Mobile Living

Ikea trifft Peter Lustig: Das Tiny House „Wohnwagon“

geschrieben von Marinela Potor

Wie viel Raum brauchen wir zum Leben? In unserer losen Reihe zu Tiny Houses gehen wir dieser Frage nach und stellen dabei verschiedene Tiny-House-Konzepte vor. Diesmal: Ikea trifft Peter Lustig, oder, der Wohnwagon.


Eigentlich hatte Theresa Steininger weder etwas mit Wohnwagen noch mit der Tiny House Bewegung zu tun, als sie 2012 Christian Frantal traf. Eigentlich sollten sie und ihr Agentur-Team das Marketing für Frantals exzentrische Idee übernehmen – einen autarken Wohnwagon.

Doch als Frantal fragt: „Seid ihr dabei?“ entsteht daraus eine Partnerschaft. Im März 2013 gründen sie ein Startup und sammeln Kapital per Crowdfunding und bauen im selben Jahr noch den Prototyp. Damit gehen sie dann auf Tour und aktuell haben sie schon 19 Wohnwagons verkauft. „Ich war von der ersten Sekunde an von der Idee gefesselt“, verrät Theresa Steininger im Gespräch mit Mobility Mag. Denn für sie ging es um mehr als einen ausgefallenen Camper.

„Drauf scheißen oder Spaß haben“

Es ging um nachhaltiges Leben, den Klimawandel und die Zukunft unserer Gesellschaft. „Da kann man entweder mit dem erhobenen Zeigefinger durchs Leben gehen, komplett drauf scheißen oder einen humorvollen Weg gehen“, schlussfolgert die freche Wienerin unverblümt. Sie hat offensichtlich den Wohnwagon gewählt – eine Mischung aus Peter Lustigs blauem Wohnwagen und stylischer Ikea-Einrichtung. Dabei ist der Wohnwagon mehr als nur ein Produkt, es ist ein Lifestyle.

Theresa Steininger und Christian Frantal (Bild: Wohnwagon)

Ähnlich wie auch das Tiny House „Ecocapsule“ aus der Slowakei ist auch das österreichische Konzept von Wohnwagon auf Autarkie ausgerichtet. „Autarkie bedeutet für mich gesunde Ernährung, bewusster Konsum und die Dinge wertschätzen die einen umgeben – ein gutes Leben in Freiheit und Selbstbestimmung“, erklärt Theresa Steininger.

So ist auch jedes Detail im Wohnwagon gut durchdacht. Vom sorgfältig ausgewählten Außenmaterial (Holz-Weichfaserplatten und Lehmputz) bis hin zur speziell entwickelten duftabsorbierenden Streu für die Biotoilette. Für jede Herausforderung in der Entwicklung haben Steininger und ihr Team mit anderen Unternehmen zusammen gearbeitet. „Wir wollten den Wohnwagon schließlich auch schnell bauen, und ich finde auch nicht, dass wir für jedes Projekt das Rad neu erfinden müssen, wenn es schon tolle intelligente Lösungen gibt.“ Die Kooperation mit anderen Unternehmen ist daher ein wichtiger Bestandteil des autarken Wohnwagons.

Autark mit Sonne und Sumpfpflanzen

Dabei kann der Kunde wählen, wie unabhängig der Wohnwagon sein soll. In der Autarkie-Vollversion kommt der Wohwagon mit ganzjähriger Photovoltaik-Anlage, regenfilterndem Sumpfpflanzen-Dach, Trockentoilette und einer Holz-Solar-Heizung. Ohne äußere Energieanschlüsse liefert der Wohnwagon damit genug Energie für Laptop, Handy und zum Kochen – für einen Fernseher wird es aber schon knapp. „Wer das auch noch in der Autarkie-Version möchte, kann aber zum Beispiel mit einem Windrad zusätzliche Energie erzeugen“, sagt Theresa Steininger.

Wie viel Autarkie darf es sein?

Auch bei der Größe können Kunden zwischen drei Varianten wählen. Das kleine Modell, „Fritz“, ist 6 Meter lang und 2,5 Meter breit. Die mittlere Größe, „Oskar“ ist 10 Meter lang und für alle, die den Wohnwagon tatsächlich als Minihaus nutzen wollen, gibt es auch noch die Version „Erker“. Bis zu zwei Personen können so bequem darin wohnen.

Die drei Größen des Wohnwagons

Die Einrichtung kann ebenfalls so schlicht oder so aufwendig sein, wie der Kunde es wünscht. Wer will, kann alles selbst bauen (das Wohnwagon-Team bietet auch dafür Anleitung) oder man wählt die all-inclusive Version, mit Einbauküche und Mosaik-Bad.

Bild: Wohnwagon

Klavier im Wohnwagon? Kein Problem!

Der Wohnwagon lässt sich damit ganz individuell gestalten. „Jeder Wohnwagon ist im Prinzip ein Einzelprojekt. Wir bauen wirklich jedes Modell in Handarbeit und gestalten es ganz nach den Wünschen unserer Kunden. Eine Käuferin wollte zum Beispiel ein Klavier in den Wohnwagon stellen, eine andere wollte ganz viel Platz für ihre Puzzles – wir sind da wirklich ganz flexibel.“

Rechtliche Grauzone

Nicht ganz so flexibel ist die Bürokratie. Denn der Wohnwagon liegt irgendwo zwischen Camper und Haus – und befindet sich damit in einer rechtlichen Grauzone. „Bisher haben wir aber noch immer mit jeder Gemeinde eine Lösung gefunden“, erklärt Steininger. Das Wohnwagon-Team bietet nämlich auch einen Rechtscheckservice für Käufer an.

Das alles hat natürlich auch seinen Preis. Bis zu 150.000 Euro kostet ein Wohnwagon mit allem Pipapo. Dafür kann der Wohnwagon bei liebevoller Pflege aber auch mindestens 50 Jahre halten, schätzt Steininger. Sie beschreibt ihre Kunden als bodenständig. „Da sind sowohl junge als auch ältere Paare dabei, die sich kein Eigenheim leisten können, Kunden, die den Wohnwagon als Atelier oder Außenwerkstatt nutzen möchten oder auch Unternehmen und sogar Hotels.“

Diese Wandelbarkeit und Vielfältigkeit passt ins Lifestyle-Konzept. Kein Wunder also, dass Interessierte auf der Webseite nicht nur den Wohnwagon, sondern auch separate Autarkie-Systeme für ihre eigenen Projekte kaufen können. Darüber hinaus bietet das Team auch Workshops für Do-It-Yourselfer an und bringt sogar ein eigenes Autarkie-Magazin heraus.

Wer noch immer nicht so ganz von der Idee überzeugt ist, kann im Wohnwagon „Fanni“ auch mal probewohnen.

Probewohnen gefällig? Dafür steht der Almwagen „Fanni“ zur Verfügung (Bild: Wohnwagon)

Na, neugierig geworden? Dann schaut euch doch  den Wohnwagon in unserer Bildergalerie in all seinen Facetten an!


Vernetze dich mit uns!

Like uns auf Facebook oder folge uns bei Twitter


Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

1 Kommentar

Kommentieren