Transport

1,1 Cent pro Kilometer – Fernbusse erobern Europa

Fernbusse am Busbahnhof Köln
geschrieben von Ekki Kern

Nach der Deutschen Bahn wird sich auf die französische Staatsbahn SNCF auf Veränderungen in ihrer Preispolitik einstellen müssen.

Denn nachdem der deutsche Fernbusmarkt bereits zu Beginn des Jahres 2013 liberalisiert wurde, ist der französische nun ebenfalls offen für den harten Wettbewerb. Straße gegen Schiene – gewinnen wird der, der die stärksten Nerven und die zufriedensten Kunden hat.

Ähnlich wie hierzulande kämpfen ab sofort also auch in unserem Nachbarland etablierte Anbieter und junge Marktteilnehmer um die Kunden.

1,1 Cent pro Kilometer

Gerade für junge Reisende ist der Preis oft das entscheidende Kriterium, wenn es um die Wahl des Verkehrsmittels geht. Und tatsächlich sind die Kosten fürs Busfahren in Frankreich derzeit unglaublich günstig: Mit durchschnittlichen 1,31 Cent pro Kilometer liegt man sogar noch unter deutschem Niveau, das aktuell auf den beliebtesten Strecken bei mindestens 1,72 Cent pro Kilometer liegt. Tickets im einstelligen Euro-Bereich sind auf den meisten Strecken keine Seltenheit.

Vor der Liberalisierung waren Fernbusse in Frankreich ähnlich wie in Deutschland eher die Ausnahme. Lediglich die staatliche Eisenbahngesellschaft SNCF mit ihrer Marke OUIBUS, früher iDBUS, und Eurolines France schickten vereinzelt Busse auf die Straßen.

Megabus und MeinFernbus Flixbus sind dabei

Seit der Liberalisierung drängen auch andere junge europäische Anbieter wie FlixBus und Megabus auf den Markt, die auf ihren ersten Linien bereits Tickets für einen Euro anbieten. Sie sehen offensichtlich großes Potential für die Langstreckenbusse. Aber auch viele etablierte Unternehmen nutzen ihre Chance und bauen ihr Netz aus.

In der Bundesrepublik blieben im Jahr 2013 Berlin Linien Bus, ein Tochter-Unternehmen der Deutschen Bahn, und der deutsche Ableger von Eurolines zunächst zurückhaltend, während DeinBus.de, FlixBus und MeinFernbus den Markt aufmischten.

In Frankreich dagegen gründete der Eurolines-Betreiber Transdev schon im vergangenen Juni und somit vor der eigentlichen Liberalisierung, die Tochter isilines, die auf innerfranzösischen Strecken zu Niedrigpreisen verkehrt.

Bahn setzt auf Busse

Die französische Bahn benannte ihre Fernbustochter zum 3. September in OUIBUS um und stellte eine umfangreiche Bus-Strategie vor. Unter anderem wird eine ausdrückliche Low-Cost-Strategie verfolgt, nach Vorbild der Billigfluggesellschaften.

Bis zum Jahresende will man 130 Verbindungen mit 35 Zielen in Frankreich und elf weiteren europäischen Städten zu attraktiven Preisen anbieten. Um neue Kunden in den Bus zu locken, werden 25.000 Fahrkarten zum Festpreis von fünf Euro auf allen innerfranzösischen Linien verkauft.

Problem Busbahnhöfe

Schön sieht anders aus: Der Busbahnhof neben dem Kölner Dom

Schön sieht anders aus: Der Busbahnhof neben dem Kölner Dom

Aber auch die Probleme sind in Frankreich ähnliche wie in Deutschland. Das große Nadelöhr sind die Busbahnhöfe. Sie sind nicht ausgerüstet für den plötzlichen Fernbus-Ansturm, oftmals veraltet und unkomfortabel, wie etwa das Kölner Modell, über dessen Schicksal derzeit debattiert wird.  Frankreichs Wirtschaftsminister Macron kündigte bereits an, bis Ende des Jahres ein Konzept zur Verbesserung der Infrastruktur vorzulegen.

Bahn wird nachziehen müssen

Abzusehen ist, dass, wie in Deutschland, die Bahn die neue Konkurrenz auf der Straße spüren und mit Preisanpassungen und Sparangeboten reagieren wird. So könnte auch in Frankreich der Fernbus das Preisniveau im Fernreiseverkehr deutlich senken.

Anders als in Deutschland verhält es sich in Frankreich mit der Mindestdistanz für Fernbusfahrten. Während in der Bundesrepublik Fernbusse auf Strecken ab 50 Kilometer verkehren dürfen, beträgt die Entfernung in Frankreich 100 Kilometer. Allerdings sollen ab Oktober auch Sondergenehmigungen für kürzere Abschnitte möglich sein, sofern das aktuelle Transportangebot als nicht ausreichend eingestuft wird.


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Über den Autor

Ekki Kern

Ekki Kern war von 2016 bis 2018 Chefredakteur von Mobility Mag. Ausbildung zum Medienredakteur an der Berliner Axel Springer Akademie und bei der "Welt". Gerne unterwegs in Bahn, Bus und Auto, mag sein Rennrad und interessiert sich beruflich wie privat auch für Film, Fernsehen und Radio.

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