ZUKUNFT

Der große Starlink-Guide: So kannst du die Satelliten von SpaceX am Himmel sehen

Starlink Satelliten, SpaceX, Raumfahrt, Weltraum, Internet
Der große Starlink-Guide. (Foto: SpaceX)

Für viele Weltraum-Fans sind die Starlink-Satelliten von SpaceX die neue Sensation am Nachthimmel. Doch was genau sind die Satelliten? Was hast du davon? Und wie kannst du sie überhaupt am Himmel sehen? Ein Guide. 

Inhaltsverzeichnis


Was ist Starlink?

Starlink ist der Name eines Internet-Satelliten-Projekts. Entwickelt hat es das private US-Raumfahrtunternehmen SpaceX von Elon Musk und Gwynne Shotwell. Damit möchte das Unternehmen ab Mitte 2020 Menschen in den USA eine neue Option für ihren Internetzugang ermöglichen, später dann weltweit.

Insbesondere abgelegene Regionen, die derzeit keinen oder nur schlechten Internetzugang haben, sollen diesen über Starlink bekommen.


Neue Stellenangebote

Mobility Mag Freiberuflicher Redakteur (m/w/d) für Mobility Mag
BASIC thinking GmbH in Home Office
Leiter IT – Infrastruktur Backend (m|w|d)
SCHWENK Baustoffgruppe in Ulm
Mitarbeiter IT Support Non-SAP Business Application (m|w|d)
SCHWENK Baustoffgruppe in Ulm

Alle Stellenanzeigen


Um das zu ermöglichen, will SpaceX zunächst 12.000 Satelliten, langfristig aber angeblich mehr als 42.000 Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn kreisen lassen. Zum Vergleich: Aktuell kreisen etwa 2.000 Satelliten in die Erde. Bislang wurden nach Informationen der UN insgesamt nur knapp 9.500 Satelliten gelauncht.

Die Idee zu dem Projekt entstand 2015. 2018 launchte SpaceX dann die ersten Starlink-Testmissionen, TinTinA und TinTinB. Die Tests liefen erfolgreich. Das Unternehmen bat jedoch aufgrund der neuen Informationen um eine niedrigere Umlaufbahn als ursprünglich vorgesehen – und bekam diese schließlich.

Die ersten 60 Satelliten wurden am 23. Mai 2019 gelauncht. Alle zwei Wochen werden momentan neue Satelliten über die Rakete Falcon 9 gelauncht. Im Moment fliegen 360 Starlink-Satelliten im All. Derzeit ist das nächste „Batch“ unterwegs. Damit werden es dann bald 420 Satelliten sein.

Wie funktionieren die Satelliten?

Jeder Starlink-Satellit wiegt 227 Kilo und ist etwa so groß wie ein Tisch.

Aus dem All sollen die Satelliten das Internetsignal durch das Vakuum im All zur Erde beamen. Das hat den Vorteil, dass das Signal fast eineinhalbmal so schnell (47 Prozent schneller) ist wie aktuelles Glasfaserkabel-Internet.

Es gibt natürlich auch jetzt schon Internetsatelliten im All und sie funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Diese fliegen aber weiter entfernt als die Starlink-Satelliten, was dazu führt, dass es dadurch Verzögerungen bei der Signalübermittlung gibt. Genau das will Starlink mit der niedrigeren Umlaufbahn sowie durch die Netzwerk-Zusammenarbeit der Satelliten besser machen.

Das soll auch dazu führen, dass das Internetsignal besser zu weit abgelegenen Regionen gelangen kann. Nach Informationen von Elon Musk steigt die Reichweite des Internetempfangs mit der Anzahl der Satelliten. Mit 400 Objekten in der Konstellation habe man demnach eine „minimale“ Verbreitung, ab 800 Satelliten gehe es dann in den „moderaten“ Bereich, in dem die Satelliten operieren könnten.

Wie viele Flotten wurden schon gelauncht – und wann?

Bislang (Stand: 2. Juni 2020) hat SpaceX acht Flotten gelauncht.

  • Der erste offizielle Launch war von 60 Test-Satelliten war am 24. Mai 2019.
  • Der zweite Launch (Starlink 1) von 60 betriebsbereiten Satelliten war am 11. November 2019.
  • Der dritte Launch fand am 6. / 7. Januar 2020 statt.
  • Der vierte Launch war am 29. Januar 2020.
  • Der fünfte Launch war am 17. Februar 2020.
  • Der sechste Launch fand am 18. März 2020 statt.
  • Der siebte Launch war am 22. April 2020. 
  • Der achte Launch wird am 17. Mai 2020 erwartet.
  • Der neunte Launch ist voraussichtlich für den 3. Juni 2020 geplant.

Warum sehen die Flotten unterschiedlich aus?

Die Sichtbarkeit der Flotten verändert sich mit der Zeit, genau wie ihre Position. Direkt nach Launch sieht eine Flotte von 60 Satelliten fürs bloße Auge wie ein Zug aus hellen Lichtern oder eine leuchtende Perlenkette aus.

Die Punkte sind nah beieinander, etwa fünf bis acht Grad voneinander entfernt. Als Maßstab: Wenn du deine Hand zur Faust ballst und den Arm ausstreckst ist der Faust-Abstand etwa zehn Grad.

Mit der Zeit verändert sich das aber. Die Satelliten werden nicht mehr so dicht beieinander erscheinen und auch weniger hell. Das liegt daran, dass sich die Satelliten langsam aber sicher in ihren vorgesehenen höheren Orbit bewegen.

Frühere Flotten werden darum weniger hell und weiter auseinander erscheinen als die von späteren Launches.

Was bedeutet Starlink für mein Internet?

Internetsatelliten bewegen sich derzeit in einer Erd-Entfernung von etwa 35.000 Kilometern. Die Starlink-Satelliten dagegen fliegen in einer Entfernung von 340 bis 1.100 Kilometern. Für dich bedeutet das: Dein Internet könnte dadurch rasend schnell werden.

Im Starlink-Antrag von SpaceX an die US-Kommunikationsbehörde Federal Communications Commission spricht das Unternehmen von erwarteten Download-Geschwindigkeiten von einem Gigabite pro Sekunde.

Damit wäre das SpaceX-Internet nicht nur für abgelegene Gebiete interessant, sondern für alle Nutzer, die sich schnelles Internet wünschen. In einem Interview mit CNN drückte Elon Musk es so aus: „Zahlt irgend jemand weniger als 80 Dollar pro Monat für ein beschissenes Angebot? Nö. Darum werden wir erfolgreich sein werden.“

Daraus kann man ableiten, dass das Internetangebot über die Satelliten von SpaceX auch erschwinglich sein wird. Wenn man den Worten von Elon Musk glauben darf, dürfte ein Monatsabo dann weniger als 80 US-Dollar kosten.

Wie kann ich Starlink am Himmel beobachten?

Da die Starlink-Formation um die Erde kreist, kannst du die Satelliten in regelmäßigen Abständen am Nachthimmel beobachten. Du brauchst kein Teleskop, sie sind mit bloßem Auge zu erkennen. Du kannst natürlich einfach immer in den Nachthimmel schauen. Es gibt aber auch zahlreiche Apps und Websites, die dir dabei helfen.

Apps und Websites, um Starlink-Verlauf zu erkennen

Heavens Above ist eine Website und App, die dir nicht nur die Starlink-Satelliten, sondern auch die Flugbahnen anderer Flugobjekte anzeigt. Die App (bislang nur für Android) ist etwas einfacher zu benutzen und du kannst dir per Standort-Ermittlung auch im Kalender anzeigen lassen, wann du die Starlink-Karawane sehen kannst.

Noch einfacher ist Find Starlink Satellites (iOSAndroid sowie online). Auch dieser App musst du logischerweise Zugriff zu deinem Standort erlauben. Dann kannst du aber auch schon über den „Find Visible Times“ Button sehen, wann du die Satelliten sehen kannst.

Auf N2Yo ist es auch möglich die Position der Starlink-Satelliten zu sehen. Du kannst dabei einzelne Satelliten von Starlink tracken und dir anzeigen lassen, wo sie gerade sind sowie auf einer Weltkarte eine Voraussage zur Umlaufbahn bekommen.

Sehr gut ist die Website von James Darpinian. Du gibst einfach deine Location ein – und schon bekommst du einmal die Umlaufbahn der Satelliten grafisch dargestellt, sowie ein Datum, an dem du die Starlink-Karawane wieder sehen kannst. Auch hier gibt es eine Erinnerungsfunktion.

Eine 3D-Ansicht der Umlaufbahn bietet die Satflare. Das Besondere daran ist, dass es hier eine Nutzer-Community gibt, die ihre Informationen zu den Satelliten teilen – und auch Fotos und Videos hochladen, was das Ganze sehr interaktiv macht.

Grafisch auch sehr gut gemacht ist die Tracking-Website Celestrak.

Du siehst darauf die Weltkugel sowie die Umlaufbahn der Starlinks und kannst den Globus mit der Maus so drehen, dass du erkennen kannst, wo im Verhältnis zu deinem Standort die Satelliten sind. Unten auf der Website kannst du das Datum ablesen – was es nicht ganz so einfach macht, schnell herauszufinden, wann du die Satelliten wo sehen kannst.

Tipps zur besseren Sichtbarkeit

Wie bereits erwähnt, werden die Flotten mit der Zeit weniger gut sichtbar. Zudem arbeitet SpaceX offenbar auch an Technologien, um die Satelliten weniger hell am Himmel erscheinen zu lassen. Die Zeit unmittelbar nach dem Start der Flotten ist daher der beste Zeitpunkt, um die Starlink-Karavane zu sehen.

Versuche zudem einen möglichst dunklen Ort zu finden, mit wenig Lichtverschmutzung. Kurz nach Sonnenuntergang ist ein guter Zeitpunkt, um die Satelliten zu sehen. Du kannst auch ein Fernglas zur Hilfe nehmen. Die Sichtbarkeit hängt auch davon ab, wie die Satelliten das Sonnenlicht reflektieren.

Viele der Apps und Websites zeigen dir neben der Position an, wie gut die Sichtbarkeit ist. Je niedriger die Zahl, desto besser die Sichtbarkeit.

Welche Kritik gibt es an der Satellitenkarawane?

Elon Musk betont immer wieder, dass seine Satelliten astronomische Beobachtungen „null“ beeinflussen werden. Viele Astronomen sehen das anders, insbesondere nachdem nun sichtbar war, wie hell die Starlink-Satelliten am Himmel zu sehen sind.

Sie befürchten, dass hochempfindliche Teleskope sowie Funkantennen von Starlink gestört werden könnten. Die Internationale Astronomische Union hat in einem Statement vom Juni 2019 ebenfalls gesagt, dass Satellitenkonstellationen bestehende und künftige Infrastruktur stören könnte.

Auch die europäische Raumfahrtorganisation ESA hat schon erste Auswirkungen gemerkt. Im September 2019 musste die ESA ihren eigenen Aeolus-Satelliten umleiten, damit er nicht mit „Starlink 44“ kollidierte.

Es gibt auch Bedenken zum möglichen Weltraumschrott der Satelliten. Angeblich können die Starlink-Satelliten aber so aus ihrer Umlaufbahn entfernt werden, dass kein Müll entstehe.

Zum Weiterlesen


Teile diesen Beitrag!

Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

KOMMENTIEREN