Reiseberichte

Reiseerinnerungen halten länger: 6 persönliche Erlebnisse

Sonnenuntergang Berg Wanderer
Foto: Pixabay / truthseeker08
geschrieben von Marinela Potor

Wie sehr macht uns das Reisen zu den Menschen, die wir sind? Die aktuelle Swiss Air Kampagne „Momente, die bleiben“ legt nahe, dass Reiseerinnerungen uns stärker prägen können als Alltagserlebnisse. Stimmt das? Wir haben nachgefragt und als Antwort sechs sehr persönliche Reiseerlebnisse erhalten.

Swiss Air hat eine neue Kampagne zum Thema „Reiseerinnerungen“ gelauncht, „Momente, die bleiben“. Dabei handelt es sich natürlich in erster Linie um eine PR-Kampagne für (Flug-) Reisen.

Doch darüber hinaus hat die Schweizer Fluggesellschaft auch einige interessante wissenschaftliche Ergebnisse veröffentlicht, vor allem darüber wie wir unsere Reiseerinnerungen verarbeiten.

In Untersuchungen unter Leitung des Schweizer Neuropsychologen Prof. Dr. Lutz Jäncke kam so zum Beispiel heraus, dass wir Reiseerinnerungen viel besser behalten als typische Alltagserinnerungen. Das liegt vor allem daran, so Jäncke, dass wir beim Reisen einen anderen Teil unseres Gehirns aktivieren als im Alltag.

Damit bleiben Reiseerinnerungen stärker, länger und klarer verhaftet und deswegen – so die Schlussfolgerung – prägen Reisen uns als Menschen sehr stark.

Diese These wollten wir natürlich direkt überprüfen und haben deshalb bei uns im Team und unter Reisenden nachgefragt. An welche Reiseerlebnisse könnt ihr euch noch gut erinnern und wie haben sie euch geprägt? Dabei sind sechs sehr persönliche Reiseberichte herausgekommen.

Sebastian Voss (Head of Marketing & Sales, BASIC thinking): „Ganz nah, ganz intensiv“

Sebastian Voss Safari

An den Tsavo-Nationalpark kann Sebastian sich heute noch ganz genau erinnern. (Foto: Sebastian Voss)

„Reiseerinnerungen habe ich viele, doch eine hat mich ganz besonders vereinnahmt: unsere Safari-Tour im Tsavo-Nationalpark. Frei-lebende Tiere, die man sonst nur im Zoo sieht – ganz nah, ganz intensiv.

Unsere Übernachtung in der Sarova Salt Lick Game Lodge – wie in einem Märchen mit malerischen Sonnenauf- und untergängen. Die Soundkulisse so einzigartig und befremdend wie auf einem anderem Planeten.

Und schließlich das Essen, einheimisch, ungewohnt aber wohlschmeckend-exotisch. Das sind auch die Gründe, warum ich gerade diese Reise immer noch recht detailliert abrufen kann.

Denn diese war einzigartig und alles andere als ein Mainstream-Ziel, das man gewöhnlicherweise bucht, um einfach mal an einen entfernten Ort den hektischen Arbeitsalltag hinter sich zu lassen.“

Valerie Wagner (Autorin Mobility Mag): „Ich rieche die salzige Meeresluft“

„Die schönste Reise hatte ich auf der kanarischen Insel La Gomera im März 2017. Wenn ich die Augen schließe, rieche und höre ich das Meer, höre die Lachmöwen, erinnere mich daran, wie der Wind weht. Ich rieche die salzige Meeresluft und sehe vor meinem inneren Auge, wie mit einem Segelboot an der Küste der Insel entlang gefahren sind.

Wie wir weiter draußen Delphine in den Wellen reiten gesehen haben. Und wie wir uns auf unserer letzten Wanderung kurz vor unserer Abreise, das Eheversprechen gegeben haben. All das verbinde ich mit La Gomera und ich würde jederzeit und immer wieder an diesen wunderschönen Ort reisen. Es ist wie eine Art Meditation und wenn ich die Augen öffne, bin ich entspannt, frisch und gut gelaunt.“

Valerie Wagner La Gomera

La Gomera wird Valerie stets als Liebesinsel im Gedächtnis bleiben. (Foto: Valerie Wagner)

Meike Neitz (Kommunikationsberaterin): „Obwohl ich keinerlei Segelerfahrung hatte, heuerte ich an…“

„Schon nach dem Abitur war mein Fernweh groß und ich beschloss, mir ein Jahr Zeit zu nehmen, um die Welt zu erkunden. Mein Start war Patagonien, Chile, wo ich eine Bekannte besuchte und dort in einem kleinen Hotel arbeitete.

Auf einer Wanderung durch den Nationalpark Torres del Paine lernte ich dann zufällig die Crew eines Segelbootes, der Volpaia, kennen. Fragt man mich, warum ich das Reisen so liebe, so ist es genau aus diesem Grund: Diese zufälligen, genialen Bekanntschaften mit den ungewöhnlichsten Menschen.

Die Crew der Volpaia, ein „Swan 68″, das einem reichen Schweizer Unternehmer gehörte, bestand aus einem Kanadier, einem Australier, einem „Kiwi“, einem Südafrikaner und einer Britin – also eine bunte Mischung aus erfahrenen Seglern.

Sie waren auf dem Weg von nach Alaska, wo der Besitzer zum Fischen wieder an Bord kommen wollte. Da sie noch Platz hatten, luden sie mich tatsächlich ein, eine Strecke mitzusegeln. Arbeit an Deck und in der Kajüte gegen Kost und Logis und einer einmaligen Reise – was für ein Deal!

Obwohl ich keinerlei Segelerfahrung hatte und noch nicht einmal wusste, ob ich Seekrank werden würde oder nicht, heuerte ich an. Wir segelten 3000 Seemeilen von Puerto Montt bis auf die Galapagos Inseln – mit Stoppps in Valparaíso, Antofagasta, Iquique. Dann ging es rüber auf die Galapagos!

Delphine neben uns, vor uns, hinter uns, Schwimmen mit Seerobben, einmalige Sonnenauf- und -untergänge, gedankenverlorene Stunden durch Wind und Wellen, viele intensive Gespräche verdanke ich dieser Zeit. Unbeschreiblich.

Was bleibt von einem solchen Trip? Neue Stempel im Reisepass und persönliche Stempel auf meinem jungen Ich. Zwei stachen heraus.
Erstens, die Abenteuerlust war geweckt; ich wollte noch mehr von der Welt erkunden, noch mehr über fremde Kulturen, Menschen, Flora und Fauna lernen.

Zweitens, auf einem 68 Fuß großem Boot mit sechs Personen aus aller Herren Länder an Bord lernt man viel Zwischenmenschliches. Das wichtigste für mich: Achtsamkeit, Toleranz und Kritikfähigkeit. Danke, Volpaia!“

Meike Neitz Segelschiff

Die „Volpaia“ hat Meike einiges über das Reisen und das Leben gelehrt. (Foto: Meike Neitz)

Marinela Potor (Chefredaktion Mobility Mag) „Ich erinnere mich noch genau an die Spanakopitas“

Wir schreiben das Jahr 1999, die Jahrtausendwende steht bevor, Y2K ist in aller Munde und ich bin als Austauschülerin zum ersten Mal in meinem Leben auf großer Reise in den USA. Alles ist fremd und neu zugleich: die Sprache, die Menschen, die Gewohnheiten, die ständig voll-aufgedrehten Klimaanlagen.

Ich bin seit ungefähr drei Wochen im Land und meine Gastmutter nimmt mich mit auf eine Familienfeier. Als US-Amerikanerin mit griechischen Wurzeln möchte sie mir nun ihre europäische Seite zeigen.

Auf der Familienfeier staune ich aber nicht schlecht. Ich erinnere mich noch genau an die Spanakopitas, den Weißwein, die lauten Gespräche und die Musik. Zum ersten Mal kommt mir etwas in diesem Land vertraut vor.

Denn die griechischen Traditionen und die rumänischen Traditionen sind sich sehr ähnlich. Bis dahin hatte ich meine rumänischen Wurzeln eher als störend empfunden, da ich mir dadurch in Deutschland oft wie eine Außenseiterin vorkam.

Doch diese griechisch-amerikanische Familienfeier war für mich der Moment, an dem ich zwei elementare Dinge begriffen haben, die mich seitdem sehr geprägt haben.

Erstens, es ist nicht schlimm, mehr als eine Kultur in sich zu tragen, sondern es kann sogar ein Vorteil sein. Denn jede Kultur, die wir kennen und an der wir teilhaben, öffnet uns auch neue Pforten. Nichts lehrt uns das so sehr wie das Reisen.

Und zweitens: Reisen ist nicht nur eine Reise zu fremden Orten und Menschen, sondern auch immer eine Reise zu uns selbst.

Christian Erxleben (Chefredaktion BASIC thinking)

„Es gibt ein Erlebnis, das mir wohl immer im Gedächtnis bleiben wird – und auch immer wieder ins Gedächtnis gerufen wird.

Das kann im Alltag passieren, beim Gespräch mit Freunden oder im Bus, Zug oder Flugzeug. Auf unserem Rückflug aus der kolumbianischen Hauptstadt Bogota nach Amsterdam wurde in der Nacht vom Flugpersonal der KLM ein „Doctor“ ausgerufen.

Nichts Außergewöhnliches möchte man meinen. So dachte ich mir nichts weiter, bis fünf Minuten später eine zweite Durchsage folgte: „We need a MEDICAL doctor.“

Seitdem frage ich mich, wer da wohl aufgetaucht ist. Ein Literatur-Professor, der mit seinem Wissen über Goethe und Schiller weiterhelfen wollte? 😀

Ich werde es leider nie erfahren. Doch bei fast jeder Durchsage muss ich an diesen Moment denken und ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Das werde ich wohl nie vergessen!“

Vera Ruttkowski (digitale Nomadin): „Kaum hatte ich den Helm aufgesetzt, fühlte ich mich nach Asien zurückversetzt.“

„Heute Abend wurde ich von einem Freund abgeholt – mit seinem Roller. Kaum hatte ich den Helm aufgesetzt und mich hinter ihn gesetzt, fühlte ich mich nach Asien zurückversetzt.

Als Beifahrer auf einem Roller begannen und endeten dort viele der Tage und Nächte, die mir wohl für immer im Gedächtnis bleiben werden. Besonders aber wohl der erste Tag, an dem ich mich selbst getraut habe zu fahren.

Zunächst ging es noch ganz gut an mit ein paar Übungsmomenten auf einer ruhigen Nebenstrasse. Doch dann streikte der ATM und der nächste war „nur eine kurze Rollerfahrt“ entfernt. Leider verlor ich auf dem Rückweg den Anschluss an meine Mitfahrer – und endete statt zurück am Strand mitten im Berufsverkehr.

Als ich dann anhielt, um nach den Weg zu fragen, nutzte ein streunender Hund die Gelegenheit und sprang als Beifahrer auf. Nach etlichen Stopps am Straßenrand, um die Nerven zu beruhigen und auf dem Handy nach dem Weg zu schauen habe ich es irgendwann endlich zurück an den „Heimatstrand“ geschafft.

Zwar mit einigen Kratzern an den Beinen, einem erhöhten Puls – aber auch stolz, meine erste Rollerfahrt überstanden zu haben. Immer wenn ich an diesen Tag denke, fühle ich mich stolz und weiß, dass ich Dinge schaffen kann, die unmöglich erscheinen.

Und, was ich bis heute noch weiß: Das Bintang zum Sonnenuntergang schmeckte an diesem Abend besonders gut!“

Vera Ruttkowski Motorrad

Ihre erste Motorradfahrt aus einer Asienreise wird Vera wohl nie vergessen. (Foto: Vera Ruttkowski)

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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