Mobile Living

Klein, kleiner, Tiny House – Leben auf kleinstem Raum

geschrieben von Marinela Potor

Wie viel Raum brauchen wir zum Leben? Weniger ist mehr, sagen dazu die Menschen, die hinter der Tiny House Bewegung stehen. Und damit stehen sie nicht alleine da. Tiny Houses, also Kleinsthäuser, sind „in“. In den folgenden Wochen wollen wir uns deshalb genauer mit dem Tiny House Movement befassen und euch natürlich auch einige dieser süßen bis futuristischen Minihäuser vorstellen. Zum Anfang gehen wir der Frage nach: Warum wollen Menschen eigentlich auf winzigstem Raum leben?

Freiheit. Kleine Häuser bieten eine große Freiheit. Das scheint zumindest die einhellige Meinung unter Tiny-House-Bewohnern zu sein, wenn man sie fragt, warum sie ihr Leben auf kleinstem Raum gestalten.

Brauche ich das alles wirklich?

Das ist zum einen die finanzielle Freiheit und zum anderen eine emotionale. Denn kleine oder auch winzige Häuser sind natürlich viel günstiger als ein klassisches Einfamilienhaus. Es werden weniger Materialien zum Bau benötigt, und auch die Instandhaltung ist günstiger.

Hinzu kommt, dass viele Tiny-House-Architekten und Designer darauf bedacht sind, maximale Effizienz auf minimalem Raum herauszuholen – auch wenn es um den Energiekonsum geht. So spart man unterm Strich eine Menge Geld mit einem so kleinen Haus, wie die Blogger von The Tiny Life vorrechnen.

So viel kann man durch ein Tiny House sparen (Infografik: The Tiny Life)

Gerade für junge Menschen, die gerade ins Berufsleben starten, oder auch für Menschen im Rentenalter mit geringeren finanziellen Mitteln ist das sicher ein großer Anreiz an den kleinen Häusern.

Doch, und das betonen eigentlich alle Tiny-House-Fans, geht es um viel mehr. Neben der finanziellen Freiheit lieben die meisten von ihnen auch die emotionale Freiheit, die sie durch das Wohnen auf kleinstem Raum gewinnen.

Wer auf so wenigen Quadratmetern lebt, muss schließlich sehr genau überlegen, mit welchen Dingen dieser kleine Raum ausgefüllt werden soll. Ein neuer Tisch ist schnell gekauft, wenn das Wohnzimmer sehr groß ist. Doch wenn wir nur begrenzten Wohnraum haben, muss jede neue Anschaffung genau überdacht werden. Brauchen wir das wirklich? Und wenn ja: Wie können wir diesen Gegenstand am sinnvollsten im Raum integrieren?

Heraus kommt die Erkenntnis, dass wir Raum sehr viel effizienter nutzen können – und dass wir viel weniger brauchen, als wir denken. Tiny Houses lehren uns, uns auf das Wesentliche zu besinnen.

Das Haus, das den Himmel einfängt

Die Tiny-House-Bewegung geht also Hand in Hand mit der Minimalismusbewegung. Deshalb ist ein Tiny House auch nicht einfach nur ein Miniaturhaus. Dahinter stecken vielmehr auch clevere Designkonzepte, die unsere traditionellen Ideen von „Wohnen“ und „Platz“ infrage stellen und völlig neu denken.

Ein paar Beispiele gefällig? Das Architektenduo Eva Prats und Ricardo Flores aus Barcelona hat ein aufklappbares „Kofferhaus“ entwickelt.

Aus Koffer mach Haus (Design: Floresprats)

Der japanische Architekt Takaharu Tezuka hat ein Kleinsthaus fürs Dach gebaut: „House to catch the Sky“:

House to catch the Sky (Bild: Tezuka Architects)

In Deutschland kam Architekt Maxim Kurennoy von Futteralhaus mit dem „Futteralhaus Modell FH_25“ auf den Markt:

Wer cool ist, lebt im Tiny House?

Allein daran kann man schon sehen, dass das Tiny House Movement immer mehr Fahrt aufnimmt. So viel, dass Prominente schon damit angeben, in einem Tiny House zu wohnen, und so viel, dass in den USA erste Städte schon spezielle Regelungen für den Bau von Kleinsthäusern entwickeln.

Auch in der Popkultur scheinen die Minihäuser schon angkeommen zu sein. Die Tiny-House-Bewegung findet sich in TV-Shows wie „Tiny House Nation“ oder „Tiny House Hunters“ wider.

Hinter dieser Beliebtheit steckt nicht nur die Erkenntnis, dass die Tiny Houses ein lukratives Geschäft sind, sondern auch ganz praktische Gründe. Wohnraum wird knapper – und damit auch teurer. Die Finanzkrisen haben, gerade in den USA, viele Menschen auf die Straße gesetzt. Und nach Katastrophen wie Hurrican Katrina in New Orleans müssen Tausende von Menschen in kürzester Zeit untergebracht werden.

Daher ist es wohl auch nicht verwunderlich, dass der Tiny-House-Trend, auch Small House Movement genannt, ursprünglich aus den USA kommt. Sarah Susanska gilt als Pionierin der Bewegung. Gemeinsam mit Jay Shafer, der die „Tiny Houses on Wheels“, also die kleinen Häuser auf Rädern beliebt gemacht hat.

Sie sind sicherlich nicht die Ersten, die von kleinen Häusern fasziniert waren. Lloyd Kahn und Lester Walker waren schon in den 1970ern und 1980ern Vorreiter der Bewegung. Als Ur-Vater der Tiny-House-Bewegung gilt vielen aber der amerikanische Autor Henry David Thoreau, der in seinem Buch „Walden“ schon 1854 über die Freiheit des Nichts-Habens schrieb.

Nicht nur für Exzentriker und Aussteiger

Und heute? Heute ist daraus eine internationale Bewegung, beinahe schon Philosophie geworden. Unzählige Blogs widmen sich dem Thema, vom Leben im Tiny House bis zur Veröffentlichung von Bauplänen. Es gibt eine Tiny-House-Konferenz, und sogar die American Tiny House Association, die sich für ethisches Bauen der Kleinsthäuser einsetzt. Auch die Bau- und Hotelbranche hat die Kleinsthäuser für sich entdeckt.

Das Tiny House Movement ist also längst mehr als eine Untergrundbewegung für Exzentriker und Aussteiger. Welche interessanten Minihäuser daraus entstanden sind – das wollen wir euch in den nächsten Wochen zeigen. So viel sei an dieser Stelle schon einmal verraten: Es geht dabei hoch hinaus.

Wie steht ihr zur Tiny-House-Bewegung? Ist das wirklich die Zukunft des Wohnens? Könntet ihr euch vorstellen, auf so kleinem Raum zu leben, oder tut ihr das sogar bereits?

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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