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Nachgefragt: Jenny und Sebastian von 22places über Fotografie als Einnahmequelle

sensitive noise / Milos Milosevic / Flickr (CC BY 4.0)
geschrieben von Marinela Potor

In unserer Reihe Nachgefragt haken wir bei den erfolgreichsten digitalen Nomaden nach, wie sie es ganz nach oben geschafft haben, was ihre Strategien sind und welche Tipps sie für Neueinsteiger haben. Im heutigen Interview haben wir Jenny Mitscher und Sebastian Ritter von 22places gesprochen.

Jenny und Sebastian leben seit 2014 Jahren als digitale Nomaden und schreiben über ihre beiden großen Leidenschaften: reisen und fotografieren. Von ihnen wollten wir wissen, wie man die Fotografie in ein profitables Onlinebusiness ausbauen kann.

Mein Leben Digital: Euren Blog, 22places, könnte man als Foto-Reiseblog PLUS beschreiben. Das Plus bezieht sich dabei unter anderem darauf, dass ihr auch einen Guide zu den schönsten (versteckten) Fotomotiven der Welt zusammenstellt. Wie würdet ihr selbst das Konzept eures Blogs beschreiben?

Jenny und Sebastian: Unser Guide zu den schönsten Foto-Locations war eigentlich mal die ursprüngliche Idee von 22places. Wir waren selbst auf unseren Reisen immer auf der Suche nach spannenden Fotospots jenseits der typischen Sehenswürdigkeiten. So kamen wir auf die Idee, eine Plattform zu schaffen, auf der jeder seine Spots teilen kann. Das hat auch gut funktioniert und wir hatten schnell die ersten 1.000 Locations online.

Im November 2014 haben wir uns dann entschlossen, das ursprüngliche Konzept zu erweitern und aus 22places einen Blog zu machen, auf dem wir über unsere beiden Leidenschaften schreiben: das Reisen und die Fotografie.

Bei unseren Reiseberichten ist es uns vor allem wichtig, handfeste Tipps zu geben, die unseren Lesern bei ihrer Reise wirklich weiter helfen. Bei unseren Fotografie-Artikeln achten wir ganz stark darauf, die Fotografie in einfachen Worten zu erklären. Viele Texte über die Fotografie sind einfach sehr kompliziert geschrieben und gerade Einsteiger haben es da oft schwer. So ist auch die Idee für unseren Online-Fotokurs entstanden, in dem wir die Fotografie mit einfachen Worten erklären. Mit Freude lernen ist da sozusagen inklusive.

Interessant ist dabei, dass ihr selbst gar keine ausgebildeten Fotografen seid, sondern was ganz anderes gelernt habt. Jenny, du hast einen Bachelor in Tourism Management und Sebastian, du hast BWL studiert und in einer Onlineagentur in Berlin gearbeitet. Wie seid ihr denn dazu gekommen, über Fotografie zu schreiben und könnt ihr als Hobbyfotografen überhaupt gute Tipps geben?

Fotografieren war schon lange unser Hobby, aber wir haben das vorher nie professionell betrieben.

Wir verdienen den Hauptteil unseres Geldes heute auch nicht direkt als Fotografen, sondern mehr mit unseren Projekten rund um die Fotografie. Grundsätzlich ist Fotografie aber für jeden erlernbar und wenn man daran Spaß hat, kann man damit auch Geld verdienen.

Viel wichtiger als die fotografischen Skills ist ohnehin die Vermarktung. Es gibt so viele großartige Fotografen da draußen, die zu unheimlich niedrigen Preisen arbeiten und auf den Markt schimpfen. Letztendlich liegt es aber einzig und allein daran, dass es an der Vermarktung hapert.

 

Quelle: 22places-jenny-sebastian

Quelle: 22places

Das ist interessant, dass ihr so auf Vermarktung pocht. Denn gerade der Traumberuf „Reisefotograf“ ist so heiß umkämpft, dass das nur für sehr wenige eine Karriere bietet. Lohnt es sich überhaupt, als digitaler Nomade sein Geld mit Fotos verdienen zu wollen?

Wenn deine Leidenschaften das Reisen und das Fotografieren sind, dann lohnt es sich definitiv! Wie eben schon gesagt, reicht es aber nicht, tolle Fotos zu machen. Das machen Tausende andere auch. Man braucht eine Idee, um sich von der Masse abzusetzen. Dann kann man auch in diesem umkämpften Bereich erfolgreich sein.

Wie sieht es aus mit absoluten Beginnern oder Hobbyfotografen, haben die eine Chance, mit ihren Fotos ihre Reisen und ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können?

Etwas Wissen im Umgang mit der Kamera ist natürlich nötig, ebenso ein Auge für Motive und Momente. Das kann man aber alles lernen.

Wirklich nur mit dem Verkauf von Fotos seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, ist sehr schwer und gelingt nur wenigen.

Welche Strategien empfehlt ihr dazu konkret? Worauf muss man achten?

Man muss einfach ein bisschen um die Ecke denken. Schöne Fotos machen und sie über Stockfoto-Portale zu verkaufen, reicht heute nicht mehr, um davon komplett leben zu können. Man braucht gute Ideen, um sich und seine Fotos so zu präsentieren, dass man aus der Masse heraus sticht.

Wir machen das vor allem über unseren Blog, wo wir auch als Personen in Erscheinung treten. Seit kurzem nutzen wir auch YouTube, wo man uns nochmal viel persönlicher erleben und kennenlernen kann.

Kann man damit dann gutes Geld verdienen?

Nur mit dem Verkauf von Fotos ist es schwer. Mit cleveren Konzepten rund um die Fotografie geht das aber definitiv.

Wie sieht es mit euren Einnahmen aus? Was verdient ihr im Monat? Was ist eure Haupteinnahmequelle?

Mittlerweile können wir komplett von 22places leben. Riesige Sprünge können wir zwar noch nicht machen, aber es reicht schon, um auch ein bisschen was zurückzulegen. Wir machen das aber auch noch keine zwei Jahre. Dafür sind wir schon unheimlich weit und sehr zufrieden mit der Entwicklung.

Wir haben verschiedene Einnahmequellen. Der Verkauf unseres Online-Fotokurses ist mittlerweile die Wichtigste. Danach folgen Affiliate-Einnahmen über unseren Blog und Kooperationen mit Unternehmen.

Und dann verkaufen wir natürlich auch ab und zu Fotos oder schreiben Texte für Corporate Blogs. Das steht aber bei uns erst an vierter Stelle.

Das ist sehr breit gefächert. Wie wichtig ist es, ein so vielfältiges Portfolio zu haben?

Das ist für uns unheimlich wichtig, da wir so schon von unserem Business leben können. Hätten wir nur eins der Standbeine, wäre das noch nicht möglich. Die Verteilung der Einnahmen auf verschiedene Quellen gibt uns natürlich auch eine Menge Sicherheit.

Das muss aber nicht die richtige Strategie für jeden sein. Es kann durchaus auch sinnvoll sein, sich voll und ganz auf eine Sache zu fokussieren. Für uns ist es aber so genau richtig.

Was waren die größten Schwierigkeiten in eurer ersten Phase als digitale Nomaden?

Richtig große Schwierigkeiten gab es eigentlich gar nicht. Klar, da ist natürlich immer die Unsicherheit, ob das denn jetzt wirklich funktioniert. Unsere Eltern haben sich natürlich auch ein bisschen Sorgen gemacht und hätten es lieber gesehen, wenn wir den sicheren Weg mit einem festen Job gewählt hätten. Aber mittlerweile sind sie da auch entspannt.

Wie seid ihr mit dieser Unsicherheit umgegangen?

Wir haben uns von vornherein ganz klare Ziele und Meilensteine gesetzt. Wir haben im Oktober 2014 beschlossen, dass wir genau ein Jahr später ortsunabhängig arbeiten wollen.

Wir haben also ein Jahr lang Zeit gehabt, 22places soweit aufzubauen, dass wir damit Geld verdienen können. In dieser Zeit haben wir nebenbei verschiedene Freelance-Jobs gemacht, aber immer nur gerade so viel, dass es zum Leben reicht. Die restliche Zeit haben wir in 22places gesteckt.

Im September 2015 war es dann so weit und wir sind für ein halbes Jahr in Richtung Südostasien aufgebrochen. Wir hatten genug Geld, um notfalls auch ohne Einnahmen über die Runden zukommen. Wir haben uns immer gesagt, dass wenn das Geld nach dieser „Probezeit“ alle ist, wir jederzeit wieder in normale Jobs gehen können.

Glücklicherweise hat alles geklappt, unser Kurs hat sich gut verkauft, der Blog entwickelt sich prächtig und wirft auch gute Einnahmen ab.

Ohne diese klaren Zielsetzungen hätten wir es aber nicht geschafft. Viele verzetteln sich beim Schritt ins ortsunabhängige, selbständige Arbeiten, einfach weil sie sich keine klaren Ziele setzen.

Quelle: 22places

Quelle: 22places

Kommen wir ein wenig auf diesen Kurs zu sprechen. Euer Online-Fotokurs ist ja kostenpflichtig (wenn auch mit Geld-Zurück-Garantie). Was bietet ihr darin an und wie teuer ist er eigentlich? Und könnt ihr Erfolgsgeschichten von Kursteilnehmern mit uns teilen, die jetzt mit dem Fotografieren selbst ihr Geld verdienen?

Der Kurs kostet 122 Euro. Dafür bekommt man einen unbegrenzt gültigen Zugang zu allen Lektionen. Es ist ein Online-Kurs mit Texten und Videos, der das komplette Wissen vermittelt, das man braucht, um gute Fotos zu machen.

Zum Thema Erfolgsgeschichten: Nein, wahrscheinlich nicht. Das ist aber auch gar nicht das Ziel des Kurses. Unser Kurs richtet sich an Fotografie-Einsteiger, die endlich ihre Kamera verstehen wollen. In unserem Kurs geht es deshalb um technische Grundlagen, Bildgestaltung, Bildbearbeitung etc.

Das Thema Geld verdienen mit Fotografie behandeln wir nicht und das wollen wir auch gar nicht.

Warum nicht? Habt ihr Angst, dass andere euch Konkurrenz machen?

Nein, das hat damit nix zu tun. Geld verdienen mit Fotografie ist einfach ein ganz anderes Thema, dafür gibt es auch Blogs, E-Books etc. Wir wollen auch ganz bewusst kein Geschäftsmodell damit aufbauen, indem wir anderen zeigen, wie sie Geld verdienen. Wir bewegen uns also in einer ganz anderen Nische und zeigen auf unserer Seite und in unserem Kurs ganz einfach, wie man schöne Fotos macht.

Ganz einfach ist nett gesagt. Denn in dem was ihr macht, steckt unheimlich viel Arbeit. Ihr selbst schreibt, wir ihr in euren Arbeitsphasen eigentlich fast permanent vorm Laptop sitzt. Wie viele Stunden pro Tag arbeitet ihr in den „heißen“ Phasen? Wie sehen eure „Reisephasen“ aus?

In unseren Arbeitsphasen sitzen wir wirklich von Montag bis Sonntag, morgens bis abends am Rechner. Meistens so von 9:00 Uhr bis 20:00 Uhr, mal etwas mehr, mal etwas weniger.

Wenn wir Reisen, kommt trotzdem täglich die ein oder andere Stunde Arbeit zusammen: Mails beantworten, Social Media-Kanäle füttern, Bilder bearbeiten, Videos schneiden und erste Berichte schreiben. Das machen wir auch auf Reisen regelmäßig.

Ihr sprecht es schon an: Ihr reist natürlich auch mit eurer Ausrüstung. Was gehört da bei euch in den Koffer?

Unser Reisegepäck besteht ja fast ausschließlich aus Technik. Unsere Klamotten passen in eine winzige Tüte. Der Laptop und die Kamera gehört natürlich immer dazu.

Daneben haben wir natürlich auch eine Menge Zubehör dabei: Stativ, Objektive, Filter und vieles mehr. Wir versuchen aber trotzdem möglichst minimalistisch unterwegs zu sein, auch wenn es oft schwierig ist. Was wir alles dabei haben, haben wir in unserer Packliste Südostasien und unserem Artikel über Fotoausrüstung auf Reisen aufgeschrieben.

Wenn jemand zu euch kommt und sagt: Ich will digitaler Nomade werden und mir meinen Lebensunterhalt als Reisefotograf verdienen. Was ratet ihr dieser Person?

Wenn es deine Leidenschaft ist, dann versuch es! Mach dir aber vorher Gedanken, wie du dein Geschäft aufziehen willst und womit du genau Geld verdienen willst.


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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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