Start-ups

Raubdruckerin: Aus Gullydeckel mach cooles T-Shirt

Raubdruckerin Streetart Berlin
Bild: Raubdruckerin
geschrieben von Marinela Potor

Das ist Streetart mal anders: Bei der Berliner Textilkünstlerin Emma France Raff kommt der Straßenbelag als Print auf den Stoff. Raubdruckerin nennt sie ihre Kunst, bei der sie unter anderem Muster von Gullydeckeln auf T-Shirts druckt.

Ihr Atelier ist die Straße. Strukturen, auf denen wir sonst achtlos herumtrampeln, sind ihre Inspiration. Vom Gullydeckel über das Gitterrost bis hin zur Tram-Schiene: Es sind die ungewöhnlichen Strukturen auf der Oberfläche der Straßen, die Emma France Raff als Druckvorlagen für ihre Kunst nutzt. Raubdruckerin nennt sie dieses Projekt, bei dem die coolsten T-Shirts, Taschen oder Hoodies entstehen.

Raubkünstlerin Tasche Gullydeckel

Bild: Raubdruckerin

 

Raubdruckerin Straßendruck

Bild: Raubdruckerin

Die Inspiration der Berliner Straßen

Spuren der Stadt nennt Emma France Raff diesen Prozess, bei dem sie Streetart völlig neu denkt. Anstatt wie zum Beispiel beim Graffiti die Kunst auf die urbane Landschaft zu bringen, verewigt die „Raubdruckerin“ die Strukturen der Straße auf Textilien.

Sie entwickelte das Konzept zu ihrer Zeit als Textilstudentin, gemeinsam mit ihrem Vater, dem Maler Johannes Kohlrusch. In seinem Atelier in Alentejo (Portugal) begann sie mit Kanaldeckel zu arbeiten und war sofort begeistert von den Möglichkeiten. 2006 präsentierte sie die ersten Ergebnisse dieses „Raubdrucks“ auf dem „Festival Musicas do Mundo“ – damals unter dem Namen Estampatampa.

Damit hatte sich das Ganze erstmal erledigt, bis Emma France Raff zurück in ihre Geburtsstadt Berlin zog und sich offensichtlich von den Gullydeckeln der Stadt so inspiriert fühlte, dass sie das Projekt seit 2013 hauptberuflich betreibt.

Gegen Massenproduktion: Jeder Print ein Unikat

In einer Welt, in der Mode massenhaft produziert wird und sogar immer öfter am 3D-Drucker entsteht, geht Emma France Raff bewusst einen anderen Weg. Denn das Arbeiten auf der Straße, im öffentlichen Raum und mit allen Elementen ist für sie ein wesentlicher Bestandteil ihres Raubdrucks. „Es eröffnet Chancen für spontane Interaktion mit Passanten, erzeugt eine Abhängigkeit von Wetter und Zeit, macht das Projekt organisch. Eine gewisse Unperfektion gehört dazu“, schreibt sie auf ihrer Webseite.

So werden die Prints in einem Low-Tech-Druckverfahren hergestellt. Es werden nur die Malerrolle, die Farbe und die Straßenoberflächen selbst genutzt. Andere Utensilien wie Druckplatten oder Siebe werden nicht verwendet – was dazu führt, dass jeder Print ein Unikat ist.

Raubdruckerin Printverfahren

Mit nur wenigen Utensilien zum Printunikat (Bild: Raubdruckerin)

Das spiegelt sich natürlich auch im Preis wider. Ein T-Shirt mit einem Druck aus Berlin Mitte kostet zum Beispiel 49 Euro, eine Jutetasche 20 Euro. Was der Beliebtheit der Drucke allerdings keinen Abbruch tut. Viele Prints im Onlineshop sind sogar ausverkauft.

Das Team von Raubdruckerin nutzt mittlerweile nicht nur Berlins Straßen für ihre Drucke, sondern auch ist auch in anderen europäischen Städten wie Amsterdam, Madrid oder Lissabon unterwegs

Raubdruckerin Streetart Lissabon

Lissabon-Druck (Bild: Raubdruckerin)

Straße inspiriert Kunst

Die Raubdruckerin ist dabei weder die erste noch die einzige, die diese Printtechnik nutzt. Bereits in den 80er Jahren nutzten die Andreas und Mathias Pohlmann Gullydeckel und Straßenoberflächen für ihre Kunst. Die Ergebnisse veröffentlichten sie im Coelner Grund-Buch. Auch Susanne von Bülow und Ruppe Koselleck nutzen ein ähnliches Verfahren für ihre Druckkunst. In Berlin haben neben Emma France Raff seit Jahren auch andere Berliner Künstler die urbanen Kanaldecke für ihre Drucke entdeckt.

Auch spannend:


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

Kommentieren