REISEN

Frisierte Pedelecs: Schnell, gefährlich und strafbar

Pedelecs, E-Bike,
Mit 25 Stundenkilometern Maximal-Speed sind Pedelcs manchen nicht schnell genug. (Foto: Screenshot / YouTube)

Pedelecs erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Bei manchen geht ihre Zuneigung ein wenig zu weit und sie frisieren ihre elektrisch betriebenen Lieblinge ordentlich – zum Teil mit verheerenden Folgen.

Einige Speed-Spezialisten wuchten ihre Pedelces bisweilen auf das Doppelte dessen auf, was Pedelecs an Geschwindigkeit so bieten. Und das ist mit 25 Stundenkilometern auch nicht gerade wenig.

Wie das gelingt? Mit aufsteckbaren Tuning-Kits, die so klein sind wie ein Schachtel Streichhölzer. Diese Bausätze kosten auf Online-Portalen zwischen 89 und 249 Euro und können ihre frisierende Wirkung sogar mit einem Knopfdruck verschleiern.


Neue Stellenangebote

IT-Projektentwickler (m/w/d)
ROSTOCK PORT GMBH in Rostock
Mitarbeiter/in (m/w/d) für den Bereich Wirtschaftsförderung und Standortmarketing
Fremdenverkehrsges. der Stadt Rüdesheim am Rhein mbH in Rüdesheim am Rhein
Reiseverkehrs- bzw. Tourismuskaufmann/ -frau (m/w/d)
Reiseland GmbH & Co. KG in verschiedene Standorte in der Region Mitte

Alle Stellenanzeigen


Das versteckte Tuning ist Absicht. Denn die Verwendung dieser Dongles ist illegal, und selbst die Händler weisen explizit darauf hin. Da diese jedoch ihre Produkte mit dem Hinweis versehen, sie seien nur auf Privatgrundstücken zulässig, finden sie dennoch etliche Abnehmer.

Verbot der Tuning-Kits fast nicht möglich

Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) warnte bereits in der Vergangenheit davor, diese Sets einzubauen und Pedelecs zu frisieren. Auch wenn der Kauf über Online-Shops aktuell nicht belangt werden kann, ist die Verwendung im öffentlichen Straßenverkehr strafbar.

Denn der Fahrer riskiert nicht nur ein Bußgeld. Ihm droht der Verlust seines Führerscheins und wird auch bei Unfällen mindestens mit einer Teilschuld belegt.

Doch nicht nur die reine Fahrt mit diesen hochgezüchteten E-Bikes ist mitunter gefährlich: So manche Untersätze bringen die technischen Voraussetzungen gar nicht mit, um Geschwindigkeiten von über 50 Stundenkilometern über eine längere Fahrstrecke zu bewältigen.

So können Rahmen, Lenker und auch Sattelstütze die Belastungen aufgrund des erhöhten Tempos nicht mehr standhalten und in der Folge Ermüdungsbrüche erleiden. Und das kann im Rausch der Geschwindigkeit erhebliche Folgen und Verletzungen bis hin zum Tod nach sich ziehen.

Hersteller gehen gegen Manipulationen vor

Um diese Entwicklung einzudämmen, versuchen nun einige Hersteller mit speziellen Sensoren die Geschwindigkeitsübertretung zu erfassen.

Dies gelingt bei Brose über einen sogenannten CAN-Bus, der die Schnittstelle zum Datenaustausch umfasst. Hier soll ein zweiter Sensor dann die überhöhte Geschwindigkeiten erkennen. Auch Hersteller Haibike hat es laut eigener Angabe geschafft, über einen Sensor Manipulationen durch diese Tuning-Kits zu unterbinden.

Hobby-Schrauber brüsten sich aktuell auf YouTube damit, zumindest teilweise die von den Herstellern auferlegte technische Einbremsung umgehen zu können. Ein junger E-Bike-Fahrer verkündet stolz, mit 72 Stundenkilometern das schnellste E-Bike der Welt zu besitzen.

In einem anderem Video kann man aus einer Helmkamera-Perspektive auf dem Tacho 80 Stundenkilometer erkennen, als ein Pedelec auf einer Landstraße beschleunigt.

Ich geb Gas, ich will Spaß?

Auch wenn es einigen E-Bike-Fahrern in den Fingern juckt und sie gerne schneller als die limitierten 25 Stundenkilometer unterwegs sein möchten – dafür gibt es einen legalen Ausweg: S-Pedelecs. Denn diese fahren bis zu 45 Stundenkilometer schnell. Oder man schnappt sich das E-Bike-Motorrad von E-Rockit. Das fährt bis zu 80 Kilometer pro Stunde.

Doch diese E-Bikes gelten offiziell als Kraftfahrzeuge und erfordern einen Führerschein, ein Versicherungskennzeichen und einen Helm. Aber diesen sollten wir eh immer tragen, wenn wir auf zwei Rädern unterwegs sind.

Auch interessant:


Teile diesen Beitrag!

Über den Autor

Philip Bolognesi

Philip Bolognesi arbeitet seit Anfang September in der Redaktion von BASIC thinking. Er hat Kommunikationswissenschaften studiert und ist zertifizierter Social-Media-Manager. Zuvor hat er als freiberuflicher Online-Redakteur für CrispyContent (Serviceplan Berlin) gearbeitet und mittelständische Unternehmen in ihrer Online-Kommunikation beraten. Ihn trifft man häufig im Coworking-Space Hafven in Hannover. Er ist begeisterter Tischtennisspieler, Fitness-Fan, Typ-1-Diabetiker und permanent auf der Suche nach interessanten Themen aus den Bereichen Social Media, Marketing und Ernährung.

KOMMENTIEREN