ZUKUNFT

So fühlt es sich an, im selbstfahrenden Tesla zu sitzen

Tesla Autopilot, Elektroauto, autonomes Fahren, Auto
So reagieren erste Beta-Tester auf das neue Autopilot-Update von Tesla. (Foto: Tesla)

Tesla hat seinen bislang am weitesten entwickelten Autopiloten testweise ausgerollt. Ein „selbstfahrender Tesla“, sagt das Unternehmen. Was sagen erste Testfahrer?

„Full Self Driving Capabilities“ (FSD) – als Upgrade mit „vollständig selbstfahrenden Fähigkeiten“ vermarktet Tesla das neueste Update seines Autopiloten. Einige ausgewählte Beta-Nutzer in den USA durften das Upgrade schon testen.

Eigentlich sollen Beta-Nutzer nichts verraten…

Zwar erhalten derzeit auch andere Tesla-Fahrer ein Update. Das ist aber die Version 2020.40.8. Die ausgewählten Beta-Tester wiederum erhalten den komplett neu programmierten Autopiloten, das Update mit der Kennnummer 2020.40.8.10. 


Neue Stellenangebote

(Remote) Python/Django Working Student (m/w/d)
wemovo GmbH in Berlin
Werkstudent_in (m/w/d) Projektentwicklung
KlimaGut Immobilien AG in Berlin
Installateur / Monteur / Anlagenmechaniker / Servicetechniker (m/w/d) SHK
Bornkessel e.K., Inhaber Andreas Becker in Reinbek

Alle Stellenanzeigen


Tatsächlich kann der neue Autopilot sehr viel mehr Fahrfunktionen eigenständig ausführen, ohne dass der Fahrer eingreifen muss. Das kann man jedenfalls an den ersten Nutzer-Berichten der Beta-Tester erkennen.

Eigentlich dürfen die Beta-Nutzer nicht öffentlich über den neuen Autopiloten sprechen. Mindestens zwei Nutzer haben jedoch eine offizielle Erlaubnis von Tesla bekommen, ihre Erfahrungen auf Social-Media-Kanälen zu teilen.

So langsam sickern aber mehr Berichte von verschiedenen Testern durch. Sie lassen sich auf Twitter oder YouTube zum Beispiel unter dem Hashtag #FSDBeta finden.

Selbstfahrender Tesla: „Er ist noch nicht perfekt“

Kim Paquette postete beispielsweise ein Video von einer Fahrt in einem Kreisverkehr mit der aktivierten Beta-Version. Das Beeindruckende daran: Der Tesla erkennt, wo er anhalten muss, stoppt und biegt auch an der richtigen Stelle wieder aus dem Kreisverkehr ab, ohne dass die Fahrerin selbst Hand oder Fuß anlegen muss.

Kim Paquette zeigte sich beeindruckt. Darüber hinaus beschreibt sie aber ein Problem, das auch andere Fahrzeuge mit autonomen Features haben.

Sie sind vorsichtiger als menschliche Autofahrer, was in regulären Verkehrssituationen oftmals unnatürlich langsam wirkt und bei Waymo beispielsweise oft zu Auffahrunfällen geführt hat.

Brandonee916 ist ein weiterer Beta-Tester, der sich auf Social Media zu seinen Fahrerfahrungen geäußert hat. In einem 30-minütigen Video zeigt er, wie der Autopilot Schnellstraßen, enge Straßen und auch links abbiegen problemlos meistert.

Angesichts der Tatsache, dass Tesla weder Lidar noch Radar zur Straßenerkennung nutzt, sondern allein Kameras, ist das beeindruckend.

Dennoch musste der Fahrer mehrmals eingreifen, sodass auch Brandonee916 sagt: „Es ist noch nicht perfekt.“ Dazu muss man aber auch sagen, dass die Fahrsituationen aus dem Video auch für andere Fahrzeuge mit vergleichbaren Assistenzsystemen eine große Herausforderung gewesen wären.

Fahrer müssen noch eingreifen

Auch Tesla Raj teilt derzeit seine Erfahrungen mit dem FSD Beta mit seinen Followern. Ein Video einer Testfahrt offenbart, wie gut der Autopilot schon mit echten Straßenverhältnissen umgehen kann. Auch hier ist aber noch Luft nach oben.

In einer Situation etwa soll das Fahrzeug rechts abbiegen. Anstatt sich aber in die rechte Abbiegespur einzuordnen, fährt der Tesla nach links. Möglicherweise war der grün eingezeichnete Fahrradweg in dem Moment irritierend. Dann wartet das Fahrzeug (sehr viel länger als ein menschlicher Fahrer es getan hätte), um in einem günstigen Moment in die richtige Spur zu wechseln.

So sagt Tesla Raj auch: „Im Allgemeinen ist es sehr beeindruckend. Es ist eine frühe Beta-Version, sodass man vorsichtig sein muss, aber es fühlt sich nicht wie eine frühe frühe Beta-Version an. Ich hatte nicht erwartet, dass es schon so früh so gut ist.“

In einem anderen Video von Tesla Raj erklärt er, dass er seinem Fahrzeug „beigebracht“ habe, im Kreisverkehr zu fahren und das Auto dies nun zuverlässig selbst schaffe. Das zeigt, dass ein selbstfahrender Tesla wohl auch dazulernen kann.

In dem Punkt scheinen sich generell alle Beta-Tester einig zu sein. Der Autopilot kann wesentlich mehr als alle vorigen Versionen und ist überraschend zuverlässig – mit einigen Kinderkrankheiten.

Neue Stufe an Emotionen

Tesla-Fahrer sind natürlich grundsätzlich immer sehr begeistert von den Elektroautos aus Kalifornien. Die vielen beeindruckten Ausrufe zeigen aber eine neue Stufe an Emotionen, vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich „nur“ um ein Softwareupdate handelt. Es fallen Begriffe wie „kraftvoll“, „erstaunlich“ und „wow“ oder sogar „revolutionär“.

Dennoch müssen so gut wie alle Testfahrer immer wieder eingreifen und entsprechend achtsam fahren, was sie häufig betonen, auch um zu verhindern, dass andere Fahrer womöglich den Autopiloten überschätzen. Auch Tesla warnt davor, sich zu sehr auf den neuen Autopiloten zu verlassen und beide Hände stets am Steuer zu lassen.

Völlig selbstfahrend im Sinne der offiziellen Definitionen ist auch dieser Tesla-Autopilot also nicht.

Und angesichts der Unfall-Problematik, die schon der Begriff „Autopilot“ in der Vergangenheit verursacht hat, ist daher fraglich, ob es klug von Tesla ist, das neue Assistenzsystem schon jetzt als „völlig selbstfahrend“ zu vermarkten.

Langfristig ist ein selbstfahrender Tesla natürlich das Ziel. Davon scheint man aber noch einige Jahre entfernt zu sein, in den USA und erst recht international.

Denn wann das Update nach Europa oder Deutschland kommt, ist noch nicht klar. Und autonome Fahrzeuge können hierzulande ohnehin erst ab 2022 auf den Straßen erwartet werden. Doch dann ist es gut möglich, dass ein „selbstfahrender“ Tesla zu den ersten Kandidaten gehört.

Zum Weiterlesen


Teile diesen Beitrag!

Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

KOMMENTIEREN