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Killt On-Demand-Mobility den Mietwagen?

On-Demand-Mobility Autovermietung Bipi
Bild: Bipi
geschrieben von Marinela Potor

Nachdem Ridehailing-Plattformen wie Uber und Lyft die Taxibranche gehörig aufgemischt haben, scheint die On-Demand-Mobilität die nächste Branche erreicht zu haben – die Autovermietung. Geht es damit etwa bald auch dem klassischen Mietwagen an den Kragen?

Egal wie man nun zu Uber & Co. steht: Die appbasierten Transportangebote haben die Art und Weise, wie wir uns fortbewegen nachhaltig verändert. On-Demand-Mobilität wird zum neuen Standard. Egal, ob dies nun in Form von Taxi per App, On-Demand-Transport für Kinder oder Bikesharing ist – für Nutzer wird der Transport auf Abruf zur Norm.

Autovermietung wird zum Carsharing

Die einzige Branche, die bisher davon ausgenommen schien, war die klassische Autovermietung. Doch auch hier zeigt ein genauer Blick, dass das On-Demand-Prinzip langsam aber sicher den klassischen Mietwagen killt.

Dabei ist Autovermietung eigentlich ein Sonderfall. Denn erstens können Mietwagen schon seit vielen Jahren, einfach, bequem und auch relativ spontan online (oder per App) gebucht werden. Im Vergleich zum Taxi, bei dem Nutzer ihr Fahrzeug zum Teil noch telefonisch bestellen, ist die Autovermietung damit anderen Transportangeboten zumindest digital schon um Längen voraus.

Dennoch gehen Experten davon aus, dass der Mietwagenmarkt in einigen Jahren in seiner jetzigen Form nicht mehr existieren wird und stattdessen zu einem Carsharing-Markt wird.

Vieles spricht dafür.

Peer-to-Peer-Autovermietung an Flughafen wird beliebter

Zum einen wäre da das wachsende Angebot an Peer-to-Peer-Autovermietungen bei Flugreisen. Das US-Unternehmen Turo bietet seit 2009 (damals noch als Relay Rides) privates Carsharing an Flughäfen an und hatte damit schon relativ früh eine clevere Marktlücke entdeckt. Denn gerade in den USA mangelt es vielerorts an öffentlichen Transportmitteln, um zum Flughafen zu kommen. Reisende fahren zum Teil mehrere hundert Kilometer mit dem eigenen Auto zum Flughafen und parken es dann notgedrungen für ein oder zwei Wochen in teuren Parkhäusern. Ein Service wie Turo, der es Reisenden ermöglicht, mit dem eigenen Auto Geld zu verdienen, während man selbst am Strand sitzt, ist da natürlich sehr attraktiv. Turo gibt es seit diesem Jahr auch in Deutschland, was das steigende Interesse auch hierzulande an solchen Angeboten zeigt.

Auch das ungarische Unternehmen BeeRides bietet einen ähnlichen Service zum Ausleihen und Mieten von Privatwagen an Flughäfen. Der Flughafen Dortmund war 2017 der erste Flughafen in Deutschland, der das rein digitale Peer-to-Peer-Modell einführte. Nun hat BeeRides angekündigt, dass in diesem Jahr weitere Flughäfen dazu kommen werden. Im zweiten Halbjahr 2018 soll nach Angaben von BeeRides gegenüber Mobility Mag mindestens der Flughafen Düsseldorf den Service einführen. Weitere Flughäfen werden folgen, welche sei allerdings jetzt noch nicht klar, sagte BeeRides.

Konzerne investieren in On-Demand-Autovermietung

Zum anderen investieren sowohl Autovermieter als auch Autokonzerne in neue On-Demand-Plattformen zur Autovermietung. Ganz klar: Niemand will einen weiteren Mobilitätstrend verschlafen. Denn immerhin reden wir hier von einem globalen Markt im Wert von 58 Milliarden US-Dollar, der bis 2022 sogar 124,56 Millarden US-Dollar wert sein soll.

So kaufte Avis 2013 die Carsharing-Plattform Zipcar und auch Carsharer Ubeeqo gehört seit Neuestem Europcar.

Der deutsche Autobauer Audi wiederum kaufte 2017 das US-Mobilitätsunternehmen Silvercar und will nun nach Informationen von Afar kräftig in das Start-up für Luxusmietwagen investieren. Grund dafür ist vor allem die gestiegene Nachfrage.

Silvercar bietet Nutzern nämlich nicht nur On-Demand-Autovermietung per App, sondern mit den Luxusmodellen von Audi auch einen gehobeneren Standard – zu einem verhältnismäßig günstigen Preis. So kostet zum Beispiel der Audi Q5 pro Tag 69 US-Dollar pro Tag. Das schließt einen Kindersitz, unbegrenzte Kilometerzahl sowie Autobahngebühren mit ein.

Wichtiges Alleinstellungsmerkmal sind aber auch hier reibungslose On-Demand-Features. Die Audis von Silvercar (ja, alle Autos sind tatsächlich silberfarben) können nicht nur per App bestellt werden. Vom Vertragsabschluss bis hin zum Versicherungspaket läuft alles über die App. Die Rechnung wird ebenfalls automatisch verschickt. Auch das Öffnen des Autos regelt wie bei vielen anderen Sharing-Angeboten die App. Das spart Mietern natürlich viel Zeit und Nerven. Denn wer von uns hat nicht schon mal ewig lang in der Mietwagenschlange am Flughafen gewartet? Und musste dann noch ellenlange Vereinbarungen unterschreiben sowie unter Druck finanzschwere Entscheidungen zu Versicherung und Tankoptionen treffen?

Neben Audi hat das in Deutschland auch Autovermieter Sixt erkannt. Nachdem Sixt seine Anteile an der Carsharing-Plattform DriveNow verkauft hat, will das Unternehmen nun ein eigenes Mobilitätsangebot entwickeln. Im Fokus dabei: kurfristige Autovermietung. Sixt, das bereits mit MyDriver einen Limousinen-Service besitzt, schielt also auch auf den On-Demand-Markt, der allerdings über das klassische Carsharing hinausgehen soll. „Wir glauben, dass Carsharing nur ein Puzzleteil des gesamten Mobilitätsspektrums ist“, sagte Strategie-Vorstand Alexander Sixt gegenüber NGIN Mobility. So schließe Sixt auch ein Peer-to-Peer-Angebot nicht aus.

Auch Sixt-Konkurrent Hertz testet in Australien ein Rund-um-die-Uhr-Modell und Enterprise bietet mit „Enterprise CarShare“ ebenfalls eine 24/7-Autovermietung an.

Wo ist das „Uber für Mietwagen“?

Ebenfalls interessant ist das Angebot des spanischen Start-ups „Bipi“. Auch hier läuft der gesamte Mietvorgang über eine Applikation. Darüber hinaus bringt das Unternehmen den Mietwagen direkt zum Kunden und holt es anschließend wieder ab. All das kann man per App nachverfolgen (Anm. d. leidgeplagten Redakteurin: Gefährliche Autorennen, um den Mietwagen rechtzeitig zurückzubringen, sind damit passé).

All diese Entwicklungen sind noch relativ jung, aber eins ist jetzt schon klar: Es bewegt sich was bei der Autovermietung und der klassische Mietwagen gehört in ein paar Jahren wahrscheinlich wirklich der Vergangenheit an. Eine disruptive Entwicklung wie bei Uber ist allerdings nicht in Sicht, eher ein langsamer Wandel. Dafür scheinen die großen Konzerne schon zu gut aufgestellt.

Doch wer weiß, in der Welt der Mobilität verändert sich oft sehr viel sehr schnell. Da mag das „nächste Uber für Mietwagen“ nicht weit sein…

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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