GRÜN REISEN

Smacircle: Wir testen ein E-Bike, das in deinen Rucksack passt

Smacircle, E-Bike, Fahrrad
Wir testen das "kleinste klappbare E-Bike der Welt". (Foto: Smacircle Technology)
geschrieben von Marinela Potor

Klein, klappbar, elektrisch – und es passt sogar in deinen Rucksack. So vermarktet das chinesische Start-up Smacircle Technology sein E-Bike namens Smacircle S1. Wir haben es ausprobiert.

Wie klein kann ein E-Bike sein? Im Fall von Smacircle: so klein, dass es auch in einen Rucksack passt.

Das Smacircle S1 wiegt um die sieben Kilogramm, ist angeblich das kleinste klappbare E-Bike der Welt und, nach Aussage von Smacircle Technology, eine der innovativsten Transportideen überhaupt.

All das hat mich neugierig gemacht, sodass ich das Smacircle S1 in einer Prototyp-Version einige Tage lang ausprobiert habe.

Ja, es passt wirklich in einen Rucksack

„Dieses E-Bike ist KLEIN!“ Das war mein allererster Gedanke, als ich das Smacircle ausgepackt hatte und es im eingeklappten Zustand sah.

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Das eingeklappte Smacircle, der Akku / Sitz und das Ladegerät – das ist das komplette Set. (Foto: Marinela Potor)

Die sieben Kilo waren für mich definitiv im Rahmen des Hebbaren. Das kann ich nicht von allen E-Bikes sagen, die ich ausprobiert habe. Dazu sollte ich aber sagen, dass das Smacircle kein Pedelec ist. Vielmehr fährt es nur mit Motor und ohne jeglichen menschlichen Antrieb.

Vom Gewicht her ist es also eher vergleichbar mit einem normalen Fahrrad als mit einem Pedelec. Dadurch, dass es aber sehr viel kleiner ist als ein Rad, ist es wesentlich einfacher zu transportieren.

Das Smacircle ist aber dann doch nicht so klein, dass ich es in einen normalen Bücher-Rucksack packen könnte. In meinen größeren Reiserucksack hat es aber gepasst und war hier auch durchaus bequem zu tragen.

Das Unternehmen hat aber einen speziellen Rucksack-Trolley entwickelt, mit dem du das Smacircle noch bequemer transportieren kannst.

Hier hat das Unternehmen also nicht übertrieben. Das Smacircle ist praktisch und handlich, sodass du es wirklich überallhin mitnehmen kannst.

Erste Herausforderung: Wie klappt man das aus?

Dazu muss man es aber natürlich erstmal ein- und vor allem ausklappen können. Hier hatte ich anfangs Bedenken.

Mit dem E-Bike hatte ich nämlich auch eine Ausklappanleitung bekommen – mit 22 Schritten! Das wirkte zunächst ziemlich abschreckend, erwies sich in der Praxis allerdings als sehr viel einfacher als gedacht.

Beim ersten Mal habe ich zum Ausklappen etwa 20 Minuten gebraucht. Danach weiß man aber direkt, wie es geht und bei weiteren Versuchen habe ich nur noch ein paar Minuten gebraucht. Das Zusammenklappen ist noch einfacher.

In diesem Bereich hat das Design-Team also ganze Arbeit geleistet!

Nachdem das Mini-Bike ausgeklappt ist, fixiert man den Sitz auf das E-Bike. Im Sitz ist gleichzeitig auch der Akku. Eine Akku-Ladung bietet etwa 18 bis 20 Kilometer Reichweite und das volle Aufladen dauert drei Stunden. Damit ist das Smacircle nichts für lange Touren, aber durchaus praktisch für kurze Strecken.

Smacircle, E-Bike, Fahrrad

So sieht das Smacircle ausgeklappt aus. (Foto: Marinela Potor)

Erste Fahrt und schon geschockt

Der Power-Knopf sitzt unterm Sattel. Zum Glück macht er Geräusche, damit man weiß, dass alles aktiviert ist und man losfahren kann. Damit schwinge ich mich also in den Sattel: Auf geht’s!

Und bin erstmal geschockt. Die erste Fahrt ist unerwartet hart! Denn das Smacircle arbeitet mit Vorderradantrieb, weil der Motor im Hinterrad sitzt. In Kombination mit den sehr kleinen Rädern macht es das stabile Fahren sehr kompliziert. Zumindest für mich.

Ich habe bei meinen ersten Fahrten sehr große Schwierigkeiten, das E-Bike stabil zu halten und einfach nur geradeaus zu fahren. Noch schlimmer wird es, wenn ich beschleunige. Umfallen tue ich zwar nicht, aber entspanntes Cruisen ist das nicht.

Mit etwas Übung wird es dann irgendwann immerhin etwas besser und ich traue mich mit dem E-Bike sogar auf die Straße.

Allerdings ist die Hauptstraße bei uns eine zweispurige Schnellstraße (60 Kilometer pro Stunde sind erlaubt), sodass ich mich mit dem kleinen E-Bike auch nur auf den Sicherheitsstreifen wage.

Neben den schnellen Autos komme ich mir mit dem kleinen und niedrigen E-Bike (Maximalgeschwindigkeit: 20 km/h) insgesamt sehr ungeschützt vor.

Auch scheinen die kleinen Räder schon mit Hindernissen wie Stöcken oder Steinen Schwierigkeiten zu haben. Mich bringt das mehr als einmal fast aus dem Gleichgewicht. Immerhin: Die Bremse funktioniert zuverlässig!

Nach etlichen Fahrversuchen über mehrere Tage hinweg wird es dann irgendwann besser mit der Kontrolle. Doch so richtig sicher habe ich mich mit dem wackligen Smacircle nie gefühlt. Ein weiteres Problem für mich ist, dass ich zur Kontrolle das Lenkrad so fest greife, dass mir danach die Arme wirklich weh tun.

All das kann aber auch an mir liegen. Denn erstens habe ich sehr wenig E-Bike-Erfahrung. Ich bin normalerweise entweder auf einem klassischen Fahrrad oder auf dem Pedelec unterwegs. Zweitens hätte ich vielleicht einfach mehr Zeit und Übung mit dem Smacircle gebraucht.

Ich scheine allerdings nicht die einzige zu sein, die beim Testen des Smacircles Probleme mit der eigenwilligen Lenkung hatte. Mein Eindruck war aber, dass man mit etwas Übung durchaus souveräner wird.

Auf stark befahrenen Straßen kann ich aber nach meinem Test das Smacircle nicht empfehlen oder zumindest erst, wenn du dich sehr sicher damit fühlst oder vielleicht generell furchtloser bist als ich.

Dennoch kann ich es mir durchaus als praktischen Transport auf dem Weg zur U-Bahn, für kurze Pendelstrecken zur Arbeit oder auch für den Trip zum Supermarkt vorstellen.

Letzteres allerdings nur, wenn du und dein Rucksack nicht zu schwer sind.

Bei 100 Kilogramm ist Schluss

Denn neben der eigenwilligen Lenkung war das Gewichtslimit für mich das größte Manko beim Smacircle. Bei höherem Gewicht ist es überfordert.

Nun ist das kleine Smacircle für mich (1,60 Meter, 50 Kilo) perfekt. Meine Beine haben genug Platz, das Lenkrad ist auf idealer Höhe und ich kann ordentlich beschleunigen.

Smacircle, E-Bike

Für meine „Größe“ ist das Smacircle perfekt. (Foto: Marinela Potor)

Bergauf muss das E-Bike dann aber schon ordentlich kämpfen. Ich komme zwar hoch, allerdings im Schneckentempo. Als ich das Ganze dann mit einem Rucksack voller Einkäufe probiere, komme ich nur mit Ach und Krach ganz hoch.

Hier nervt es mich dann richtig, dass ich nicht selbst mit einem Tritt in die Pedale nachhelfen kann.

Als mein Nachbar (1,90 Meter groß und ca. 95 Kilo schwer) das Smacircle probiert, kommt das E-Bike an seine Grenzen. Erstens ist die Fahrt für ihn mit seinen langen Beinen und Armen nicht sonderlich bequem, auch wenn man die Höhe bei Lenkrad und Sitz etwas verstellen kann.

Zweitens kann er damit auch nie die maximale Geschwindigkeit erreichen.

Stattdessen hört er während der gesamten Fahrt ein eigenartiges Piepsen. In der Nachbesprechung mit Smacircle Technology konnten wir bislang noch nicht genau feststellen, was es damit auf sich hatte.

Die Ingenieure vermuten zunächst einen niedrigen Akkustand. Das war aber nicht der Fall. Wir hatten den Akku gerade aufgeladen. Ich könnte mir noch vorstellen, dass das Smacircle damit das Limit seiner Kapazität signalisiert hat oder es nach vielen Testfahrten schon Abnutzungszeichen aufzeigt. Es kann natürlich auch einfach sein, dass es ein Ausnahmefehler mit meinem Test-Bike war.

Drittens kommt er den gleichen Berg nicht hoch. Das Smacircle schafft es einfach nicht. Wie mir das Unternehmen später erklärt, liegt das Höchstgewicht für Fahrer bei 100 Kilogramm.

Da frage ich mich, wie praktisch das Smacircle ist. Denn so locker wie es das Unternehmen behauptet, schafft das E-Bike die 100 Kilogramm definitiv nicht.

Der Durchschnittsdeutsche ist 1,73 Meter groß und wiegt etwa 80 Kilogramm. Nicht selten hat man noch einen Rucksack dabei und muss irgendwo einen kleinen Hügel hochfahren.

Wenn das Smacircle dabei schon an seine Grenzen stößt, ist es nicht gerade alltagstauglich.

Design? Gewöhnungsbedürftig

Hinzu kommt, dass es – wenn ich ganz ehrlich bin – bei großen Menschen so aussieht, als ob ein Erwachsener einem Kind sein Spielzeug geklaut hätte.

Das Design insgesamt möchte ich deshalb mal als gewöhnungsbedürftig bezeichnen. Für mich sah es mehr nach Kinderspielzeug als nach coolem Freizeit-Bike aus.

Orange ist zudem nicht meine Farbe. Ich finde allerdings die anderen Varianten mit Blau, Schwarz und Weiß ganz schön. Das alles ist aber natürlich immer Geschmackssache.

Fazit: Viele gute Ideen, aber verbesserungswürdig

Insgesamt finde ich die Idee hinter dem Smacircle super und das faltbare kleine E-Bike scheint mir vor allem für den kurzen Arbeitsweg oder für die Fahrt zum oder vom Bahnhof sehr praktisch.

An den Vorderradantrieb muss man sich aber gewöhnen. Hier möchte ich aber nicht ausschließen, dass man mit mehr Zeit und Übung wesentlich sicherer damit unterwegs ist, als ich es war – und dann auch mehr Fahrspaß hat.

Darüber hinaus ist die geringe Motorleistung für mich aber die größte Hürde. Wer klein ist und auf überwiegend flachem Gelände fährt, wird kaum Probleme haben.

Bei größeren und schwereren Menschen sowie bei steilem Gelände scheint mir das Smacircle eher unpraktisch. Allerdings hatte ich noch einen Prototyp. So kann ich nur hoffen, dass das Unternehmen bis zum finalen Modell hier nachbessert.

Europa-Launch im August

Ich habe das Smacircle in den USA getestet. Hier ist es aktuell für 1.450 US-Dollar erhältlich. In Europa wird es das Smacircle voraussichtlich ab August zunächst in Großbritannien und in Frankreich geben.

Den Deutschlandstart musste das Unternehmen aufgrund der neuen technischen Auflagen für Elektrokleinstfahrzeuge verschieben. Dieser soll aber zeitnah folgen. Der Preis für das Smacircle wird dann bei 1.399 Euro liegen.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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