ZUKUNFT

NASA und SpaceX: Das musst du zum historischen Launch wissen

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Nach erfolgreichen Testflügen wird es nun ernst für die Crew-Dragon-Mission zur ISS. (Foto: SpaceX)

Wo kannst du den Launch am 30. Mai live verfolgen und was sind die wichtigsten Fakten zur Mission der NASA und SpaceX? Wir fassen die wichtigsten Infos zusammen.

„Eine neue Ära der menschlichen Raumfahrt wird beginnen.“ So beschreibt die US-Weltraumbehörde NASA ihren heutigen Launch zur ISS. Doch was ist an dem Launch eigentlich so besonders?

3, 2, 1…

Zunächst einmal ein Update. Der ursprünglich geplante Launch-Termin vom 27. Mai um 16.33 Uhr Florida-Zeit musste wetterbedingt werden. Neuer Termin ist nun Samstag, 30. Mai um 15.22 Uhr Florida-Zeit (21.22 Uhr deutsche Zeit).


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So, und nun die Fakten. Denn auch wenn sich die Mission um einige Tage verschiebt, der Ablauf bleibt identisch.

Heute, am 27. Mai 2020 um 16.33 Uhr Florida-Zeit (22.33 Uhr deutscher Zeit) hatten also die NASA und SpaceX – das private Raumfahrtunternehmen von Elon Musk – eigentlich einen Launch mit der Raumkapsel Crew Dragon geplant.

Startpunkt dafür ist Cape Canaveral in Florida. Von hier wird auch der neue Launch abgehen.

In der Kapsel werden dann also voraussichtlich am Samstag die beiden NASA-Astronauten Robert Behnken und Douglas Hurley sitzen, während Crew Dragon mithilfe einer Falcon-9-Rakete von SpaceX abheben wird. Ziel ist die Internationale Raumstation ISS.

Die „Fahrt“ wird etwa 19 Stunden dauern. Behnken und Hurley werden dann einen bis vier Monate auf der ISS verbringen.

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Robert Behnken und Douglas Hurley werden an Bord der Crew Dragon sein. (Foto: SpaceX)

Für die NASA ist das eine historische Mission. Die Weltraumbehörde übertragt das Event live. Hier erfährst du dann auch als Erstes, ob es – wie beim ersten geplanten Termin – wetterbedingt oder aus anderen Gründen abgesagt wird.

Du kannst den Launch von NASA und SpaceX auf dem YouTube-Kanal der Raumfahrtbehörde live nachverfolgen.

Darum ist Mission von NASA und SpaceX so bedeutsam

Unabhängig vom Launch-Datum hat die Mission historische Bedeutung. Zum ersten Mal seit 2011 fliegen US-Astronauten wieder vom eigenen Boden gen ISS. Bis 2011 hatte die NASA eigene Raum-Fahrzeuge. 2011 beschloss die Raumfahrtbehörde allerdings, diese aufzugeben. Das Space-Shuttle-Programm war zu teuer geworden.

In den vergangenen neun Jahren flogen NASA-Astronauten (und übrigens auch Astronauten der Europäischen Weltraumagentur ESA) daher immer mit russischen Kapseln zur ISS. Für die NASA, aber sicherlich auch für das Selbstvertrauen der US-Raumfahrt, ist der Launch aus dem eigenen Land heute daher so bedeutend.

Darüber hinaus ist die Kooperation zwischen NASA und SpaceX auch der erste Launch der US-Behörde mit einer kommerziellen Rakete.

Für SpaceX wiederum ist der Launch ebenfalls bedeutsam, denn es wird das erste Mal, dass ein privates Unternehmen Menschen zur ISS schickt.

SpaceX fliegt bereits seit 2012 Versorgungsflüge zur ISS. Allerdings sind diese stets unbemannt gewesen. 2019 testete SpaceX schließlich erfolgreich einen Flug zur ISS mit Crew Dragon. Auch hier war jedoch kein Astronaut an Bord, sondern lediglich eine Puppe im Raumanzug.

Sollte dieser Launch heute erfolgreich verlaufen, könnte sich daraus dann eine langfristige Kooperation ergeben.

In gewisser Hinsicht ist die heutige Mission damit auch eine Feuerprobe für die Kombination aus kommerzieller und nicht-kommerzieller Raumfahrt – und daher ebenfalls spannend.

Für SpaceX wäre ein Erfolg ebenfalls wichtig, um beispielsweise künftig auch Astronauten anderer Weltraumbehörden zur ISS zu bringen. Es ist etwa sehr wahrscheinlich, dass in Zukunft auch russische Astronatuen mit SpaceX zur ISS fliegen werden.

Es hängt also sehr viel an dem Erfolg der Mission von NASA und SpaceX.

Kann Wetter den Launch verschieben?

Natürlich hängt der Launch auch vom Wetter ab. Bei schlechten Bedingungen muss der Start verschoben werden. Genau das ist am 27. Mai passiert.

Am Morgen waren die Prognosen noch vorsichtig optimistisch. Die Wettervorhersage stand bei einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent für gute Launch-Bedingungen.

Hintergrund dafür ist auch der tropische Sturm Bertha, der sich am Morgen gebildet hatte und dessen Tiefgebiet bereits vor einigen Tagen Regen nach Florida brachte. Regen, vor allem aber Meeresstürme könnten die Mission gefährden.

Tatsächlich müssen aber viele weitere Wetterbedingungen auch außerhalb der Launch-Region beachtet werden. Für den Notfall gibt es zwischen den USA und Irland etwa 50 Punkte, an denen die Astronauten evakuiert werden könnten, falls etwas schiefgeht. Nur wenn die Wetterbedingungen überall stimmen, wird die Mission starten können.

Genauere Angaben werden die Verantwortlichen aber erst kurz vor dem Launch bekannt geben.

Genau das ist schließlich auch am 27. Mai passiert. Eine der Wetterbedingungen (elektrische Felder in der Atmosphäre), die für einen sauberen und sicheren Launch erfüllt sein müssen, war nicht optimal.

Somit ist die Mission nun um ein paar Tage auf Samstag verschoben worden.

Timeline: Das passiert vor dem Launch – und ein Elon-Musk-Moment

Der Ablauf vor dem Launch ist genau getaktet.

Sechs Stunden vor dem Launch stehen die Astronauten auf, frühstücken und machen Sport, damit ihr Schlafrhythmus sich dem der ISS anpassen kann.

Viereinhalb Stunden vor dem Launch gibt es den Wetterbericht für die Astronauten und sie probieren ihre Raumanzüge an, um sicherzustellen, dass alles richtig funktioniert. Dann kommt ein echter Elon-Musk-Moment. Robert Behnken und Douglas Hurley werden mit Tesla-Autos zum Launchpunkt gebracht.

Drei Stunden vor dem Launch fahren Behnken und Hurley mit dem Aufzug zur Crew Dragon und setzen sich ins Cockpit.

45 Minuten vor Launch gibt es dann eine Umfrage mit allen Crew-Mitgliedern, um sicherzustellen, dass alle bereit sind. Das ist der letzte kritische Moment, in dem noch entschieden werden kann, ob der Launch abgebrochen werden muss.

30 Minuten vor dem Launch wird getankt.

So wird Flug zur ISS verlaufen

Läuft alles wie geplant, erfolgt der Flug zur ISS in fünf Phasen.

Phase eins: Falcon 9 Rakete startet.

Phase zwei: Der erste Teil der Rakete wird abgespalten.

Phase drei: Der Motor wird gezündet und die Dragon-Kapsel macht sich alleine auf den Weg zur ISS.

Phase vier: Die Falcon 9 Rakete dringt wieder in die Erdatmosphäre ein, landet kontrolliert und wird dadurch rekuperiert.

Phase fünf: Die Kapsel kommt auf der ISS an.

Auch Boeing als kommerzieller Partner möglich

SpaceX ist nicht der einzige kommerzielle Partner, mit dem die NASA zusammenarbeitet. Auch Boeing hatte ein Raketensystem für bemannte Missionen zur ISS entwickelt.

Der Testflug mit einer unbemannten Kapsel im Dezember verlief aber nicht komplett erfolgreich. Die Kapsel verfehlte etwa die Umlaufbahn und konnte dadurch nicht an der ISS andocken.

Der Boeing-Testflug zur ISS im Dezember war nur teilweise erfolgreich verlaufen. Die unbemannte Raumkapsel verfehlte beispielsweise die Umlaufbahn und konnte nicht an der ISS andocken.

Dennoch wird die NASA künftig als weitere Option sicherlich auch mit Boeing zur ISS fliegen.

Ehrgeizige Weltraum-Pläne der USA

Für die USA ist es wichtig, einen eigenen unabhängigen Zugang zur ISS zu haben, weil das Land damit künftig nicht mehr von Russland abhängt.

Auch hat die US-Raumfahrtbehörde angekündigt, in die kommerzielle Raumfahrt einsteigen und beispielsweise noch in diesem Jahr erste Weltraumtouristen zur ISS bringen zu wollen. Ein Film im Weltraum mit Tom Cruise ist ebenfalls geplant.

Dazu muss die Behörde von anderen Nationen unabhängig agieren können.

Darüber hinaus hat die USA ihren Weltraum-Entdeckergeist wiederentdeckt. Im Jahr 2024 möchte das Land zum Beispiel wieder eine Mondlandung durchführen. Diesmal soll zum ersten Mal eine Frau auf dem Mond landen. Damit wären sowohl der erste Mann als auch die erste Frau auf dem Mond Amerikaner, was sicherlich zum Nationalstolz des Landes beiträgt.

Weiterhin plant das Land auch eine erste bemannte Mars-Mission. Es herrscht also Aufbruchstimmung im Land. Sollte der Launch erfolgreich verlaufen, wird es die Weltraumpläne der USA sicher weiter beflügeln.

Update: Der Artikel wurde am 27. Mai um 22.30 Uhr aufgrund des abgebrochenen Launches mit aktuellen Informationen aktualisiert. 

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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