Transport

Rundum-Check: Dieser Journalist will den TÜV durchleuchten

Zentrale TÜV
Zentrale TÜV
geschrieben von Ekki Kern

Erst vor Kurzem haben wir über den TÜV berichtet. Und uns gefragt, ob man dem Unternehmen und seinen Dienstleistungen wirklich trauen kann.

Der Journalist Marvin Oppong ist davon überzeugt, dass beim TÜV einiges falsch läuft und derzeit dabei, die Arbeit der mächtigen Institution „unter die Lupe nehmen“, wie er schreibt. Im Internet sammelt er noch bis Anfang kommender Woche Geld für seine aufwändige Recherchearbeit, die ihn bis in die Golfstaaten führen soll.

Im Interview haben wir mit ihm über die „strahlenden Geschäfte des TÜV“, wie er selbst sein Recherche-Projekt betitelt, gesprochen.

Als Deutscher kennt man den TÜV als sehr vertrauenswürdiges Unternehmen. Aber Deine bisherigen Recherchen deuten eher auf das Gegenteil hin…

Marvin Oppong: Ja, das ist richtig. Die meisten Deutschen kennen den TÜV eben nur vom Autotest, wissen aber nicht, dass der TÜV längst kein kleiner Verein mehr ist, sondern ein milliardenschwerer Wirtschaftskonzern. Der TÜV Süd, einer der drei großen TÜV-Konzerne in Deutschland, hat 22.000 Mitarbeiter und macht einen Jahresumsatz von über zwei Milliarden Euro. Die verschiedenen TÜVs in Deutschland haben zahlreiche Tochterfirmen, auch in Steueroasen. Sie sind in Bereichen aktiv, von denen man als Durchschnittsbürger gar nichts weiß. Zum Beispiel schult der TÜV Ärzte.

Du recherchierst nun schon eine ganze Weile zum Thema. Was hat Dich am meisten schockiert?

Interessant fand ich, dass TÜV Middle East, eine Tochterfirma von TÜV Nord, nach eigenen Angaben für den international agierenden US-Konzern Halliburton tätig war, dessen Chef der ehemalige Vizepräsident der Vereinigten Staaten, Dick Cheney, war. Diese Firma stand unter anderem wegen Geschäften mit dem US-Militär in der Kritik. Überrascht war ich auch, dass der TÜV Bayern in den Siebzigerjahren in den Bau eines Atomreaktors im Iran eingebunden war. Jetzt hat der TÜV mir mitgeteilt, dass dieser Reaktor erst 2010 fertiggestellt wurde, und zwar mit russischer Unterstützung und russischer Technologie.

In Deinem Blog schreibst Du, dass Du im Moment auch mit der Staatsanwaltschaft in Frankfurt Kontakt hast. Um was geht es da genau?

Marvin Oppong

Der Journalist Marvin Oppong

Die Staatsanwaltschaft ermittelt in Zusammenhang mit Immobilienfonds der S&K-Unternehmensgruppe gegen Mitarbeiter des TÜV Süd. Die S&K-Gruppe steht im Zentrum eines Betrugsskandals, bei dem es um eine dreistellige Millionensumme geht und von dem dem Tausende von Anlegern betroffen sein sollen. Die Staatsanwaltschaft wirft TÜV-Mitarbeitern vor, der S&K-Gruppe Gefälligkeitsbescheinigungen ausgestellt zu haben, die eine erhöhte Seriosität und Werthaltigkeit der S&K-Gruppe gegenüber Anlegern und Vertrieben suggerieren sollte. Und dafür hat der TÜV nach Angaben der Staatsanwaltschaft 90.000 Euro von der S&K-Gruppe kassiert, obwohl die Staatsanwalt davon ausgeht, dass gar keine richtige Prüfung stattgefunden hat.

Was sagt der TÜV selbst dazu?

Der TÜV sagt, man sei der festen Überzeugung, dass sich die Mitarbeiter rechtskonform verhalten hätten und man habe zu keiner Zeit von einem betrügerischen Verhalten der S&K-Gruppe gewusst und das unterstützt. Und man habe die S&K-Gruppe auch nicht als Ganzes geprüft.

Was ist Dein Ziel?

Es ist eine ergebnisoffene Recherche, ich möchte alles herausfinden. Was genau das alles ist, weiß man natürlich am Beginn einer solchen Recherche nicht genau. Sie soll aber umfangreich sein. Mein Ziel ist, dass die deutsche Öffentlichkeit sich ein genaues Bild machen kann von den Geschäften des TÜV. Der TÜV ist ein Aushängeschild deutscher Verlässlichkeit und genießt in der Öffentlichkeit und auch bei den Aufsichtsbehörden großes Vertrauen. Er hat eine besondere Verantwortung gegenüber dem Gemeinwesen, etwa dann, wenn er Atomkraftwerke prüft. Trotzdem ist nur sehr wenig bekannt über die Geschäfte des TÜV. Hier möchte ich ein wenig Licht ins Dunkel bringen.

Wo wirst Du überall recherchieren?

Ich werde mir auf jeden Fall diesen Kernreaktor im Iran anschauen und gucken, was der TÜV für Sicherheitsbehörden in Bahrain gemacht hat, wo während des „Arabischen Frühlings“ durch die Sicherheitskräfte Aufstände niedergeschlagen wurden. Dann möchte ich mir auf jeden Fall auch anschauen, was der TÜV in Steueroasen gemacht hat und natürlich auch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen TÜV-Mitarbeiter weiter verfolgen. Außerdem werde ich mir das, wie ich es nenne, „Zertifizierungs-Business“ des TÜV anschauen. Da stellt sich die Frage: Wie werden solche Siegel überhaupt vergeben? Wie viele Menschen sicher mitgekommen haben, gab es den Skandal um gefälschte Brustimplantate, nach dem der Vorstandsvorsitzende des TÜV Rheinland zurückgetreten ist. Der TÜV Süd soll hinsichtlich dieser Siegel-Vergabe besonders aktiv sein und wie man an den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sieht, gibt es einige Fragen, die sich da stellen.

Gibt es irgendwelche ernüchternden Erkenntnisse bezüglich der Hauptuntersuchung, die ja jeder deutsche Autofahrer mit seinem Fahrzeug einmal alle 24 Monate durchlaufen muss?

Bislang ist mir da nichts bekannt. Man hört immer wieder, dass es da Unterschiede geben soll zu anderen Unternehmen wie der Dekra oder KÜS, die auch die Hauptuntersuchung anbieten. Sollte da jemand sachdienliche Hinweise zum Thema haben, würde mich das natürlich auch interessieren.

Wer Marvin Oppongs Recherchen über den TÜV finanziell unterstützen möchte, kann das über das Crowdfunding-Portal Startnext tun. Noch bis zum Montag können kleine und große Beträge gespendet werden: startnext.com/tuev


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Über den Autor

Ekki Kern

Ekki Kern ist Chefredakteur von Mobility Mag. Ausbildung zum Medienredakteur an der Berliner Axel Springer Akademie und bei der "Welt". Gerne unterwegs in Bahn, Bus und Auto, mag sein Rennrad und interessiert sich beruflich wie privat auch für Film, Fernsehen und Radio.

1 Kommentar

  • Ernüchternd ist vor allem, dass Herr Oppong gar nicht erst anfängt, sorgfältig zu differenzieren („Neulich beim TÜV“, „…gefragt, ob man dem Unternehmen und seinen Dienstleistungen wirklich trauen kann“, „ein milliardenschwerer Wirtschaftskonzern“). Er müsste sich nur bei Wikipedia kundig machen, um zu wissen, dass es „den TÜV“ nicht gibt. Sondern in Deutschland und international vielfältig konkurrierende Unternehmen auf privatwirtschaftlicher Basis, die eine gemeinsame Historie und vergleichbare Tätigkeitsfelder verbinden. Wer es schon damit so wenig genau nimmt, dessen Recherchefähigkeit und Bereitschaft zu Objektivität sollte man mit Vorsicht genießen.

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