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Wenn es zwei Radstreifen gibt – und trotzdem nur die Autos darauf fahren

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Nicht jeder Radweg ist sinnvoll. (Foto: Pixabay / un-perfekt)

Mehr Radstreifen: Das fordern viele Verbände und Radfahrer – und das ist auch absolut richtig. Doch es ist auch wichtig im Einzelfall zu entscheiden. Ein pauschales „Ja“ zu mehr Radwegen in Städten und kleinen Gemeinden ist falsch. Das zeigt eine Beobachtung. Ein Kommentar.

Um es gleich vorwegzunehmen: Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen persönlichen Meinungsartikel, der auf punktuellen Erfahrungen beruht. Wer also sofort in die Tastatur hauen und zur General-Kritik ausholen möchte: gerne. Doch von hier an ist es klar, dass ich keinen General-Anspruch auf Vollständigkeit erhebe.

Zwei Radstreifen, keine Radfahrer

Worum geht es? Insbesondere mein Urlaub in Holland hat mir einen erstaunlichen Fakt verdeutlicht: Es gibt an vielen Stellen – auch in kleinen Gemeinden und Ortschaften – auf der „normalen“ Fahrbahn gleich zwei Radstreifen – einer für jede Richtung.

Das ist zunächst einmal nicht sonderlich beeindruckend. Na ja: In Deutschland wäre es durchaus angebracht, wenn wir auf unseren Straßen auch den Radfahrern etwas mehr Platz und Sicherheit durch zusätzliche Radwege einräumen würden. Aber darauf komme ich später zurück.

Nein, das Erstaunliche an dieser Beobachtung ist: Obwohl es also viele explizit ausgeschriebene Radwege gibt, gibt es, soweit ich sehen konnte, kaum Radfahrer. Dafür leiden unter dieser Form der Verkehrsplanung in vielen Fällen die Autofahrer. (Achtung: Dieser Satz stammt von jemandem, der selbst nur ein Fahrrad und kein Auto besitzt.)

Wie Autofahrer unter zu vielen Radstreifen leiden

Die Situation sieht also wie folgt aus: Auf einer normalen innerstädtischen Straße, auf der zwei Autos normal aneinander vorbeifahren können, gibt es de facto eine Fahrbahn. Das entsteht dadurch, dass die zwei zusätzlichen Radwege die Fahrbahn für Autos um mindestens 30 Prozent reduzieren.

Wenn also entgegenkommende Fahrzeuge aneinander vorbeifahren wollen, müssen sie auf den Radweg ausweichen. Das ist in Ausnahmefällen zwar in Ordnung, sollte jedoch keinesfalls die Regel sein, da die Radstreifen sonst ad absurdum geführt werden.

Wie lässt sich das Problem lösen?

Unsere Zukunft ist grün. Das bedeutet zugleich auch: Die Anzahl der individuellen Personenkraftwagen muss sich reduzieren. Zudem muss sich die Antriebsform verändern, wenn auch noch unsere Kinder und deren Kinder auf diesem Planeten ein gutes Leben führen wollen.

Dementsprechend ist es – insbesondere in Deutschland – wichtig alternativen Fortbewegungsmitteln genügend Platz zu gewähren. Schließlich fahren auf Radwegen nicht nur Fahrräder, sondern per Gesetz auch E-Roller.

Von entscheidender Bedeutung ist es dabei jedoch, dass jeder einzelne Radweg mit Bedacht gebaut und geplant wird. Dort, wo es Radfahrer und auch Anwohner gibt, brauchen wir deutlich mehr Radstreifen.

Doch ein Radweg, damit es einen Radweg gibt, ist keine sinnvolle Investition. Deshalb, liebe Stadtplaner, Autofahrer und Radler, denkt darüber nach, an welchen Stellen welche Fortbewegungsmittel wie viel Raum benötigen. Eine pauschale Antwort führt eigentlich nie zum Ziel.

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Über den Autor

Christian Erxleben

Christian Erxleben ist seit 2017 Ressortleiter Social Media und Head of Social Media bei BASIC thinking und Mobility Mag. Sein Weg zu führte über die Nürnberger Nachrichten, Focus Online und die INTERNET WORLD Business. Beruflich und privat liebt und lebt er Social Media.

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