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Reallabor Go: So pimpt Karlsruhe seine Straßen für Fußgänger

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So verbessert das Projekt Reallabor Go Karlsruhe die Sicherheit für Fußgänger. (Foto: Pixabay / Brian Merrill)
geschrieben von Vivien Stellmach

Autos kriegen breite Straßen, Fahrräder Radwege und Fußgänger? In Karlsruhe: bessere und sicherere Fußwege! Denn die Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft hat drei Jahre lang daran gearbeitet, zusammen mit Stadt und Bürgern den Fußgängerverkehr zu verbessern. Nun ist das Projekt „Reallabor Go Karlsruhe“ für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2020 nominiert.

Das Reallabor Go Karlsruhe ist ein Projekt der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft, das von November 2015 bis Juni 2019 gelaufen ist. Das Team hinter dem Forschungsprojekt hat dabei untersucht, wie der Fußverkehr in der Fächerstadt gefördert und optimiert werden kann.

Dafür hat das Labor mit der Stadt und den Bürgern gemeinsam Stellen ausgemacht, an denen sich Fußgänger nicht sicher oder wohlfühlen. Genauso ging es um Punkte, an denen das Zusammenspiel mit anderen Verkehrsteilnehmern wie Auto- und Fahrradfahrern nicht funktioniert.


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Reallabor Go Karlsruhe: Ein Projekt für und mit Fußgängern

Genau das ist das Besondere an dem Projekt: Fußgänger und „Akteure aus der Praxis und Wissenschaft“, wie die Hochschule Karlsruhe selbst auf ihrer Website schreibt, haben gemeinsam mit der Hochschule an neuen Ideen zur „Förderung des Fußverkehrs“ geforscht.

Es waren also nicht (nur) Stadtplaner am Werk, sondern die Betroffenen selbst!

Möglich gemacht haben das neu entwickelte, digitale Mitmach-Technologien und Realexperimente in der Stadt. Das wichtigste Instrument war dabei wohl die eigene „Go Karlsruhe“-App, mit der Fußgänger Berichte zur Karlsruher Infrastruktur an die Hochschule senden konnten und immer noch können.

Anhand dieser Informationen hat man dann entsprechende Fußgängerstrecken analysiert und Verbesserungen im Verkehr vorgenommen. Damit hat das Projekt auch gleich auf die echten Bedürfnisse der Fußgänger geachtet.

Fußgänger machen bei Realexperimenten mit

Wenn die Hochschule neue Maßnahmen für den Fußgängerverkehr entwickelt hat, konnten Bürger diese in sogenannten „Realexperimenten“ auch gleich im Verkehr testen und überprüfen, ob sie wirklich etwas bewirkten.

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Das Reallabor Go Karlsruhe hat unter anderem Fußgängerampeln mit Anforderung ausprobiert. (Foto: Screenshot / YouTube)

Um möglichst viel Feedback einzuholen, hat man dafür beispielsweise am Mendelssohnplatz und am Mühlburger Tor interaktive Poster aufgehängt. Die Fußgänger konnten dann vor Ort per Knopfdruck ihre Meinung abgeben.

Regulierung des Radverkehrs

Am Ludwigsplatz in der Erbprinzen- und Waldstraße hat das Reallabor Go Karlsruhe zum Beispiel  auch eine dynamische Anzeige für Radfahrer aufgebaut.

Wenn zu einem bestimmten Zeitpunkt viele Fußgänger unterwegs sind, empfiehlt diese Anzeige den Fahrradfahrern über das Display eine andere Route. Sie sollen dann nämlich lieber über die Herrenstraße und die Amalienstraße fahren.

Durch die Anzeige konnte die Hochschule Karlsruhe den Radverkehr regulieren. Vor allem konnte man die Radfahrer dafür sensibilisieren, mehr Rücksicht auf Fußgänger zu nehmen.

Laut Go Karlsruhe sei vielen Fahrradfahrern nämlich gar nicht bewusst, dass sie sich speziell am Ludwigsplatz in einer Fußgängerzone befinden.

Enge Straßenverhältnisse in den Wohnstraßen

Ein großes Thema waren auch die engen Straßenverhältnisse in den Wohnstraßen. Im Stadtteil Alt-Knielingen hat das Reallabor Go Karlsruhe nach Lösungen gesucht, um Autofahrer vom Gaspedal zu bekommen. Wegen überhöhter Geschwindigkeiten fühlten sich die Fußgänger nämlich hier oft unsicher.

Bunte Aufpflasterungen auf den Straßen sollten deshalb als Signal für Autofahrer dienen, die Geschwindigkeit zu senken.

Und tatsächlich schreibt die Hochschule Karlsruhe, dass das Experiment geglückt sei und „das Wohlempfinden von zu Fuß Gehenden spürbar verbessert werden“ konnte.

Projekt für Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert

Das Reallabor Go Karlsruhe konnte also gemeinsam mit Fußgängern der Stadt den Verkehr verbessern. Deswegen wurde das Projekt nun auch für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2020 zum Thema „urbane Mobilität“ nominiert.

Insgesamt sind drei Finalisten im Rennen. In Kooperation mit dem Wissenschaftsmagazin Nano läuft gerade ein Online-Voting, das den Sieger ermittelt. Abstimmen kann man auf der Website des Forschungspreises.

Die Auszeichnung wird am 22. November in Düsseldorf verliehen.

Zum Weiterlesen:


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Über den Autor

Vivien Stellmach

Vivien Stellmach ist seit Mai 2019 Redakteurin beim Mobility Mag.
Nebenbei schreibt sie als freie Autorin über alternative Musik für das VISIONS Magazin. Sie liebt Fußball, steht seit ihrem siebten Lebensjahr selbst auf dem Rasen und hält zum SV Werder Bremen.

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