Transport

Nachts unterwegs im Flixbus: Ein Erfahrungsbericht

geschrieben von Marinela Potor

Wenn die Beine noch steif sind und der Rücken noch schmerzt, ist vielleicht genau der richtige Zeitpunkt, um sich über eine Nachtfahrt mit dem Flixbus auszulassen.

Die Strecke: Dortmund – Mailand. Abfahrt: 20.30 Uhr. Geplante Ankunft: 11:00 Uhr. Preis: ca. 25 Euro. Soweit die Eckdaten. Es klang auch alles genau so unkompliziert: Man steigt einfach in den Flixbus in Dortmund ein und am Busbahnhof in Mailand wieder aus. Doch dazwischen lagen etliche Stunden Fahrt. Es war meine erste Nachtfahrt mit einem europäischen Busunternehmen. Bisher war ich eigentlich nur in Lateinamerika lange Strecken im Bus gefahren. Ich war also neugierig, wie sich der Flixbus so machen würde.

Die Logistik: Mangelhaft

Der erste Eindruck war schon mal nicht besonders überzeugend. Der Busfahrer prüfte erst mühsam die Tickets der Fahrgäste und da sein Scanner nicht besonders gut zu funktionieren schien, dauerte das pro Gast im Schnitt drei Minuten – und das bei einem proppenvollen Bus.

Hatte man dies dann geschafft, ging es weiter zur Gepäckaufgabe. Anstatt dass hier der Helfer von draußen die Koffer entgegennahm und dann einräumte, saß er bequem im Gepäckraum und ließ uns die schweren Taschen hochwuchten.

Ich erwarte hier natürlich keine Guatemala-Standards, in denen der Gepäckjunge sich meinen Rucksack schnappt und damit in Sekundenschnelle auf dem Busdach herumklettert. Dennoch wäre es nicht nur eine Entlastung für die Gäste, es würde auch den Auflade-Prozess wesentlich beschleunigen, wenn die Gepäckaufnahme draußen erfolgen würde.

Beispiel Mexiko: Man reicht dem Helfer sein Gepäckstück, er fragt nach dem Zielort und wuchtet dann schon Koffer, Taschen und Rucksäcke in den Gepäckraum. In der Zwischenzeit kann der Fahrgast dann schon einsteigen. Das spart Zeit und macht auch das Einräumen einfacher. Vielleicht könnte der Flixbus hier seinen Prozess noch einmal überdenken. Es gibt sicher effizientere Wege der Kofferannahme, als Fahrgäste 15 Minuten lang in der Kälte stehen zu lassen.

Der Komfort: Glückssache

Als nächstes ging es dann zur Platzwahl. Unser Bus war ein großer Doppeldeckerbus. Unten waren die Sitze breit und gemütlich, oben waren sie wohl für Germany’s Next Topmodel entworfen. Wer also Pech hatte, und keinen der begrenzten unteren Sitze mehr abbekam, musste sich in die engen Sitze im ersten Stock quetschen. Und wenn ich, ein kleines Persönchen von 1,58 Metern und 50 Kilo Kampfgewicht, Platzprobleme habe, dann will das schon was heißen.

Das alles wäre nicht so schlimm gewesen, wenn die Sitze wenigstens bequem gewesen wären. Doch sie waren hart, und die Lehne konnte leider auch nicht sehr weit zurückgeschoben werden. Tagsüber ist das kein Problem, doch gerade bei einem Nachtbus, wo Menschen auf diesen Sitzen schlafen, wäre es nett, wenn man sich so halbwegs in eine Liegeposition begeben könnte. Schlafkomfort also Fehlanzeige.

Die Fahrt: Es ist was es ist

Doch vielleicht ist es auch nicht so schlimm, dass man während einer Nachtfahrt bei Flixbus nicht gut schlafen kann, da man eh alle naselang aufgeweckt wird. Unsere Route hatte an die zehn Stopps, die natürlich jedes Mal per Lautsprecher angekündigt wurden (zum Glück ohne nervige Durchsagen!) und bei denen dann auch selbstverständlich jedes Mal das Licht eingeschaltet wurde.

Das ist nun Kritik auf hohem Niveau. Erstens, ist es gar nicht schlecht, dass die Stopps angekündigt werden. Mir ist es nämlich oft nachts passiert, dass ich geschlafen habe und bei jedem Halt panisch aufwachte und dachte, ich hätte meinen Zielort verpasst. Hier würde ich tatsächlich den Servicegehalt höher bewerten als den Störcharakter.

Und was die vielen Stopps angeht: Tja, dafür zahlt man nun mal lachhafte 25 Euro pro Person. Irgendwie muss der günstige Preis ja finanziert werden – in diesem Fall mit vielen Fahrgästen.

Der Service: Dienstleistungen großartig, Technik ungenügend

Als erstes möchte ich hier unseren Busfahrer hervorheben: Janis war gut gelaunt, souverän und stets bemüht, uns nicht zu viel aber auch nicht zu wenig Information zukommen zu lassen.

Der Flixbus war ebenfalls picobello sauber, ich konnte auch keine Sachschäden feststellen, ja sogar die Toilette hat einwandfrei funktioniert.

Nur was das Arbeiten am Laptop anging, war dies meine erste negative Erfahrung im Flixbus: Nach wenigen Stunden funktionierte das WLAN nicht mehr und auch die Steckdose unter meinem Sitz war kaputt. Da niemand außer mir Probleme zu haben schien, kann es gut sein, dass ich einfach nur Pech hatte. Blöd war nur, dass ich so weder viel schlafen noch arbeiten konnte.

Fazit: Man bekommt das, wofür man zahlt

Insgesamt war die lange Fahrt in Ordnung. Die Ankunft war allerdings eine Stunde später als geplant, ich schätze mal wegen oben erwähnter Logistik. Für mich war das kein Problem, wer aber zum Flughafen muss, sollte lieber großzügig planen. Es war natürlich keine luxuriöse Fahrt, aber man kommt zuverlässig und günstig von A nach B – und das ist auch schon mal viel wert.

In meiner Flixbus-Traumwelt gäbe es aber noch neben dem Billigpreis ein zweites Angebot, bei dem man gegen einen Aufpreis mehr Komfort und eine direktere Verbindung mit weniger Stopps erhält. Dafür zahle sogar ich Sparfuchs gerne drauf.

Mein Fazit: Man bekommt das, wofür man zahlt. Es darf also kein Luxus erwartet werden, dennoch war die Nachtfahrt mit dem Flixbus in Ordnung, wenn man weiß worauf man sich einlässt. Ich würde also auch in Zukunft wieder eine solche Fahrt buchen.


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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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