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Knapp bei Kasse? Dann lass doch dein Skateboard Geld verdienen!

Stark Board Frau Skateboard Berlin
So könnte es aussehen, wenn dein Skateboard Geld für dich verdient. (Foto: Stark Mobility)
geschrieben von Marinela Potor

Was hältst du davon, wenn dein Skateboard durch die Stadt rollt und Geld für dich verdient – ohne, dass du jemals dafür von der Couch aufstehen musst? Dann kannst du dich freuen! Das könnte es (mit sehr viel Glück) bald auch in Deutschland geben.

Privates Skateboard-Sharing nennt sich das Konzept, das das Start-up Stark Mobility nun aus San Francisco nach Berlin bringen möchte.

Das Prinzip ist simpel. Skater stellen demnach ihre Boards anderen zur Verfügung. Interessierte Fahrer leihen sich diese über eine App aus und die Skater verdienen sich so, ohne großen Aufwand, ein Taschengeld hinzu.

Klingt zu schön, um wahr zu sein? So ist es auch leider … noch!

Verkaufen war gestern, jetzt kommt Sharing

Doch der Reihe nach. Beginnen wir mit dem Skateboard-Sharing selbst.

Wenn dir die Idee wie eine Mischung aus privatem Carsharing und Airbnb vorkommt, dann liegst du goldrichtig. Genau diese Angebote inspirierten Gründer Laurens Laudowicz zu seinem eigenen Geschäftsmodell.

Das nötige Board dafür hätte er auch schon. Es nennt sich Stark Board und ist ein elektrisches Skateboard, das Laudowicz bereits seit 2017 vertreibt. Das Stark Board lenkt man über Gewichtsverlagerung und es funktioniert, im Gegensatz zu seinem deutschen Konkurrenten Mellow Boards, ohne Fernbedienung.

Da Stark Mobility die E-Boards in China produzieren lässt, sind sie auch viel günstiger. Aktuell liegt der Stückpreis bei umgerechnet 613 Euro. Der vergleichbare Mellow Cruiser, der in Deutschland produziert wird, kostet dagegen 1.199 Euro, also fast das Doppelte.

Mit knapp 600 Euro pro Board wird Stark Mobility aber auf lange Sicht sicherlich auch nicht reich. Aktuell finanziert sich das Start-up neben Eigenkapital und Geld aus einer Crowdfunding-Kampagne über das Berliner Accelerator Programm Techstars.

Genau hier, in Berlin, sieht Laurens Laudowicz auch die Zukunft seines E-Board-Sharings. Irgendwann sollen sogar E-Scooter dazukommen. Denn darum geht es ihm eigentlich viel mehr als um den Verkauf von Skateboards. Deswegen ist er im Januar von San Francisco in die deutsche Hauptstadt gezogen und will nun seine Boards groß aufziehen.

Laudowicz glaubt, dass sich Skater durch das Sharing-Modell ihre Boards abbezahlen und langfristig sogar ein wenig passives Einkommen erwirtschaften könnten.

Doch leider gibt es drei ziemlich große Hürden auf dem Weg dahin.

In Deutschland dürfen Stark Boards nicht auf die Straße

Die wichtigste ist: E-Boards sind im deutschen Straßenverkehr nicht erlaubt. Sie können zwar auf privatem Gelände oder in Skaterparks gefahren werden, nicht aber auf dem Bürgersteig oder Fahrradwegen.

Selbst nach dem aktuellen Gesetzesentwurf zur neuen Elektrokleinstfahrzeugverordnung wären die E-Boards nicht straßentauglich. Das liegt daran, dass der Entwurf es nicht erlaubt, freihändig auf einem Elektrokleinstfahrzeug zu stehen. E-Boards oder Hoverboards dürften damit weiterhin nicht im Straßenverkehr genutzt werden.

Per E-Board-Sharing zur Arbeit oder zur U-Bahn? Das Geschäft dürfte Stark Mobility momentan in Deutschland komplett vergessen!

Kannst du Skateboard fahren?

Doch selbst wenn dies doch in naher Zukunft erlaubt sein sollte, liegt die zweite Hürde im Geschäftsmodell selbst. Denn E-Board-Sharing spricht eine ganz andere Zielgruppe an als Carsharing, Bikesharing oder Scooter-Sharing.

Die meisten von uns können Rad oder Auto fahren. Scooter erfordern wiederum kein großes Können. Man stellt sich drauf und fährt. Fertig. Bei Skateboards sieht das ganz anders aus.

Wer von euch kann ernsthaft gut Skateboard fahren oder kennt einen Haufen Leute, die das in ihrer Freizeit tun? Genau! Es ist ein Nischensport. Das allein wäre noch kein Hindernis.

Doch nicht jeder kann sich auf ein Skateboard stellen und nach ein paar Runden sicher durch die Stadt fahren. Das braucht Zeit und viel Übung. Investiert man diese Zeit, wenn man nur ein Sharing-Angebot nutzen will?

Selbst wenn das Board elektrisch angetrieben ist, hilft das Anfängern nicht sonderlich viel, wie wir selbst im Praxistest mit dem Boosted Board feststellen mussten. Wir sagen nur: offene Knie, blutiger Rücken und kaputte Hose!

Skater geben ihre Boards nicht her!

Skateboard-Sharing richtet sich also, anders als viele andere Sharing-Angebote, an eine sehr spezifische Zielgruppe: Skater … oder zumindest Menschen, die sich das Fahren durch die Stadt auf einem solchen Board zutrauen.

Doch genau diese Zielgruppe würde ihr Board kaum hergeben. Das ist die dritte Hürde. Denn Skater hängen an ihren Boards. Sie sind für sie nicht einfach ein Transportmittel. Sie sind ein Lifestyle-Produkt. Sie verkörpern eine Einstellung und für viele fühlt sich das Board wahrscheinlich so an wie die Verlängerung ihrer eigenen Beine.

Das eigene Board ist also der ganze Stolz eines Skaters – und das gibt man nicht so mir nichts dir nichts ins Sharing. Höchstens, wenn man zwei Stück hat und eins ohnehin nur das Reserve-Board ist.

Doch dann ist immer noch die Frage: Wer leiht sich das aus? Denn – nochmals – die Skater haben alle ihre eigenen Boards. Warum sollten sie sich ein wildfremdes, möglicherweise ramponiertes Board ausleihen?

Vielleicht braucht es Idealismus

Vielleicht braucht es aber so idealistische, mutige Gründer wie Laurens Laudowicz, um ein scheinbar hoffnungsloses Geschäftsmodell erfolgreich zu machen. Schließlich hat wohl auch niemand geglaubt, dass aus einer Luftmatratze im Wohnzimmer ein Milliardengeschäft namens Airbnb wird.

So ist Stark Mobility nicht das einzige Unternehmen, das mit E-Board-Sharing experimentiert. In Hongkong startete Walnut Technology in diesem Jahr ein solches Angebot und aus dem Ideenhub HackCville in Charlottesville, Virginia ist 2018 ebenfalls ein E-Board-Sharing-Projekt hervorgegangen.

Beide sind noch zu jung, um wirklich sagen zu können, ob das Modell erfolgreich sein kann. Allerdings haben beide Angebote einen großen Vorteil gegenüber Stark Mobility: Sie bieten Skateboard-Sharing in Ländern an, in denen man mit den Boards auf die Straße darf.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

2 Kommentare

  • Kurze klarstellung zum Text, unser StarkBoard is a amazing board for personal use. We never intended to use this for any sharing related ideas. Instead we have built an electric scooter that is already being used by several sharing providers in the US. We are now working on our own EV sharing platform. The author must have mixed up several facts in regards to our boards, scooter and platform. Anyhow, all the best from Berlin. More on our platform when we are launching. Cheers!

    • Hi Laurens,

      thanks for weighing in on this yourself. I am thinking there might be a language / translation issue here? So let´s make sure we got it all figured out correctly.

      The article states that Stark Mobility has developed an e-board. Now you are considering launching a shared e-board platform from Berlin.

      If I understand your comment correctly, you just confirmed all of this yourself. So not exactly sure where the issue is there. In this particular article you are being quoted as seeing shared e-boards as the next mission for your company, and being inspired by other sharing platforms, which is where that part came from.

      If you still feel that there is a part that is inaccurate, please let us know where exactly. Maybe it´s just the way something was phrased, and we´ll try to write is as accurately as possible.

      All the best for your future ventures.

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