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Keinen Bock auf Schlaglöcher? Ein Start-up hat die Lösung

Bild: Cyface
geschrieben von Marinela Potor

Schlaglöcher sind wie eine Erkältung: unangenehm, aber irgendwie hält man durch. Keine gute Einstellung auf lange Sicht. Denn tatsächlich sind gut 20 Prozent der deutschen Bundesstraßen in einem schlechten Zustand. Warum sollte man also auf diesen Routen fahren, wenn man sie auch vermeiden kann? Das haben sich auch Dr. Klemens Muthmann, Armin Schnabel und Dirk Ackner gedacht – und deshalb die App „Cyface” entwickelt.

Cyface ist dabei aus aus den Worten „Cycling“ und „Surface“ zusammengesetzt und war ursprünglich eine Fahrrad-App. Mitgründer Dr. Klemens Muthmann ärgerte sich als leidentschaftlicher Radfahrer schon seit langem über die schlechten Zustände der Fahrradwege in Dresden. Einige ergebnislose Onlinesuchen nach passenden Karten und eine Konferenz später war die Idee zu Cyface geboren.

Die Cyface-App im Einsatz (Bild: Cyface)

Schlaglöcher erkennen und umfahren

Das war im Jahr 2012. Seitdem arbeitet Muthmann mit zwei weiteren Absolventen der TU Dresden, Armin Schnabel und Dirk Ackner an Cyface. Die Idee dahinter: Über die Sensoren des Smartphones werden damit während der Fahrt per App Erschütterungsdaten aufgenommen und anschließend an die Cyface-Cloud zur automatischen Auswertung geschickt. Diese Daten werden wiederum in Navigationssysteme übertragen, sodass Nutzer in Zukunft Straßenschäden umfahren können. Mittlerweile kann Cyface dabei nicht nur mit Fahrrädern, sondern auch während der Autfahrt genutzt werden.

In diesem Jahr soll Cyface zur GmbH werden. Mit der App, die Daten der Crowd nutzt, ist das Dresdner Startup neben Plattformen wie dem ACE-Schlaglochmelder oder der Schlagloch-Technologie von Ford ein weiteres Projekt, das das Problem der Schlaglöcher offensiv angeht. Im Mini-Interview mit Mobility Mag erklärt Mitgründer Dirk Ackner wohin die Reise von Cyface geht.

Eine sichere und bequeme Fahrt

Mobility Mag: Erstmal herzlichen Glückwunsch zu eurem Sieg des deutschen Mobilitätspreises! Wie hat sich das angefühlt?

Dirk Ackner: Es war ein gutes Gefühl der Wertschätzung für die eigene geleistete Arbeit.

Die Idee zur App ist ja schon fast fünf Jahre alt. Wie lange habt ihr für die eigentliche Entwicklung der Technologie gebraucht?

Die App auf den heutigen Stand zu bringen hat gut und gerne 14 Monate in Anspruch genommen. Die Schwierigkeit dabei ist aber nicht das Userinterface, sondern die Algorithmen im Hintergrund. Derzeit werden weitere Entwicklungsschritte in die App eingearbeitet, wie beispielsweise die Kamerafunktion zur Aufnahme eines Videos.

Derzeit gibt es Cyface nur für Android. In welchen Ländern läuft die App bereits und wann ist die iOS-Version geplant?

Gründungsteam von Cyface (Bild: Cyface)

Der Fokus liegt nach wie vor auf der Android Variante. Voraussichtlich wird es weitere sechs Monate dauern, bis es eine iOS-Version gibt. Aktuell kann die App in Europa und den USA genutzt werden, weitere Länder können problemlos dazugeschaltet werden. Wir haben bereits Daten in zehn Ländern erfassen können.

Was sind eure nahen und fernen Zukunftspläne mit Cyface?

Als erstes steht die Unternehmensgründung im Mai 2017 in Dresden auf dem Programm, sowie die ersten Pilotprojekte zur Erfassung von Straßen. Dann wollen wir unsere Algorithmen weiterentwickeln und die Funktionen der Software, wie etwa die Kamera, ausbauen. Die Entwicklung einer Navigationskomponente soll bis Ende des Jahres stehen.

Unser langfristiges Ziel ist es, mit unserer Software ein Werkzeug anzubieten, welches vollautomatisch und universell von Planungsbüros eingesetzt werden kann. Darüber hinaus soll eine Navigationskomponente entstehen, welche eine bequeme, sichere und ressourcenschonenede Fahrt ermöglicht, sowohl für Fahrradfahrer als auch für Autofahrer. Besondern im Zusammenhang mit dem autonomen Fahren ist die Problematik der Straßenbeschaffenheit relevant.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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