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Nachgefragt: Carina von Um 180 Grad

sensitive noise / Milos Milosevic / Flickr (CC BY 4.0)
geschrieben von Marinela Potor

In unserer Reihe Nachgefragt fragen wir bei den erfolgreichsten digitalen Nomaden nach wie sie eigentlich so erfolgreich geworden sind, was ihre Strategien sind und welche Tipps sie für Neueinsteiger haben. Den Anfang macht dabei Carina Herrmann. Sie schreibt auf ihrem Reiseblog für Frauen, Pink Compass, hat unter anderem zahlreiche Ebooks und Online Coaching Pakete auf den Markt gebracht und unterstützt über ihre Webseite Um 180 Grad andere Frauen bei ihrem Schritt in die digitale Selbstständigkeit.

Mein Leben Digital: Wie war dein Weg von der Reisebloggerin zur erfolgreichen Geschäftsfrau?

Carina: Ich habe schon mit dem Bewusstsein gestartet, professionell zu bloggen, als ich Pink Compass neu ausgerichtet habe. Ich wollte mir eine ortsunabhängige Selbstständigkeit aufbauen, um selbstbestimmter leben und vor allem, dauerhaft reisen zu können.
Danach waren es bewusste Schritte: Reichweite aufbauen, Social Media Kanäle aufbauen, die ersten Produkte erstellen, die ersten Bücher schreiben… und irgendwann kam dann auch der Gedanke, andere selbständige Frauen bei diesen Schritten zu unterstützen und so wurde Um 180 Grad geboren.

War dieser Erfolg geplant? Hattest du einen Businessplan, oder wie ist es dazu gekommen?

Ich hatte keinen ausgearbeiteten Business-Plan, aber konkrete Ziele und Meilensteine. Sie haben mich angetrieben und immer weiter wachsen lassen.

Du hast ja das BlogCamp mitgemacht, hattest du darüber hinaus im Voraus viel Wissen darüber wie man ein Geschäft führt oder einen Blog monetarisiert?

Ich hatte zuvor überhaupt keine Ahnung vom professionellen Bloggen und auch danach noch keine genaue Vorstellung, was Selbstständigkeit eigentlich bedeuten würde. In meiner Familie war nie jemand selbständig und ich kannte auch niemanden, der es mit der Selbstständigkeit mal gewagt hätte. Das kam erst später dazu.

Welche Tipps / Bücher / Ebooks / Blogs etc. haben dir am meisten geholfen und warum?

Ich habe unendlich viel gelesen in den ersten sechs Monaten und mache das auch heute noch. Am Anfang war Suitcase Entrepreneur mein Leitfaden und ein fantastisches Gesamtwerk, um mir überhaupt mal einen Einblick ins Online-Marketing zu geben.
Vor der Veröffentlichung meines ersten Buches hielt ich mich an Your First 1000 Copies fest, vor jedem neuen Produkt, das ich veröffentliche, kehre ich zu Launch von Jeff Walker zurück und aktuell lese ich das neue Buch von Steven Pressfield Nobody wants to read you sh** , in dem unglaublich viel Wahrheit und Weisheit zum Schreiben steckt.

Welche Fehler haben dir auf deinem Weg am meisten geholfen? Welche sollten andere in Zukunft vermeiden?

Dass sich mein erstes, sehr laienhaft erstelltes EBook nur an 7 Personen verkauft hat. Daraus habe ich unglaublich viel gelernt, was ich alles nicht machen sollte. Die größten Lerneffekte dabei waren, ein Produkt passend auszupreisen, es zu 100% an die eigene Zielperson auszurichten (und nicht nur zu 30%) und definitiv auch am Anfang nicht an Lektorat und Design sparen, wenn es ein Produkt ist, für das ich Geld verlange.

Die zweite Frage kann ich nicht beantworten, denn sehr oft sind Fehler das Beste, was uns passieren kann und wer keine macht, der lernt auch nicht daraus.

Wenn man sich den Markt der digitalen Nomadenblogger so anschaut, gibt es sehr viele, die versuchen, dem Erfolg von Bloggern wie dir nachzueifern. Viele davon scheitern, andere verkaufen meiner Meinung nach ziemlichen Mist, nur wenige sind wirklich erfolgreich. Wie kann man es als Neuling, ohne das Glück zu haben zu den ersten Reisebloggern in Deutschland zu gehören (und daher schon automatisch ganz oben bei Google zu landen), dennoch auch heute noch mit seinem Blog Geld zu verdienen?

Eine klare Nische in der Nische. Das Thema „Reiseblogger“ ist ausgelutscht, das sehe ich genauso. Aber es gibt immer noch keine Reisebloggerin, die sich intensiv und ausschließlich mit dem Alleinreisen in Indien beschäftigt oder einen Reiseblog, der sich ausschließlich mit Städtereisen in Metropolen der ganzen Welt beschäftigt (oder ich bin nur noch nicht darüber gestolpert).

Je klarer und definierter das Thema ist, desto besser und schneller kann man damit bekannt werden. Es gibt nichts Schlimmeres und Fataleres, als allen gerecht und von allen gemocht werden zu wollen. Das gilt im Leben, wie auch als Reiseblogger. Dann geht man nämlich einfach in der Masse unter.

Warum scheitern so viele Blogger?

Weil sie Arbeit dahinter unterschätzen.
Weil sie schon nach 6 Monaten aufgeben.
Weil sie nicht konstant in ihrer Aussage, ihrer Qualität und ihrer Häufigkeit sind.
Weil sie erwarten, Menschen finden sie schon einfach deswegen, weil sie nun einen Blog haben.
Weil sie nur starten, um damit Geld zu verdienen und frustriert merken, dass das Reisebloggen kein Goldesel ist.

Viele digitale Nomaden eifern dem Versprechen der 4 Hour Workweek von Tim Ferris nach. Ist das ein Mythos oder ein Ziel für dich?

Es ist ein Mythos, der von einigen wenigen noch gern aufrechterhalten wird. Tim Ferris selbst lebt die 4-Stunden-Woche nicht. Die wenigen Menschen, die sie tatsächlich leben, haben es geschafft starke passive Einnahmequellen zu erzeugen und sich so komplett zurückziehen zu können.

Für mich ist das definitiv kein Ziel, denn ich wüsste nicht, wie ich in diesen vier Stunden den Kontakt zu den Frauen halten soll, denen ich gerne weiterhelfen möchte. Das würde nur funktionieren, wenn ich mich von allen Interaktionen abnabeln würde. Noch dazu ist meine Arbeit mein Hobby und meine Leidenschaft, auch wenn das langsam klischeehaft und lahm klingt. Ich müsste mir verbieten, meine Zeit damit zu verbringen, was mir Spaß macht und was mich glücklich macht. Die 4-Stunden-Woche wäre also für mich eher eine Strafe.

Wie viele Stunden arbeitest du am Tag / in der Woche?

Das kommt stark darauf an, in welcher Phase du mich gerade erwischst. Wenn ich auf einem Roadtrip bin, dann beantworte ich höchstens eine Stunde am Tag E-Mails und antworte auf Kommentare auf meinen Social Media Kanälen. Dann reichen ein paar Wochen lang auch mal 5-10 Stunden in der Woche. Wenn ich wie jetzt, an neuen Projekten bastele, kann ich mich schon mal darin verlieren, aber mehr als 4-6 Stunden am Tag und 20-30 Stunden in der Woche werden es nur noch sehr selten.

Wie viel Geld verdienst du eigentlich über deine Blogs, den Verkauf deiner Produkte und das Coaching?

Ich coache nur noch sehr selten und auch nur, wenn ich in jemandem großes Potential sehe oder ihre Business-Idee mich stark reizt. Das ist also eher zum Taschengeld nebenher geworden. Je nach Monat liegt mein Umsatz momentan zwischen 3.000-5.000 €. Mit den Blogs verdiene ich nicht wirklich Geld (niemand bezahlt mich bisher dafür, dass ich Artikel dafür schreibe… ) sondern über Empfehlungs-Marketing und hauptsächlich über meine eigenen Produkte und Bücher.

Carina in Chiang Mai

Carina von Um 180 Grad in Chiang Mai

In deinem Reiseblog, aber auch in deinem Blog Um 180 Grad fokussierst du dich klar auf die Zielgruppe „Frauen”. Warum?

Weil wir in beiden Fällen noch stark hinterherhinken, dem Alleinreisen sowie auch der Selbstständigkeit. Ich möchte da gerne zur Gleichberechtigung beitragen und Frauen zeigen, dass wir alles erreichen können, wenn wir es wirklich wollen. Aber auch, weil unsere Gesellschaft uns als Frau gerne in Rollen presst, in die wir vielleicht gar nicht gepresst werden wollen.

Brauchen Frauen andere Ratschläge als Männer, um erfolgreich zu sein? Wenn ja, welche und warum?

Meiner Erfahrung nach sind die meisten Männer (und wie bei uns Frauen, gibt es natürlich auch dort Ausnahmen) eher die Macher. Sie probieren einfach mal und riskieren auch, damit auf die Nase zu fallen. Sie haben in vielen Fällen deutlich mehr Selbstbewusstsein, was aber auch daran liegt, dass „Karriere machen“ noch stark männlich behaftet ist. Frauen zweifeln viel mehr an sich, an ihrem Können, auch dank des Umfeldes, das sie darin noch bestärkt und kleinredet. Also fangen sie viel zu oft gar nicht erst an, es zu versuchen. Dabei liegt darin das ganze Geheimnis: Einfach zu starten und unterwegs zu lernen und zu optimieren.

Wie hilfst du Frauen ganz konkret?

Die meisten Frauen, die mich erreichen, denken sie brauchen eine klare Anleitung. In den meisten Fällen ist es eher so, dass sie jemanden brauchen, der ihnen sagt: Du kannst das. Du darfst das. Und ja, Du bist gut genug!
Ich versuche also so viel Bekräftigung und Bestätigung zu geben, wie ich kann. Etwas, dass ihnen in ihrem Umfeld oft fehlt. Außerdem auch das bestärkende Gefühl zu vermitteln, dass sie mit ihren Sorgen und Zweifeln nicht alleine sind, sondern dass wir alle sie haben. Das schweißt uns alle zusammen und gemeinsam sind wir stärker.

Was sind die häufigsten Ratschläge, die du gibst?

Hör auf nach den 100% zu streben und gib dich bei dir selbst auch mit 80% zufrieden. Das reicht zu Beginn. Wir sind oft so sehr mit unserem Drang nach Perfektionismus beschäftigt, dass wir uns daran aufhängen.

Hab eine klare Aussage. Niemand ist je dafür bekannt geworden, für alle und jeden da zu sein.

Welche Probleme fallen dir besonders auf? Also: mit welchen Problemen / Hindernissen haben Frauen, die sich selbständig machen wollen, am meisten zu kämpfen?

Ihrem eigenen Kopf. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Wir selbst sind oft unser größter Feind.

Du bietest ja über deine Webseite / Newsletter Coaching-Pakete für Frauen an, gibst du auch persönliche Coaching-Sessions?

Wenn mir jemand den Eindruck vermittelt, zu 100% dabei zu sein (das ist der einzige Fall, in dem ich 100% sehen will) und die nötige Leidenschaft und Hartnäckigkeit mitbringt, dann ja.

Mal etwas provokant gefragt: Brauchen Frauen so einen Service überhaupt? Kann man sich das nicht alles selbst im Internet anlesen?

Ich würde mich freuen, wenn ich keine Coaching-Anfragen mehr bekäme. Das würde nämlich bedeuten, die Selbstzweifel und die fehlende Courage bei uns Frauen hätten sich endlich erledigt.

Was zeichnet dein Angebot besonders aus?

Das musst du die Frauen fragen, die sich von mir coachen lassen möchten. Ich vermute aber stark, dass es meine authentische und offene Art ist, die sie anzieht. Das ich knallhart und ehrlich bin, keine Ausreden gelten lasse und niemandem Honig um den Mund schmiere, nur weil sie mich für ein Coaching bezahlt. Eine ehrliche Meinung und konstruktive Tipps sind meiner Meinung nach das Wertvollste, was man einem Menschen geben kann. Vielleicht etwas sanfter verpackt, mit einer pinken Schleife…

Könntest du ein paar Erfolgsgeschichten und Misserfolgsgeschichten von deinen Schülern erzählen?

Eine meiner schönsten Erfolgsgeschichten ist Andrea Drexl, von so little time. Wir haben vor etwas mehr als einem Jahr gemeinsam in einem Coaching ihre Business-Idee ausgefeilt und sie hat sich mit Elan und viel, viel Arbeit dahintergeklemmt. Mittlerweile ist sie Vollzeit-Selbständige und hat gerade ihr erstes EBook veröffentlicht. Das macht mich unglaublich glücklich, zu sehen, dass ich helfen konnte, sie auf ihren eigenen Weg zu bringen.

Der schönste „Misserfolg“ war eine der Teilnehmerinnen der Erfolgs-Challenge, einem 5-wöchigen Online-Workshop, den ich im März gegeben habe. Sie schrieb mir hinterher, dass sie mir für den Workshop danken wollte, weil er ihr gezeigt hat, dass ein Online-Business nicht das Richtige für sie ist und sie nun besser weiß, was sie im Leben will. Das ist mein einziges Ziel: Frauen dabei zu helfen, dass sie in ihrem Leben zufriedener sind. Egal wie.

Welche Strategien führen zu Erfolg? Welche sind zum Scheitern verurteilt?

Hartnäckigkeit, Geduld und Konsistenz führen immer zum Erfolg.
Selbstzweifel, Ausreden und Konkurrenzdenken zerstören schon den Keim davon.

Wenn du Frauen, die ein Business starten wollen, nur einen Ratschlag geben könntest, welcher wäre das?

Fang an. Noch heute. Egal wo oder womit, fang einfach an.


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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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