Landschaft sehen konnten. Andere Fahrer wiederum hatten tolle Tipps für Sehenswürdigkeiten in einer Stadt. Andere waren wirklich tolle Gesprächspartner.

So fährt es sich natürlich sowohl für die Fahrer als auch für die Mitfahrer sehr viel angenehmer.

Hinzu kommt, dass Blablacar flexibler sein kann als beispielsweise ein Fernbus. Fernbusse fahren zu festen Zeiten, die aber für eure Pläne möglicherweise nicht passen. So habt ihr dann bei Blablacar möglicherweise eine bessere Chance, für eure Wunschzeit eine passende Fahrt zu finden.

Die Kombination aus einem angenehmen Fahrerlebnis, Spontanität und günstiger Fahrmöglichkeit ist es wohl, die Blablacar so beliebt macht.

Wie sicher ist Blablacar?

Wenn ich bei einem Unbekannten ins Auto steige, kann eine Menge schief gehen. Anders als bei einem professionellen Busfahrer oder Taxifahrer weiß ich nicht, ob die Person hinterm Steuer auch ein sicherer Fahrer ist.

Darüber hinaus haben wir alle zu viele Filme über zunächst harmlos wirkende Fahrer gesehen, die sich dann als Massenmörder entpuppen. Die Angst fährt da also immer ein wenig mit.

Die Onlineportale wie Blablacar versuchen Nutzern hier durch die Einführung von Profilen mehr Sicherheit zu bieten. Diese sind aber nicht nur Selbstbeschreibung. Fahrer und Mitfahrer geben nach der Fahrt eine Bewertung ab.

Wenn also jemand wie eine gesenkte Sau fährt, kann man dies vor der Fahrt im Idealfall direkt sehen – und dann eine andere Fahrt buchen. Auch Fahrer können natürlich einen Mitfahrer ablehnen.

Selbstverständlich ist das keine 100-prozentige Garantie. Ich kann aber zumindest aus eigener Erfahrung sowohl als Fahrerin als auch als Mitfahrerin berichten, dass ich in 13 Jahren Mitfahrgelegenheit noch nie Probleme hatte.

Warum wird Blablacar verklagt?

Ähnlich wie bei Uber, Lyft oder Airbnb sieht die Konkurrenz von Blablacar natürlich nicht gerne, wie ein solches Portal die Fahrgäste en masse abgreift. Traditionelle Transportgesellschaften fühlen sich bedroht.

In Spanien haben deswegen einige Fernbusse die Plattform verklagt. Ob sie damit Recht bekommen, ist allerdings unklar. Denn erstens ist Blablacar ganz klar ein Unternehmen und hat sich nie als Non-Profit-Organisation bezeichnet. Zweitens verdient Blablacar nicht am eigentlichen Transport, sondern an der Vermittlung.

Gibt es neben Blablacar eigentlich noch andere Anbieter?

Ja. Welche Anbieter ihr für Mitfahrgelegenheiten findet, hängt dabei natürlich auch vom jeweiligen Land ab. In den USA ist mir zum Beispiel keine wirklich gut funktionierende Online-Community bekannt, aber in Kanada habe ich 2013 Amigo Express und Kangaride genutzt, und beides hat sehr gut funktioniert.

In Europa ist Blablacar der bekannteste und größte Anbieter, aber es gibt natürlich auch Alternativen. Gerade in Deutschland könnt ihr viele andere Portale für Mitfahrgelegenheiten finden, die auch interessante eigene Konzepte haben.

Welche das sind, und ob sie den Vergleich mit Blablacar standhalten können, das erfahrt ihr im 2. Teil dieser Reihe über Mitfahrgelegenheiten im Netz.


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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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