Future Start-ups Transport

Hier kommt das perfekte Fahrrad für Faulpelze

Podbike Stadt
Bild: Podbike
geschrieben von Marinela Potor

Radfahren ist ja schön und gut, aber: Bei Regen wird man nass, Einkäufe damit zu transportieren ist ein wackeliger Balanceakt und bergauf fahren macht keinen Spaß. Zugegeben, das sind vielleicht Luxusprobleme, doch ein norwegisches Start-up hat dafür tatsächlich eine Lösung gefunden. Das Podbike – ein großartiges Fahrrad für Faulpelze.

Mit dem Podbike kommt bald ein weiteres außergewöhnliches Velomobil auf den Markt: Eine wetterdichte Knutschkugel auf vier Rädern mit elektronischer Unterstützung. Vor gut einer Woche wurde die erste Testversion (T0) für die Serienproduktion auf dem Nordic Electric Vehicle Summit in Oslo vorgestellt. Das Podbike ist eine interessante Option für alle, die gerne Fahrrad fahren möchten, aber ihren inneren Schweinehund gerade bei kaltem Wetter oder hügeligem Terrain nicht überwinden können. Wir haben mit Per Hassel Sørensen, dem Gründer von Podbike, über Winterreifen für Fahrräder, das Podbike-Lächeln und faule Menschen gesprochen.

Fahrspaß im Schnee

Mobility Mag: Herr Sørensen, Sie haben mit Ihrem Team ein wirklich ungewöhnliches Velomobil erfunden. Wie würden Sie das Podbike beschreiben?

Per Hassel Sørensen: Das Podbike ist ein Pedelec, das sich an die entsprechenden europäischen Gesetze dazu orientiert. Ohne in die Pedale zu treten, springt der E-Motor also nicht an, die maximale Motorgeschwindigkeit liegt bei 25 km/h und alles was darüber hinausgeht, muss der Fahrer selbst aus eigener Tretkraft herausholen. Man kann aber aufgrund der tollen Aerodynamik des Podbikes locker 40 km/h fahren.

Podbike T0 Per Hassel Sørensen

Gründer Per Hassel Sørensen im T0 „Trollemor“(Bild: Josip Bogdanovic)

Ich würde mich als faule Radfahrerin beschreiben. Wenn es regnet oder schneit, steige ich freiwillig nicht aufs Rad. Nun habe ich beim Podbike keine Entschuldigung mehr: Es gibt eine wetterdichte Haube und sogar vier Räder zum Fahren im Schnee.

Uns war es wichtig, mit dem Podbike ein Ganzjahres-Rad zu schaffen. Die Abdeckung ist im Prinzip eine Doppeltür, mit Luftklappe, aus durchsichtigem Material – wir arbeiten hier immer noch am endgültigen Material. Die vier Räder geben dem Podbike mehr Stabilität, sodass man damit sicher auf rutschigen Straßen fahren kann. Es gibt übrigens Sommer- und Winterreifen, die man sehr unkompliziert austauschen kann. Dazu haben wir die Reifen mit einem einzigen Sicherheitsriegel befestigt, so ähnlich wie bei einem Formel-1-Auto. Wir werden außerdem ein optionales Winterset mit Radbolzen anbieten. Mit den Bolzen kann man sehr gut bei Eis und Schnee fahren, ohne ist der Halt nicht ganz so gut.

Wie schwierig ist es denn, dieses Vierrad zu manövrieren – wenn wir mal wieder von mir als Sonntagsfahrerin ausgehen?

Es ist sehr einfach zu fahren. Es ist sicher und man muss nicht wie beim normalen Zweirad schnell sein, um stabil zu fahren. Denn ein klassisches Fahrrad erfordert einiges Können, um bei langsamem Tempo nicht ins Schlenkern zu kommen. Beim Podbike hingegen kann man ganz gemütlich auch sehr langsam fahren.

Man muss sich am Anfang aber etwas an das Wenden und Bremsen mit den vier Rädern gewöhnen. Man braucht in etwa drei Testfahrten über den Parkplatz, bis man den Dreh heraus hat.

Wir sprechen hier immer über das Podbike-Lächeln: Das bekommst du, nachdem du es ausprobiert hast. Es ist sicher und macht Spaß.

Podbike rutschfest

Selbst auf rutschigen Straßen bleibt das Podbike stabil (Bild: Podbike)

Wen sehen Sie als den typischen Podbike-Fahrer?

Der Podbike-Fahrer kann jeder sein, der aktuell mit seinem Rad oder Auto täglich zur Arbeit fährt, es für Freizeitaktivitäten nutzt oder damit Besorgungen erledigt. Die Altersgruppe reicht von 20 bis 60 Jahren. Podbike kann sowohl für Fahrradfahrer attraktiv sein, die einfach mehr fahren wollen, sowie für Fahrradneulinge, die bisher hauptsächlich Auto gefahren sind.

Bis zu 300 Kilometer Reichweite

Welche Materialien verwenden Sie für das Podbike?

Wir achten bei der Materialauswahl aufs Recycling, also darauf, dass man die verwendeten Stoffe recyceln kann. Wie gesagt, wir machen noch letzte Anpassungen beim Material für das Endprodukt. Die Hauptkomponenten für die Struktur sind aber aus aufprallsicherem Aluminium. Andere Sicherheitsfeatures sind aus rostfreiem Stahl. Die Karosserie wird aus einem Faser-Kunstoff-Verbund sein. Das ist das gleiche Material, das man bei ultraleichten und teuren Koffern nutzt, und das sehr robust ist.

Die Hülle ist ebenfalls aus Plastik, mit einem speziellen Schutzfilm gegen Kratzer. Die Räder sind aus Thermoplastik, mit 60% glasfaserverstärktem Kunststoff. Das sind die gleichen Räder, die aktuell bei Lastenrädern eingesetzt werden, die doppelt so viel Gewicht pro Rad aushalten müssen. Unsere Räder können also so einiges aushalten.

Das Podbike ist im Kern ein Pedelec. Wie lange dauert es, bis man die Batterie aufladen kann und wie lange kann es mit einer Ladung fahren?

Das kommt auf die Batterie und auf das Ladegerät an. Das Basismodell hat ein Standard 2A-Ladegerät und vier Module à100 Wh. Damit kann man eine komplett leere Batterie in fünf Stunden aufladen, von 20% auf 80% dauert es drei Stunden.

Dann kannst du das System mit unserem schnellen 8A-Ladegerät aufmotzen. Das beschleunigt das Laden um den Faktor vier. Von 20% auf 80% zu laden dauert damit etwa 45 Minuten. Um das Laden tagsüber zu vermeiden, kann es vorteilhaft sein, die Kapazität der Batterien zu erhöhen. Aktuell planen wir, Platz für insgesamt 15 Module zu schaffen, die dann eine Reichweite von 300 Kilometern bieten.

Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, so ein Gefährt zu bauen?

Ich habe meine Masterarbeit darüber geschrieben, wie man Velomobile verbessern kann, um sie für den Massenmarkt attraktiver zu machen. Mit dem darin beschriebenen mechanischen Design, arbeitet Podbike nun mit der Design-Agentur Montaag an dem Außendesign.

Das Ziel ist einfach, ein nachhaltiges Velomobil zu schaffen, das für Personen interessant ist, die aktuell kein Fahrrad oder Velomobil fahren. Wir haben uns darauf konzentriert, ein praktisches Gefährt mit ansprechendem Design und Spaßfaktor zu bauen. Wir freuen uns wirklich darauf, mit dem Podbike ein sicheres, bequemes, emissionsfreies, massentaugliches Transportdesign zu entwickeln.

Weniger Lärm, keine Staus, keine Emissionen

Das Podbike kann auf Ihrer Webseite schon vorbestellt werden, allerdings nicht gerade zum Schnäppchenpreis…

Wir schätzen den Preis aktuell auf 4.500 Euro für das Basismodell innerhalb der EU / EWR, inklusive Steuern und Lieferkosten. Wir werden bald eine Liste mit zusätzlichem Equipment veröffentlichen, die sehr ausführlich sein wird, weil wir so viele Bedürfnisse wie möglich abdecken wollten – je nachdem für wen und welchen Ort das Podbike gedacht ist. Klima, Terrain, Alter, Familiensituation ist innerhalb unserer sehr breiten Zielgruppe sehr unterschiedlich. Deshalb wollen wir so viele interessante Optionen wie möglich anbieten.

Für den Rest der Welt haben wir bisher noch kein Lieferdatum oder Preis.

Der Markt für E-Bikes explodiert gerade. Was hat Podbike was andere nicht haben?

Wir glauben, dass Podbike einmalig ist, weil wir die Lücke zwischen Autos und menschlich angetriebenen Gefährten auf mehrere Arten schließen

Zwei Motoren, jeweils einer in jedem Hinterreifen, sind der einzige Antrieb. Es gibt keine öligen Ketten mehr. Das Batteriepack wurde speziell für das nordische Klima in Europa entwickelt. Die Sitzposition kann angepasst werden. Es gibt Sicherheitszonen, die den Aufprall abfangen und die Fahrt sicherer machen. Das Gefährt kann auf den Hinterreifen abgestellt werden, sodass man den benötigten Abstellplatz verringert.

Velomobile reduzieren Emissionen, die durch den Transport entstehen, um den Faktor 10 oder mehr, wenn man sie mit Elektroautos vergleicht, die mit regenerativen Energien betrieben werden. Im Vergleich zu Autos mit Verbrennungsmotoren liegen wir bei den Emissionsreduktionen mindestens beim Faktor 40.

Hinzu kommt, dass sie weniger Lärm verursachen, keine Staus produzieren, weniger Raum zum Parken benötigen und auch noch für sportliche Bewegung sorgen.

Neben dem Podbike haben sie auch noch eine Podbike-Garage entwickelt, die die Räder über Solarzellen aufladen kann. Was für weitere Vorteile hat diese Garage?

Nutzer können ihre Podbikes darin warm und trocken aufbewahren. In einer Garage können außerdem vier Podbikes gleichzeitig aufbewahrt und geladen werden. Dadurch, dass die Podbikes auf den Hinterrädern geparkt werden können, sparen Sie Platz: Eine Autogarage für einen PKW nimmt soviel Platz ein wie zwei Podbike-Garagen mit acht Podbikes. Wir denken für die Zukunft bei der Garage auch über autonome Funktionen nach.

Was sind Ihre Pläne für die nahe Zukunft?

Der unmittelbare nächste Schritt ist vom T0 zu den zwölf Testbikes, i 2018 zu gehen. Diese wollen wir dann einige Monate lang mit unserer Testcrew in Norwegen ausprobieren. Bis Ende des Jahres wollen wir die ersten Podbikes an Kunden in Norwegen liefern und im Anschluss daran auch an andere Länder, je nach Nachfrage in den Vorbestellungen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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