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Kommentar: Wer auf Rezo schimpft, hat nichts kapiert

Rezo Youtube Video
Eigentlich könnte das Rezo-Video eine Inspiration für den Kilmaschutz sein. War es leider nicht. (Foto: Screenshot / Youtube)
geschrieben von Marinela Potor

Debatten im Netz laufen fast immer gleich. Alle regen sich auf, am Ende passiert nichts. Das ist bei vielen Themen okay, im Fall von Rezo vertut man damit eine große Chance fürs Klima. Ein Kommentar.

Seit etwa einer Woche schaue ich mir nun die Diskussion im Netz zum Rezo-Video an. Da wird geschimpft, gespottet und gedroht. Da werden alte und neue Grabenkämpfe aufgemacht und Eitelkeiten ohne Ende gepflegt.

Was nicht passiert ist: eine offene Diskussion, bei der nicht alle nur laut schreien, sondern auch mal jemand zuhört.


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So muss ich enttäuscht feststellen: Der Fall #Rezo wird wohl nur ein kurzlebiger Social-Media-Hype bleiben und die Chance für einen echten Dialog vertan … mal wieder.

Worüber regen sich eigentlich alle so auf?

Okay, da hat ein Youtuber ein politisches Meinungs(!)-Video veröffentlicht. Millionen von Menschen haben es gesehen. Einige stimmen den Aussagen darin zu, andere nicht.

Wer genau zuschaut, merkt: In dem Video sind sowohl einige gute Anregungen zu Politik, politischer Beteiligung, Parteienarbeit und Klimaschutz, genauso wie viele persönliche Ansichten.

Wer möchte, kann daraus einiges lernen. Zum Beispiel:

  • Politiker reden offensichtlich an einer kompletten Generation vorbei
  • Youtuber offenbar nicht
  • Die Jugend macht sich Sorgen ums Klima und ist frustriert von der Arbeit der Politiker dazu
  • Die Punkte, die Rezo kritisiert, stören nicht nur die Millennials, sondern genug andere Menschen, die aus Frust extreme Parteien wählen
  • Die CDU hat einen Youtube-Kanal (wusste das vorher irgendwer?)

Ich finde, darin stecken viele tolle Chancen, um aufeinander zuzugehen.

Warum seid ihr so sauer? Was können wir besser machen? Warum ist Wandel vielleicht nicht so leicht oder schnell umzusetzen, wie wir gerne wollen?

Das wäre eigentlich die Reaktion, die ich mir gewünscht hätte und damit hätte man das Rezo-Video abschließen und einen spannenden Dialog starten können.

Leider ist das (bislang) nicht passiert. Und das macht mich wütend und traurig zugleich.

Was sollen die Vorwürfe gegen Rezo?

Klar, er ist kein Journalist. Hat er nie behauptet, will er nicht sein, DENKT auch niemand, der das Video oder seinen Kanal sieht.

Na und?

Ja, ich finde es auch unverantwortlich, wenn Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, so völlig ohne Recherche irgendwelche Behauptungen um sich schmeißen, die drastische Folgen haben können.

Doch das hat Rezo gar nicht getan. Er hat wahrscheinlich sogar mehr Recherche betrieben als die meisten von uns, wenn sie über ein Thema debattieren.

Zwar – da gebe ich der CDU recht – die Zusammenhänge vieler Themen, die Rezo anspricht, sind komplex.

Das heißt aber für mich nicht, dass Rezo das nicht selbst gemerkt hat. Er hat sich nur sehr bewusst für ein stilistisches Stilmittel entschieden, das man Meinungsstück nennt.

Nur, weil er Fakten mit einbringt, ist trotzdem für jeden, der das Video anschaut, ziemlich offensichtlich, dass dies ganz klar ein persönlicher Kommentar ist. Eine rhetorische Form, die viele nicht mehr (er)kennen.

Da sind Übertreibungen okay. Pointierte Aussagen der Punkt. Vereinfachungen gewollt. Der junge Mann ist sauer und will eine Botschaft vermitteln. Ist doch klar, dass er jetzt nicht anfängt, eine wissenschaftliche Abhandlung vorzulesen.

Wieso wird das erwartet?

Youtuber sind keine Journalisten – und das ist okay

Gerade viele Journalisten überraschen mich da in ihrer heftigen Kritik.

Sicher, den Reflex kann nachvollziehen. WIR arbeiten anders. Auch vor einem Meinungsstück versuchen wir alle Fakten zu sammeln und zu prüfen.

Ich finde auch, dass viele Aussagen von Rezo, so verkürzt, wie er sie ausdrückt, nicht stimmen oder nicht aus allen Blickwinkeln betrachtet wurden.

Für einen Journalisten wäre das nicht in Ordnung. Selbst für einen Kommentar. Weshalb ich es auch gut finde, dass hier die Fakten von Journalisten geprüft werden. Schöner wäre es, wenn man sich dabei nicht gleichzeitig über Rezo lustig machen oder ihn belächeln würde.

Trotzdem heißt das aber für mich nicht, dass ein Blogger / Youtuber / Influencer keine andere Form des Ausdrucks wählen darf.

Was aber für mich aber abseits vom Faktencheck viel wichtiger ist: Rezo spricht viele Punkte an, die viele Leute nerven / betreffen / ärgern / nicht verstehen.

Da ist für Journalisten und Politiker wirklich genug Futter, um sich dieser Themen anzunehmen und auch mal darüber nachzudenken, warum ein Youtuber sie so viel knackiger verpacken kann. Nur so ein Gedanke…

Sind wir hier im Kindergarten?

Aber offenbar hat Rezo mit seinem Video auch einen Nerv getroffen. Denn einige Journalisten fühlten sich plötzlich in ihrer Deutungshoheit bedroht – oder waren einfach nur neidisch auf die Zugriffszahlen.

Die CDU wiederum fühlte sich ans Bein gepinkelt. Wahrscheinlich zu Recht. Dennoch fand ich auch hier die aggressiv-defensive Reaktion schade.

Das macht mich vor allem traurig. Hey, da eröffnet jemand einen Dialog. Jemand, der zu einer Generation gehört, die komplett enttäuscht ist von klassischer Parteipolitik und normalerweise gar nicht mit euch redet.

Man kann jetzt anmerken, dass diese Person blaue Haare hat und sich für Schminke interessiert und die „Kinder“ lieber zur Schule als demonstrieren gehen sollen. Damit schlägt man aber eine geöffnete Tür wieder hart zu.

Ich will mir nicht anmaßen zu wissen, wie kompliziert ein politisches Mandat ist. Dass viele Vorwürfe unfair waren und die CDU sicherlich nicht für alles Böse auf der Welt verantwortlich ist, ist auch klar.

Doch wenn jemand so wütend ist, dass er laut und öffentlich „schreit“, ist das auch ein Gesprächsangebot. Gut, kein besonders freundliches oder diplomatisches, aber immerhin! Wenn man es denn so wahrnehmen würde, anstatt einfach nur beleidigt zu reagieren.

So haben am Ende wieder nur alle zurück geschrien, fühlen sich in ihren Positionen bestärkt und nichts ändert sich. Kindergarten 2.0.

Das hilft weder der Politik, noch den jungen Generationen und schon gar nicht dem Klima!

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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