REISEN

So unverschämt agiert Ryanair mit neuen E-Mails zu Corona-Erstattungen

Flugzeug, Ryanair
So versucht Ryanair sich vor Rückzahlungen zu drücken. (Foto: Ryanair)

Wer in diesem Jahr einen Flug bei Ryanair gebucht hat, der Corona-bedingt ausgefallen ist, hat in diesen Tagen eine seltsame E-Mail bekommen. Darin nutzt die Billigfluglinie eine unverschämte Methode, um sich vor anstehenden Rückzahlungen zu drücken. 

Wer noch auf seine Rückzahlung für abgesagte Ryanair-Flüge aus diesem Jahr wartet, wird in diesen Tagen eine etwas merkwürdige E-Mail erhalten haben. Diese beginnt mit folgender Betreffzeile: „Vergessen Sie nicht, Ihren Ryanair-Reisegutschein einzulösen.“

In dieser E-Mail bekommt man von Ryanair mitgeteilt, dass und wie man seinen Reisegutschein noch in diesem Herbst einlösen kann. Das Problem dabei: Es ist eine ziemlich unverschämte Taktik, um sich vor eigentlich anstehenden Rückzahlungen zu drücken.


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Das steckt hinter der Ryanair-Mail

Denn die E-Mail-Empfänger haben teilweise gar keinen Reisegutschein beantragt.

Tatsächlich hat die Airline schon in den vergangenen Monaten E-Mails zu Reisegutscheinen und Erstattungen verschickt, für Flüge, die Ryanair wegen Corona absagen musste.

Darin konnte man sich als Nutzer entscheiden, ob man den Reisegutschein in Anspruch nehmen möchte oder eine Rückzahlung erhalten will.

Tatsächlich muss in dem Fall kein Urlauber den Reisegutschein akzeptieren. Denn wenn die Airline selbst den Flug absagt, steht Fluggästen eigentlich eine volle Rückerstattung zu. Die Rückzahlung konnte man wiederum über die Website oder die App von Ryanair beantragen.

Das Interessante an der neuen Mail ist nun: Auch wenn man schon in der Vergangenheit eine Rückzahlung beantragt hat, tut Ryanair in der neuen E-Mail nun so als sei das nie passiert – und bietet Nutzern wieder beide Optionen an.

Tatsächlich liest sich die E-Mail im Detail so:

Im Rahmen der Bearbeitung Ihres kürzlichen Erstattungsantrags haben wir Ihnen einen Reisegutschein ausgestellt, der zur Buchung eines beliebigen Fluges in unserem Netzwerk innerhalb von 12 Monaten nach dem Ausstellungsdatum verwendet werden kann.

Das macht die E-Mail in zweifacher Hinsicht unverschämt.

Ryanair: Corona-Gutschein als Hinhalte-Taktik?

Erstens wird damit die bereits beantragte Rückerstattung ignoriert. Das wird insbesondere dadurch deutlich, dass Ryanair – entgegen dem Kundenwunsch – offenbar auf eigene Faust einen Gutschein ausgestellt hat.

Ganz klar, mit diesem „Trick“ möchte Ryanair betroffene Fluggäste dazu zu bewegen, doch noch den Reisegutschein anzunehmen. Nach dem Motto: Wenn Ryanair ihn mir schon ausgestellt hat, dann nutze ich ihn. Und das, obwohl Ryanair für die Corona-bedingten Absagen eigentlich schon längst Rückzahlungen hätte veranlassen müssen.

So nutzt Ryanair wirklich alle Mittel, um sich vor diesen Rückzahlungen zu drücken. Und das macht das Vorgehen gleich doppelt unverschämt.

Auch muss man als Betroffener nun erneut eine Rückzahlung beantragen. Diese Option ist natürlich in der entsprechenden E-Mail nicht so leicht so finden wie das Einlösen des Gutscheines.

Nur: Warum macht Ryanair es so kompliziert?

Fluggesellschaften verkomplizieren Prozess bewusst

Weil Ryanair natürlich darauf hofft, dass sich Fluggäste im Reisegutschein-Labyrinth verirren und diesen akzeptieren. Wenn Urlauber nun tatsächlich fliegen wollen, ist das sicher kein Problem.

Für alle aber, die auf ihr Geld warten, hinterlässt diese Verwirrungstaktik einen etwas bitteren Nachgeschmack.

Auch lässt sich nicht ausschließen, dass so mancher Nutzer auf den Trick hereinfällt und den Gutschein akzeptiert, obwohl er eigentlich sein Geld haben möchte.

„Den Fluggesellschaften geht es allein darum, die Sache zu verkomplizieren, damit die Fluggäste Gutscheine annehmen“, sagt Reiserechtsanwalt Oliver Matzek auf Nachfrage von Mobility Mag.

Rechtlich gesehen bleibe es aber bei der verpflichtenden Rückzahlung, spätestens dann, wenn Fluglinien unter einer Fristsetzung von 14 Tagen dazu aufgefordert werden.

Das möchten Fluglinien wir Ryanair allerdings verhindern. Denn natürlich geht es für sie um Millionenbeträge. So schätzt auch Oliver Matzek: „Die Fluggesellschaften versuchen Gutscheine an den Mann zu bringen.“

Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Wenn du in der E-Mail weiterhin auf eine Rückzahlung von Ryanair bestehst, erhältst du dann kurze Zeit später endlich die Bestätigung, dass eine Rückzahlung auf dem Weg ist.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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