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So könntest du mit dem Rad dein Haus mit Strom versorgen

S-Park Fahrradständer Amsterdam
In Amsterdam könnte der Strom für die Häuser bald von Radfahrern kommen. (Foto: S-Park)
geschrieben von Marinela Potor

Joggen, Treppensteigen, Radfahren. All das ist Energie. Denn jedes Mal, wenn wir uns bewegen erzeugen wir Energie. Die verpufft aber meist als Wärme in die Luft. Eigentlich eine Verschwendung. Viel schlauer wäre es doch, diese Energie in Strom zu verwandeln. Genau das möchte niederländische Start-up S-Park tun – mit Fahrradfahrern.

Amsterdam hat ehrgeizige Pläne. Bis 2025 möchte die Stadt ein Viertel ihrer Energie aus erneuerbaren Quellen gewinnen. Doch die niederländische Hauptstadt hat ein großes Problem. Woher soll die Energie kommen?

Da viele historische Gebäude und Monumente in der Innenstadt von Amsterdam unter Denkmalschutz stehen, sind nämlich Solarzellen auf den Dächern im Zentrum nicht erlaubt.

Man könnte zwar Transformatoren aufstellen, die Solarstrom aus anderen Stadtteilen dorthin leiten könnten. Doch die sind ziemlich groß und ziemlich hässlich.

Aber Amsterdam hat etwas, das wenige andere Städte dieser Welt haben: Millionen von Fahrradfahrern. Diese fahren im Schnitt zwei Millionen Kilometer. Und das pro Tag. Wenn man das in Energie umrechnet, generieren Amsterdams Fahrradfahrer dabei 19.500 Kilowattstunden. Damit könntet ihr knapp 2,6 Millionen Scheiben Brot toasten oder 292.500 Hemden bügeln.

Theoretisch. Denn praktisch verschwindet diese erradelte Energie in Amsterdam einfach als Hitze in die Luft. Hier kommt S-Park ins Spiel. Das Start-up möchte diese ungenutzte Energie ausschöpfen und Fahrräder zu Stromspeichern umwandeln.

Radfahrer könnten Stadtteil mit Strom versorgen

Die Fahrradständer sollen in einzelnen Stadtteilen in Amsterdam aufgestellt werden. Anschließend würden die Bewohner des Stadtteils einen speziellen Vorderreifen für ihr Fahrrad bekommen. Ein Akku darin würde die erradelte Energie speichern.

S-Park Akku Fahrradreifen

Der Akku im Vorderreifen würde den erradelten Strom speichern. (Foto: S-Park)

Wenn die Bewohner abends nach Hause kommen, schließen sie ihre Fahrräder an die s-förmigen Ständer ab. In diese wird dann der Strom aus den Fahrrad-Akkus umgeleitet und ins Stromnetz der Nachbarschaft eingespeist.

30 Fahrräder könnten nach Schätzungen von S-Park etwa eine Kilowattstunde Strom erzeugen. Das wäre ausreichend, um die Straßenlaternen zu beleuchten oder einen Kühlschrank 24 Stunden lang mit Strom zu versorgen.

Das klingt erstmal nicht nach besonders viel Strom. Doch auf Amsterdam hochgerechnet ist das Potenzial durchaus beachtlich. Außerdem könnte die Stadt dadurch auf elegante Weise nachhaltigen Strom gewinnen.

S-Park bei Clean Energy Challenge

Bislang sind die Strom-Fahrradständer von S-Park aber nur eine Idee. Die beiden Gründer, Guillaume Roukhomovsky and Blaž Verhnjak, haben sich damit bei der Clean Energy Challenge beworben. Wenn sie ausgewählt werden, könnten sie ihre Idee in einem Stadtteil ausprobieren.

Doch auch wenn das nicht klappt, hoffen die Gründer, dass sie ihre Idee dem Bürgermeister vorstellen können. Denn Amsterdam möchte in den nächsten Jahren 100 Millionen US-Dollar in Fahrradinfrastruktur investieren. S-Park hofft, dass auch sie Teil dieses Investitionsplans werden können.

Möglicherweise kann die Idee ja auch andere inspirieren. Wäre es nicht toll, wenn wir durchs Joggen oder Fahrradfahren nicht nur fit bleiben würden, sondern auch unser eigenes Haus – zumindest teilweise – mit Strom versorgen könnten?

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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