REISEN

Reise-Start-up Queridomundo: „Corona hat uns frontal getroffen!“

Queridomundo Macchu Picchu, Peru
Das Start-up Queridomundo zeigt, wie man als Reiseunternehmen Corona meistert. (Foto: Queridomundo)

Wenn die Corona-Krise etablierte Reisekonzerne wie die Lufthansa oder Dertour trifft, ist das das Eine. Doch wie gehen junge Unternehmen damit um? Indem sie sich neu erfinden, wie etwa das Start-up Queridomundo.

Joanna Krupa und Andrea Babilon sind zwei Frauen, die normalerweise kein Problem mit unvorhergesehenen Ereignissen haben.

Ob es ein Karrierewechsel vom Maschinenbau zur Reiseleiterin ist oder eine spontane Unternehmensgründung, die beiden wissen: Unverhofft kommt oft. In der Regel können die beiden Gründerinnen von Queridomundo damit auch sehr gut umgehen.


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Doch die Pandemie hat selbst sie kurzfristig aus der Bahn geworfen. „Corona hat uns wirklich frontal getroffen“, gibt Joanna Krupa im Gespräch mit Mobility Mag zu.

Neuer Schwung in ausgelutschtes Konzept

Wir erreichen sie per Telefon in Vancouver, wo sie derzeit lebt. Ihre Geschäftspartnerin Andrea Babilon ist dagegen in Köln. Spätestens, wenn die beiden mit ihren Kunden Reisen durch Lateinamerika organisieren, treffen sie sich aber.

Denn Queridomundo bietet seit der Gründung im Jahr 2017 Lateinamerika-Gruppenreisen für Solo-Traveler an. Als Geschäftsmodell klingt das zunächst ausgelutscht.

Doch die beiden, die zuvor als Reiseleiterinnen für einen größeren deutschen Reiseveranstalter in der Region gearbeitet haben, geben dem Reiseerlebnis einen neuen Dreh.

Sie planen die Reisen nicht nur abseits des Massentourismus, bieten viele Insider-Tipps und arbeiten mit lokalen Partnern. Die beiden schaffen es auch, dass am Ende der Reise die Gruppenteilnehmer als Freunde auseinandergehen.

„Für uns sind unsere Reisegruppen so etwas wie eine kleine Familie“, sagt Joanna Krupa. Ein Beispiel dafür ist, dass sie ihre Kunden eigentlich selbst nie als solche bezeichnen, sondern lieber „Queridos“ nennen, also in etwa: „unsere Lieben“.

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Andrea Babilon und Joanna Krupa (v.l.n.r.) bieten sehr nahbare Lateinamerika-Reisen an. (Foto: Queridomundo)

Genau das hat das Start-up so erfolgreich gemacht. Bis zu diesem Jahr.

Wenn du nicht nach Lateinamerika kannst, hol Lateinamerika zu dir

„Wir hatten eigentlich unsere erste Reise in diesem Jahr für April nach Kuba geplant“, erzählt Joanna Krupa. „Diese haben wir dann absagen müssen. Danach wusste aber keiner so richtig, wie lange die Situation anhalten würde und in welchem Maße.“

Schnell war aber klar: Reisen wird in diesem Jahr nicht mehr möglich sein, insbesondere nicht in und durch Lateinamerika. Das ist denkbar ungünstig für ein Reise-Start-up, das sich genau auf diese Region spezialisiert hat.

Damit steht Queridomundo natürlich nicht alleine da. Eine Sache unterscheidet das Start-up aber gewaltig von der Konkurrenz. Keiner ihrer Reiseteilnehmer hat bislang eine geplante Reise storniert, sondern stattdessen umgebucht.

Das spricht für das besondere Vertrauensverhältnis zu ihren Kunden – und das sehr persönliche Geschäftsmodell.

Trotzdem mussten die beiden Gründerinnen relativ schnell umschalten. „Wir haben uns zusammengesetzt und uns gefragt, wie wir mit unseren Mitteln Menschen im Lockdown helfen können“, sagt Joanna Krupa. Die Antwort?

Wenn die Menschen im Moment nicht nach Lateinamerika reisen können, dann wollen sie ein Stück Lateinamerika in die europäischen Wohnzimmer bringen.


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Online-Modell: Kochen per Zoom und Sprachkurs per Internet

Anfangs posteten die Gründerinnen per YouTube oder Instagram Tipps für ein lateinamerikanisches Urlaubsfeeling im eigenen Haus. Von Cocktails mixen über Flip-Flops tragen bis hin zu Salsa tanzen war so ziemlich alles dabei.

Irgendwann kamen sie mit ihrer kochbegeisterten Praktikantin Elena Wisbach auf eine weitere Idee: Live-Kochen per Zoom. Daraus ist mittlerweile ein monatliches „Travel Dinner“ entstanden, bei der Interessierte zusammenkommen und gemeinsam lateinamerikanische Gerichte wie Quesadillas kochen.

Das war zwar schön für die Menschen, die nicht reisen können und es hilft dem Start-up auch, Vertrauen zu neuen Kunden aufzubauen. Eine Einnahmequelle für die Gründerinnen ist es aber nicht.

Schließlich waren und sind diese Angebote gratis. Selbst wenn sie als Zwei-Frau-Unternehmen im Home Office kaum Fixkosten haben, müssen sich beide momentan mit Nebenjobs über Wasser halten.

Doch Queridomundo ist ein gutes Beispiel dafür, dass Krisen auch neue Ideen hervorbringen können. So kamen Andrea Babilon und Joanna Krupa über einen Kunden auf die Idee, einen Online-Spanischkurs für Anfänger anzubieten.

Das Angebot kam überraschend gut an und so möchten die beiden das Angebot auch ausweiten. „Uns ist durch Corona klar geworden, dass es keine schlechte Idee ist, unser Geschäftsmodell krisensicherer aufzubauen“, sagt Joanna Krupa.

So wollen sie sich weitere Online-Angebote überlegen. Neben weiteren Sprachkursen wären beispielsweise auch der Vertrieb von Kochboxen mit original mexikanischen Produkten denkbar.

Auch ein Reiseangebot in europäischen Ländern wie Portugal, Spanien, Griechenland und Italien sei durchaus möglich, sagt Joanna Krupa.

Queridomundo: „Wir bieten ein Lebensgefühl“

In gewisser Hinsicht habe Corona ihnen gezeigt, dass sie eigentlich viel mehr seien als ein Reise-Start-up, sagt Joanna Krupa. „Wir bieten viel mehr als Reisen an. Wir bieten das Lebensgefühl von Lateinamerika an, und das über alle fünf Sinne.“

Das habe ihrem Unternehmen eine neue Dimension gegeben. Das haben offenbar auch andere gemerkt, wie etwa der Lateinamerika-Verein aus Hamburg.

So hat der Verein Queridomundo zu ihrem diesjährigen (virtuellen) Lateinamerika-Tag am 24. September eingeladen.

Sie sollen vor Branchenexperten und Politikern einen Start-up-Pitch abliefern. „Uns geht ehrlich gesagt der Arsch auf Grundeis“, gesteht Joanna Krupa.

Doch die Gründerinnen sind auch davon überzeugt, dass ihr Reisemodell Zukunft hat.

Und so wie sie bisher alle anderen unvorhergesehenen Wendungen in ihrem Leben bewältigt haben, werden sie sicherlich auch die Corona-Krise meistern.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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