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Nautiluslog: Dieses Start-up macht Logbücher digital

Hamburg, Hamburger Hafen, Schiff, Containerschiff, Schifffahrt
Ein junges Start-up will eine jahrhundertealte Branche umkrempeln. (Foto: Pixabay / Julius Silver)
geschrieben von Marinela Potor

Wer in oder mit der Schiffahrt-Branche arbeitet weiß: Innovationen passieren hier seeeehr langsam. Gerade deshalb ist das Konzept der Nautiluslog GmbH so interessant. Das Unternehmen will mit einer App die Branche revolutionieren. Christoph Hausel hat das Start-up schon im Radar. 

Selbst die Landratten unter uns erinnern sich bestimmt an Jules Vernes Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“, in dem Kapitän Nemo in seinem U-Boot Nautilus die sieben Weltmeere bereist. Die Nautilus ist es auch, die dem Start-up, das ich aktuell auf dem Radar habe, seinen Namen gegeben hat.

Die Schifffahrt ist nicht nur eine sagenumwobene, sondern auch eine sehr geschichtsträchtige Branche, in der sich Innovationen meist nur sehr langsam durchsetzen.


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Das beste Beispiel hierfür sind Logbücher, die bereits seit dem 17. Jahrhundert handschriftlich geführt werden und das – je nach Schiff – zum Teil in zehnfacher Ausfertigung. Digitalisierung? Fehlanzeige.

Familienunternehmen will Branche umkrempeln

Das junge Familien-Unternehmen Nautiluslog aus Hamburg hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, mit seiner Logbuch-App die Schifffahrt zu revolutionieren.

Das Gründer-Quartett besteht aus Ingo, Otto und Moritz Klemke sowie Sven Harmer, einem Studienfreund von Otto. Die Gründer waren bereits zuvor in der App-Entwicklung tätig. Die finale Idee zum digitalen Logbuch stammt von Moritz, der bei seiner Arbeit als Schiffsbesichtiger auf dieses Problem aufmerksam wurde.

Das Start-up finanzierte sich zunächst aus Privatvermögen und einem Investment des Frühphaseninvestors Tecpier. Im Januar 2017 konnten die Gründer erfolgreich den ersten Test mit einem digitalen Logbuch durchführen. 2018 erfolgte schließlich die Gründung der Nautiluslog GmbH.

Nautiluslog

Die Gründer von Nautiluslog von links nach rechts: Sven Hamer, Ingo Klemke und Otto Klemke. (Foto: Nautiluslog)

Digitales Logbuch, Wetter-App und Emissions-Warner

Mit Nautiluslog will das Start-up Logbuchdaten nicht nur digitalisieren. Es will zudem die Kosten für die Berichterstattung senken, relevante Stakeholder vernetzen und neue Geschäftsprozesse generieren.

Die App des Start-ups fungiert als digitales Logbuch. User können bequem über ihr Smartphone die Datenerfassung automatisieren, individuelle Reports erstellen und die an Bord zu erledigenden Aufgaben verteilen und steuern.

Manche Daten wie Kurswechsel, Wetterveränderungen oder Fahrmanöver werden automatisch in der App erfasst. Dafür sorgen die ohnehin im Smartphone verbauten Sensoren.

Push-Nachrichten erinnern die Besatzung an die Dokumentation von Ereignissen, die noch von Hand eingegeben werden müssen. Das kann zum Beispiel der rechtzeitige Wechsel des Treibstoffs vor dem Erreichen einer Emissionskontrollzone (ECA) sein.

Alle Daten werden in einer einzigen Datei gespeichert und in der Cloud synchronisiert. So haben nicht nur alle Besatzungsmitglieder die aktuellen Logdaten auf ihrem Smartphone parat, sondern auch das Management an Land. Lästige handschriftliche Mehrfach-Erfassungen entfallen.

Darüber hinaus unterstützt die App externe maritime Akteure bei der Durchführung von Inventuren und der Besichtigung der Schiffe inklusive Maschinenanlagen und Sicherheitsausrüstung. Emissions- und Zustandsberichte sowie Gefahrstoff-Verzeichnisse können dabei jeder Zeit per Knopfdruck erstellt werden.

Logbuch-Daten (fast) in Echtzeit übermitteln

Die App setzt auf eine moderne Technologie und wurde speziell für die an Bord bestehenden Bedürfnisse konzipiert und getestet. Auf dem Markt existieren zwar diverse Datenerfassungssysteme wie Excel oder Desktop-Anwendungen. Ein Ersatz für das Logbuch sind diese jedoch nicht.

Die Daten können hier in der Regel erst wieder an Land ausgewertet werden. Reaktionen auf bestimmte Ereignisse erfolgen dementsprechend mit deutlicher Zeitverzögerung.

Die App sammelt stattdessen alle relevanten Daten und synchronisiert sich automatisch mit der Nautiluslog-Cloud über das Bord- und Mobilfunknetzwerk.

Für den Zugang zum Internet priorisiert die App die Daten und wählt stets die günstigste Verbindung aus. Auf diese Weise ist die Besatzung an Bord, aber auch das Büro an Land stets auf dem neuesten Stand.

Nautiluslog ist weltweit verfügbar und für handelsübliche Android-Smartphones ausgelegt. Es entstehen also keine Kosten für zusätzliche Hardware oder Infrastrukturen. Kunden müssen zudem keine Installationsdaten versenden oder manuelle Updates durchführen.

Die App ist als Basisversion kostenlos. Schiffbetreiber können hier alle integrierten Funktionen nutzen und Dokumentationen anfertigen. Wer einen Cloud-Zugang oder Berichte zur Einhaltung gesetzlicher Vorschriften benötigt, zahlt eine monatliche Gebühr.

Potenzielle Kunden? 78.000 Schiffe

All das klingt vermeintlich nach einem sofortigen Hit in der Schiffsbranche. Doch das Start-up stieß mit seiner Idee nicht sofort auf offene Ohren.

Reedereien sind zwar an digitalen Lösungen durch den hohen Wettbewerbsdruck durchaus interessiert. Mit dem Wandel tut sich die traditionsreiche Branche allerdings schwer.

Noch dazu bremsen die vielen Richtlinien und Verordnungen Innovationen aus. Allein bei der Erstellung und Beurteilung von Logbüchern sind verschiedene Parteien involviert. Dazu zählen Reeder, aber auch Flaggenstaaten und Klassifizierungsgesellschaften, die als Gutachter fungieren. Denn ohne Klassifizierungszertifikat ist in Deutschland auch kein professioneller Schiffverkehr möglich.

Die Fülle an Vorschriften weiß Nautiluslog jedoch klug für sich zu nutzen, denn mit ihr nimmt auch die Dokumentationspflicht zu. Das ist beispielsweise bei der MRV-Seeverkehrsverordnung der EU der Fall.

Sie verlangt seit Januar 2018 die Erfassung, Berichterstattung und Verifizierung der CO2-Emissionen von Schiffen ab einer Größe von 5.000 Bruttoregistertonnen auf Fahrten von und zu EU-Häfen.

Auch bei der „Inventory of hazzardous Materials“ (IHM)-Verordnung sorgt der zusätzliche Aufwand bei der Datenerfassung für ein Verkaufsargument. Denn hier sind Schiffseigner dazu verpflichtet, Gefahrenstoffe an Bord von neuen und bestehenden Schiffen zu dokumentieren. Das muss bis spätestens 2020 erledigt sein.

Potenzielle Kunden gibt es aus Sicht der Gründer also genug. Weltweit gibt es mehr als 78.000 Schiffe mit einem Gewicht von 100 Gigatonnen, die die App nutzen könnten. Das Start-up will außerdem maritime Akteure und Dienstleister ansprechen und so sein Marktpotenzial vergrößern.

Preisgekröntes Start-up

In der Zwischenzeit erhielt das junge Unternehmen einige Preise. Dazu gehören der Hamburg Innovation Award, der Marine Money Accelerator und der Digital Logistics Award. Es verzeichnet außerdem namhafte Kunden wie die Reedereien Zeaborn und Oldendorff.
Laut eigener Aussage hat das Start-up mittlerweile rund 1.000 Schiffe unter Vertrag.

Mein Fazit: In der heutigen Zeit ist es eigentlich kaum vorstellbar, dass Logbücher nach wie vor von Hand geführt werden.

Die vier Gründer haben hier ein echtes Problem entdeckt und eine praktikable Lösung für das Gerät entwickelt, dass wir ohnehin ständig bei uns haben – das Smartphone.

Einen weiteren Pluspunkt gibt es dafür, dass sich das Unternehmen ganz schön durchboxen musste, um die App am Markt zu etablieren.

Über den Autor

Christoph Hausel, studierter Jurist und erfahrener Kommunikationsprofi, steht zahlreichen Acceleratoren / Inkubatoren und VCs als Mentor und Experte zur Seite: next media accelerator, initiiert von der dpa, MediaLab Bayern, Münchner Ideen-Inkubator für den digitalen Journalismus, Wayra, der Startup-Track von Telefónica und den STARTUP TEENS.

2002 gründete er die Kommunikationsagentur ELEMENT C. Damals als reine PR-Agentur konzipiert, fokussiert sich ELEMENT C seit 2005 auf die interdisziplinäre Verknüpfung von PR und Design, um ein langfristiges Markenbewusstsein zu schaffen.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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