Transport

Nürnberg mit erstem E-Bus – und alle meckern

Nürnberg E-Bus
Screenshot: nordbayern.de
geschrieben von Marinela Potor

Nachdem wir euch in der vergangenen Woche von Nürnbergs Ticketsharing-App (der ersten in Deutschland) berichtet haben, gibt es nun schon die nächste große Mobilitätsoffensive der Stadt. Nürnberg nimmt heute seinen ersten E-Bus in Betrieb. Doch obwohl das eigentlich nach einer guten Nachricht klingt, hagelt es Kritik.

Nachdem Nürnbergs allererster (und bislang einziger) E-Bus erfolgreich ohne Fahrgäste getestet wurde, wird der Elektrobus ab heute offiziell auf einigen Strecken eingesetzt. Ab März möchte die Nürnberger Verkehrs-Aktiengesellschaft (VAG) den E-Bus in den Regelbetrieb nehmen. Dieser soll auch mit Ökostrom „betankt“ werden.

Der Bus wird zum E-Mobil. Das ist gut für die Umwelt- und Klimabilanz des ÖPNV, die im Vergleich zum Auto per se schon erheblich besser ist.

VAG-Vorstandsvorsitzender Josef Hasler

Eigentlich wäre die Umstellung auf Elektrobusse ein Grund zur Freude, könnte man meinen. Doch stattdessen hagelt es reichlich Kritik.

Ein E-Bus macht noch keine Mobilitätswende

Die hat einerseits damit zu tun, dass ein einsamer E-Bus natürlich nicht gerade „Mobilitätswende“ schreit. Der Plan der VAG zur Elektrifizierung der Busflotte in Nürnberg klingt in der Tat sehr zaghaft. Erst ab 2020 möchten die Verkehrsbetriebe weitere E-Busse kaufen und im Jahr 2030 sollen dann gerade einmal 50% der Busse elektrisch laufen. Ein klares Bekenntnis zur Elektromobilität sieht anders aus, finden Kritiker. Köln oder Hamburg seien da schon viel weiter, sagt Thorsten Brehm, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion und ebenfalls Aufsichtsratmitglied bei der VAG: „Das ist kein Meilenstein. Andere Städte sind da mutiger!“

Dabei ist die VAG nur bedingt für das langsame Tempo verantwortlich. Denn anders als die genannten Städte Köln und Hamburg, ist das Budget der VAG viel klammer. Und so ein E-Bus ist nicht günstig. 500.000 Euro hat der aktuelle Bus gekostet – das ist gut doppelt so teuer wie ein Dieselbus. Hinzu kommt, dass der Akku mindestens ein Mal in der Lebensdauer des Busses ausgetauscht werden müsste. Damit kämen nochmals – nach aktuellem Preis – 100.000 Euro drauf.

Will die Stadt tatsächlich auf E-Busse umstellen, müssten nicht nur diese bezahlt werden – die VAG schätzt diese Kosten bei 88 neuen Bussen auf 60 Millionen Euro, und geht dabei davon aus, dass die Preise ab 2025 um 40% sinken – es muss auch noch eine neue Ladeinfrastruktur geschaffen werden. Kostenvoranschlag dafür: 15 bis 20 Millionen Euro. Das ist Geld, das der VAG fehlt. Deswegen hofft sie dringend auf weitere Zuschüsse aus Bund, Land und von der Europäischen Union.

Nachfrage nach E-Bussen steigt, deutsche Anbieter zu langsam

Doch es gibt noch ein weiteres Problem – mit dem unter anderem auch andere Verkehrsbetreiber wie zum Beispiel die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zu kämpfen haben. Es gibt einfach keine Anbieter. Beziehungsweise, nur sehr wenige. Und die kommen nicht aus Deutschland. So haben deutsche Hersteller wie MAN oder Mercedes (EvoBus) ihre E-Bus-Modelle erst für 2019 angekündigt. Die BVG testet also beispielsweise aktuell einen E-Bus eines tschechischen Anbieters und überlegt künftig sogar, in China nach Anbietern zu suchen.

E-Bus Berlin

Der jünste Berliner E-Bus kommt aus Tschechien (Bild: SOR / BVG / Nils Kremmin)

Der Nürnberger E-Bus stammt auch nicht aus Deutschland, sondern vom polnischen Hersteller Solaris.

Eine klare Ansage an die deutsche Industrie: Hier muss sich dringend etwas tun.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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