Start-ups

Tretbox: Endlich eine Alternative zum Auto?

geschrieben von Marinela Potor

Was ist elektrisch, hat drei bis vier Räder und ein Schutzdach? Die Tretbox! Das Berliner Start-up dahinter glaubt, damit eine echte Alternative zum Auto gefunden zu haben.

„Ich möchte die Städte von Staus und Abgasen befreien.“ Das ist in der Tat ein hehres, aber durchaus kein einfaches Ziel, das Beres Seelbach sich gesetzt hat. Dafür aber eins, an dem er seit langer Zeit arbeitet. Vor acht Jahren gründete er sein erstes Unternehmen, „Lautlos durch Deutschland“, für das er Elektrofahrzeuge nach Deutschland importierte. Nun hat er mit der Tretbox sein eigenes E-Fahrzeug entwickelt, mit dem er hofft, seiner Vision ein Stück näher zu kommen.

Eine Kreuzung zwischen Elektrofahrrad und Smart

Beres Seelbach (Bild: Tretbox)

Hinter der Tretbox steckt ein Start-up, das er gemeinsam mit Murat Günak und Philipp Kahle 2016 offiziell ins Leben gerufen hat. Die Tretbox ist dabei in etwa eine Kreuzung zwischen E-Bike und Smart. Die Basis ist ein Fahrrad, das – je nach Funktion – drei oder vier Räder hat. Wie beim Pedelec gibt es dazu ein Akku, es muss aber auch gestrampelt werden. Damit fällt die Tretbox offiziell in die Kategorie der Fahrräder und muss entsprechend weniger Regulierungen beachten. Das Besondere an dem Fahrzeug ist aber, dass Fahrer einen Regenschutz von oben und von beiden Seite bekommen. Die Bauweise erlaubt es darüber hinaus, dass entweder zwei Erwachsene hintereinander oder ein Erwachsener und zwei Kinder auf der Tretbox Platz haben. Neben dem Fahrer können also auch weitere Passagiere mitfahren. Oder man hat genug Platz, um seine Einkäufe zu deponieren, und ist vor Wind und Wetter geschützt. „Damit kombinieren wir die Umweltfreundlichkeit der Pedelecs mit der Bequemlichkeit eines Autos“, sagt Beres Seelbach stolz zu Mobility Mag.

Kann die Tretbox das Auto ersetzen?

Seelbach könnte mit der Tretbox tatsächlich ein Problem lösen, das vor allem viele Familien, Berufspendler oder Menschen im ländlichen Raum haben: Für sie gibt es kaum eine Alternative zum eigenen Auto. Carsharing gibt es außerhalb der deutschen Großstädte fast gar nicht und der öffentliche Verkehr ist ungenügend bis mangelhaft.

Ein Fahrrad ist für die meisten kein guter Ersatz für das eigene Auto. Denn damit kann man nicht zwei Kinder zum Sport fahren – und schon gar nicht bei Regen. Auch Einkäufe lassen sich damit nur sehr umständlich transportieren und wenn man dann noch beim Berufspendeln im schicken Anzug auf das Wetter achten oder Berge hochstrampeln muss, gibt es eigentlich keine bessere Option als das eigene Auto.

Viele dieser Probleme lassen sich nach Ansicht von Beres Seelbach mit der Tretbox lösen. Das batteriebetriebene Fahrzeug kann immerhin bis zu 25 Kilometer pro Stunde fahren, bietet einen Wetterschutz (wenn nach den aktuellen Designs auch nur von oben und von der Seite) und Raum für zwei bis drei Mitfahrer. Damit kann die Tretbox das Auto sicher nicht zu 100 Prozent ersetzen, aber immerhin in vielen Situationen eine Alternative bieten.

Phase eins: Die Cargo-Tretbox

Noch sind die Berliner Gründer allerdings in der Anfangsphase. Geplant sind zwei Tretbox-Versionen, eine für Cargo, die andere für Passagiere. Der erste Prototyp für die Cargo-Variante ist für Ende 2017 geplant. Daran arbeiten die Tretbox-Gründer derzeit fieberhaft, gemeinsam mit dem Paketdienst UPS.

Entwürfe zur Cargo-Tretbox (Bild: Tretbox)

Diese Tretbox wird drei Räder haben, einen Container als Anhänger und kann bis zu 200 Kilogramm zuladen. Doch so effizient die Tretbox auch sein wird, sie kann natürlich nicht genauso viel Ware transportieren wie ein Lastwagen. Das Problem will Tretbox mit Warendepots und austauschbaren Containern lösen. „Als Lösung sehen wir mehrere Lagerhallen in der Stadt, an strategischen Punkten, an denen die Ware deponiert wird. Die Fahrer haben austauschbare Container an der Tretbox, sodass sie die Container dann nur an diesen Stationen austauschen müssen.“ Damit könne auch eine Tretbox das gleiche Tagesvolumen bewältigen wie ein Laster.

Phase zwei: Tretbox-Sharing

Die Tretbox für den Personentransport soll – wenn alles gut läuft – in zwei bis drei Jahren auf den Markt kommen. Allerdings soll die Tretbox dann nicht vorwiegend in Deutschland verkauft werden, sagt Seelbach. „Wir werden die Tretbox erstmal in Orten wie Amsterdam oder Kopenhagen einführen, wo es bereits ein sehr fahrradfreundliches Umfeld gibt.“ Immerhin: Die gesamte Produktion wird in Deutschland stattfinden, das ist den Gründern sehr wichtig. Das eigentliche Fahrzeug ist dabei aber nur der Anfang, wenn es nach Beres Seelbach geht.

Nach dem Prinzip des Bikesharing, kann sich Seelbach auch gut ein „Tretbox-Sharing“ vorstellen. „Wir arbeiten gemeinsam mit GreenPack in Berlin an einer intelligenten Akkulösung. Die Akkus der Tretbox sollen austauschbar sein, mit verschiedenen Akku-Tauschstationen in der Stadt, sodass man sich keine Gedanken über Ladeinfrastruktur machen muss.“

Phase drei: Die autonome Tretbox

Irgendwann soll die Tretbox auch die Stufen der Autonomie erklimmen. Beres Seelbach glaubt, das sei ein Szenario, das man viel eher umsetzen könne als vollautonome Autos, da von Elektrorädern eine viel geringere Unfallgefahr ausgehe „Ich stelle mir das so vor, dass man die Tretbox dann einfach per Smartphone-App ruft, das Ziel eingibt und sich dann herumfahren lässt.“

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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