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Nespresso baut Fahrrad aus Kaffeekapseln – wie nachhaltig ist das wirklich?

Re:Cycle, Nespresso, Velosophy
Nespresso hat ein Fahrrad aus Kaffeekapseln entwickelt. (Foto: Screenshot / Instagram)
geschrieben von Marinela Potor

Die Kaffeemarke Nespresso hat ein Fahrrad aus Kaffeekapseln entwickelt. Ist das wirklich nachhaltig oder nur ein Marketing-Stunt?

4.000 Tonnen Müll. So viel Abfall fällt jährlich in Deutschland allein aus Kaffeekapseln an. Klimabewusste Verbraucher verzichten daher bewusst auf die Kapseln von Anbietern wie Nespresso oder Tchibo.

Genau deshalb möchte die Marke Nespresso, eine Tochterfirma des Schweizer Nestlé-Konzerns, zeigen, dass die Kaffeekapseln durchaus nachhaltig sein können – wenn man sie recycelt.


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Dazu hat sich Nespresso mit dem schwedischen Fahrrad-Start-up Vélosophy zusammengetan und aus alten Kaffeekapseln ein Designer-Fahrrad gebaut. Das heißt passenderweise Re:Cycle.

300 Kapseln für ein Rad

Die Idee aus dem Alt-Alu der Kapseln ein Fahrrad zu bauen, liegt nahe. Schließlich bestehen viele Fahrradrahmen aus Aluminium. Vélosophy sagt, dass sie für den Fahrradrahmen in einem Re:Cycle 300 Kaffeekapseln von Nespresso wiederverwertet haben. Alle anderen Bestandteile, vom Sattel über die Gangschaltung und Bremsen bis hin zu den Reifen sind allerdings neu. Endpreis: 1.290 Euro.

Nespresso glaubt, mit seinem Fahrrad aus Kaffeekapseln könne es Nutzer dazu anregen, nicht nur die Kapseln, sondern auch Aluminium insgesamt bewusster zu recyceln.

Vélosophy wiederum findet, dass das Umwelt-Engagement von Nespresso gut mit der eigenen Philosophie einhergehe. Denn der Nachhaltigkeitsgedanke ist Vélosophy wichtig. So ist das Start-up Teil des Programms „One for One“ der Initiative World Bicycle Relief.

Dabei verschenkt Vélosophy für jedes Fahrrad, das jemand von ihnen kauft, ein Fahrrad an ein Mädchen in einem Entwicklungsland. Dazu passe auch das Umwelt-Engagement von Nespresso, sagt Vélosophy-Gründer Jimmy Östholm.

In der Tat bemüht Nespresso sich bei seiner Kaffeeproduktion darum, klimafreundliche Landwirtschaft zu unterstützen. Dazu gehören Kooperationen mit lokalen Kaffeebauern sowie die Fertigung von Kaffee in CO2-neutralen Fabriken oder weltweite Recycling-Programme. All das sei inspirierend, sagt Östholm.

Es ist auch durchaus nicht das erste Mal, dass Nespresso durch Kooperationen mit anderen Unternehmen zeigt, wie man das Aluminium der Kaffeekapseln hochwertig recyceln kann. So hat Nespresso zum Beispiel mit dem Unternehmen Victorinox Schweizer Taschenmesser oder mit dem Schulartikelhersteller Caran d’Ache Kugelschreiber hergestellt.

Alles reines Marketing?

Natürlich steckt hinter dem Re:Cycle auch kalkuliertes Marketing. Schließlich ist ein grünes Image heutzutage ein wichtiges Kaufargument für Verbraucher.

Doch werden die Kaffepads nicht ohnehin in Deutschland über den Gelben Sack recycelt? Theoretisch ja – wenn Verbraucher die Kapseln wirklich im Gelben Sack entsorgen und nicht etwa in den Restmüll schmeißen. Das Problem dabei ist aber, dass selbst dabei beim Recycling nur minderwertige Alu-Produkte entstehen.

Wenn dagegen ein hochwertiger Fahrradrahmen entsteht, ist das durchaus besser für die Umwelt. Dennoch ist Aluminium selbst nicht besonders umweltfreundlich.

So erfordert die Produktion viel Energie. Bei der Herstellung entsteht außerdem Rotschlamm, ein giftiger Schlamm, der oft die Gewässer in den Abbaugebieten verunreinigt.

Somit ist es immer noch nachhaltiger keine Kaffeekapseln zu benutzen (oder zumindest wiederverwertbare Kaffeekapseln*, die übrigens Nespresso selbst aus nachhaltigerem Edelstahl anbietet) als diese zu recyceln, selbst wenn dadurch ein schönes Fahrrad entsteht.

Zu guter Letzt wäre da aber auch noch der Kaffee selbst. Eine Tasse schwarzer Kaffee entspricht etwa 21 Gramm CO2. Kommt noch Milch dazu, sind wir schon bei über 70 Gramm CO2. Hinzu kommt noch der Wasser-Fußabdruck. Das ist die Menge Wasser, die benötigt wird, um ein Produkt herzustellen.

Um einen Kilogramm gerösteten Kaffee zu produzieren, fließen 21.000 Liter Wasser. Pro Tasse (etwa sieben Gramm Kaffee) wäre das also ein Wasser-Fußabdruck von 140 Litern Wasser.

Der Nachhaltigkeitswert beim Kaffeekapsel-Fahrrad hält sich daher in Grenzen. Dennoch muss man sagen: Wenn du dir ohnehin ein neues Rad anschaffen möchtest, ist das Re:Cycle durchaus umweltfreundlicher als ein komplett neues Fahrrad.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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