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Dieses deutsche E-Auto könnte sogar Elon Musk von den Socken hauen

Sion_Außensicht
Bild: Sono Motors
geschrieben von Marinela Potor

Geringe Reichweite, schlechte Ladeinfrastruktur und hohe Preise: Das sind die drei häufigsten Argumente, die Verbraucher gegen Elektroautos anbringen. Für all das (und noch viel mehr) verspricht das Münchner Start-up Sono Motors eine Lösung: Das Elektroauto „Sion“.

Liebe Freunde der Elektromobilität, wenn ihr es nicht ohnehin schon tut, dann setzt ihr euch am besten jetzt erstmal hin. Denn dieses E-Auto dürfte von Familien über Umweltfreunde bis hin zum Berliner Hipster so ziemlich jeden begeistern, der sich für Elektroautos interessiert – möglicherweise sogar Herrn Elon Musk!

Die Rede ist von Sion, einem teilweise crowdfinanzierten Auto, das vom Münchner Start-up Sono Motors entwickelt wurde. Zugegeben, bisher gibt es nur den Prototyp, doch wenn dieser all das hält, was die Gründer versprechen – große Reichweite, clevere Ladeinfrastruktur, niedrige Preise – könnte der Sion frischen Wind in die Elektromobilität in Deutschland bringen.

Pro Tag 30 Kilometer Reichweite ohne aufladen

Schauen wir auf die Features, die dieses Fahrzeug so besonders machen. Das erste und offensichtlichste: Sion ist nicht nur ein Elektroauto, es ist auch ein Solarauto. Visono nennt das Unternehmen dies. Das Fahrzeug ist mit 330 Einzelzellen (je 3,65 Watt pro Zelle und einer Höchstleistung von 1205 Watt) auf einer Gesamtfläche von 7,5 m² ausgestattet. Die Zellen können sowohl direkte Sonne in Energie umwandeln und speichern, als auch diffuses Licht. So sind die Solarzellen sind nicht nur auf Dach und Motorhaube angebracht, sondern auch an den Seiten.

Sion_Solarzellen

Solarzellen auch an der Seite (Bild: Sono Motors)

Mit dieser Kombination aus Solarzellen und Batterie kann der Sion sich selbst, also ohne äußere Stromquelle, allein durch Sonnenenergie aufladen. Damit können pro Tag maximal 30 Kilometer gefahren werden, im Winter wahrscheinlich etwas weniger. Besitzer hätten somit, zumindest von April bis September, ein autarkes Auto für Kurzstrecken, wie etwa zum Einkaufen oder fürs Pendeln.

Auch das Material, das Sono Motors ausgewählt hat, ist interessant. Das Unternehmen hat nicht, wie oft üblich, Glas als Trägermaterial für die Solarzellen gewählt, sondern Polycarbonat. Dieses ist laut Sono Motors 50 Prozent leichter und 200 Mal robuster als Glas. Somit beeinflusst das Material nicht das Gewicht des Autos – und wirkt sich damit auch nicht negativ auf die Reichweite aus – und es ist unfallsicher.

Hinzu kommt, dass dieses Material durch eine Oberflächenbehandlung kratzunempfindlich wird. Eine Lackierung ist nicht nötig. Das spart Produktionskosten.

Reichweite: 250 Kilometer, 14 Stunden Ladezeit

Natürlich reichen 30 Kilometer Reichweite pro Tag – so autark sie auch sein mögen – für viele Fahrten im Alltag nicht aus. Dafür kann der Sion selbstverständlich auch an Ladestationen oder an der Heimsteckdose geladen werden. Mit einer vollen Batterieladung liegt die Reichweite bei 250 Kilometern. Allerdings: Speedfans wird der Sion wahrscheinlich nicht überzeugen, die Höchstgeschwindigkeit liegt nämlich bei 140 Kilometern pro Stunde.

Wenn der Sion an der Steckdose aufgeladen wird, dauert eine vollständige Ladung bei leerer Batterie 14 Stunden. Das Auto ist immerhin auch schnellladefähig.

Per App andere Autos laden, Carsharing und Ridesharing-Funktion

Ein weiteres interessantes Feature beim Sion ist die Tatsache, dass Nutzer nicht nur Strom in das Auto, sondern auch aus dem Auto entnehmen können. Dazu gibt es zwei Steckdosen, zu öffnen per App! Eine für so mondäne Gerätschaften wie Smartphones oder Stereoanlagen, die andere kann dazu genutzt werden, um andere Elektroautos aufzuladen. Powersharing nennt Sono Motors diese Funktion.

Gesteuert wird sie über die Bisono-App. Wenn ein Sion-Besitzer Stromkapazitäten frei hat, kann er dies in der Bisono-App angeben. Er stellt ein, welchen Preis er für das Laden verlangt und wie viel Reichweite er nach dem Laden behalten möchte. Will nun ein anderer Fahrer sein Elektroauto aufladen, sieht er über die App, wo der Sion mit freier Ladekapazität steht und kann sein Auto direkt aufladen (auch hier wird die Steckdose per App geöffnet).

Doch das ist nicht die einzige Funktion der App. Die Sion-Autos sollen damit ebenfalls in ein privates Carsharing-System gestellt werden können. Wer sein Auto zum Beispiel während der Arbeit nicht braucht, gibt es mit der App zum Carsharing für einige Stunden frei – und verdient ebenfalls daran.

Darüber hinaus soll auch eine Rideshare-Funktion integriert werden. In die App müsste demnach nur der Fahrpreis und der Zielort eingegeben werden, Mitfahrer könnten dann einfach dazu steigen.

Der Wow-Faktor: Bio-Feinstaubfilter

Wenn euch nach all dem noch das Wow-Feature fehlt, dann ist das hier vielleicht etwas für euch: Der natürliche Moosfilter, genannt Bresono. Er sitzt im Armaturenbrett und die Farbe kann sogar per App verändert werden. Das sieht nicht nur total futuristisch aus, es erfüllt auch noch einen ziemlich guten Zweck: Das Moos filtert bis zu 20 Prozent Feinstaub. Gewechselt werden muss er alle zwei Jahre. Das funktioniert dann recht einfach: Der Filter kommt in den Biomüll.

Sion_Innenraum_Moos

Die Moos-Farbe kann per App geändert werden (Bild: Sono Motors)

Sono Motors empfiehlt, den Bio-Filter nach zwei Jahren auszutauschen. Ein neuer kann bei Sono Motors nachbestellt werden und das Einsetzen funktioniert angeblich kinderleicht. Eine Einleitung dazu findet sich im Internet.

Und da wir gerade beim Thema Service sind: Sono Motors hat angekündigt, alle Reparaturdaten als Open Source Werkstatthandwerk für alle zugänglich zu machen. So können entweder die Besitzer selbst oder herstellerungebundene Werkstätten das Auto reparieren. Das Ganze nennt sich im Unternehmensjargon von Sono Motors „Resono“.

Weitere intressante Specs: Der Sion ist ein Fünfsitzer, ist mit sechs Airbags ausgestattet, hat eine Anhängerkupplung, wiegt ca. 1,5 Tonnen und kommt ebenfalls mit einer Klimaanlage. Die ist bei einem Solarauto, das man zum Laden in die pralle Sonne stellt und dann innen zur Sauna wird, auch bitter nötig.

Preis: billig

All das soll es ab 2019 tatsächlich in Serie geben, und zwar ab sage und schreibe 16.000 Euro. Das ist allerdings der reine Autopreis, ohne Batterie. Aktuell schätzen die Gründer den Batteriepreis auf 4.000 Euro (diese kann separat gekauft oder monatlich gemietet werden). Da das Unternehmen aber davon ausgeht, dass die Batteriepreise bis 2019 noch weiter sinken werden, wird der Preis für die Batterie separat berechnet – und dann bei tatsächlicher Serienreife des E-Autos gegebenenfalls nach unten korrigiert.

Um tatsächlich den Sion in Serie produzieren zu können, sucht das Unternehmen per Crowdfunding aber noch weitere Unterstützer. 5000 vorbestellte Modelle braucht Sono Motors nach eigenen Angaben für die Serienproduktion.

Kleiner Wermutstropfen für Ästhetiker: Bei all den cleveren Features ist das Design erstaunlich konventionell geblieben.

Falls ihr das Modell selbst unter die Lupe nehmen wollt: Bis Ende 2017 könnt ihr den Sion in sieben europäischen Ländern probefahren.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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