Transport

Vom Hostel bis zum Sofasurfen: Auf diesen Plattformen finden digitale Nomaden ihre Unterkünfte

Unterkünfte
geschrieben von Marinela Potor

Ich schlafe seit fast fünf Jahren nur in fremden Betten. Damit meine ich Betten, in denen ich weder das Bett noch die Matratze selbst ausgesucht habe. Wo aber finden digitale Nomaden ihre Unterkünfte? Welche Plattformen nutzen sie, um Leihmatratzen zu finden?

Ich selbst habe im Laufe meiner digitalen Wanderjahre viele verschiedene Webseiten und Methoden ausprobiert. Die besten davon möchte ich euch hier vorstellen.

Wie man sich bettet …

Jeder hat sicherlich unterschiedliche Ansprüche an seine Unterkünfte. Für einige ist eine Unterkunft ohne Küche undenkbar, andere möchten nur in Hostels mit anderen Reisenden übernachten und manche buchen grundsätzlich nur Langzeit-Unterkünfte. Überlegt also vor dem Buchen, was euch bei eurer Unterkunft wichtig ist.

Bei mir gibt es drei grundlegende Kriterien für eine gute Unterkunft: Sauberkeit, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und eine stabile Internetverbindung. Alles andere (geteiltes Bad, weiche Matratze, nettes Ambiente) ist mir erstmal egal. Vor allem die gute Internetverbindung ist sicherlich etwas, das digitale Nomaden von anderen Reisenden unterscheidet. Wir sind schließlich nicht (nur) zum Vergnügen unterwegs, sondern müssen nebenher auch arbeiten. Von daher muss ich auch sagen, dass mich Hostels, die kein WLAN im Zimmer haben, extrem nerven.

Klar ist es nett, mit anderen Reisenden zu schnacken, aber wenn ich am Computer sitze, lade ich meistens nicht meine Reisefotos hoch und will nebenher Smalltalk machen, sondern ich versuche wahrscheinlich gerade ein Skype-Interview zu führen oder konzentriert an einem Artikel zu arbeiten. Mit anderen Worten: Ich will in Ruhe gelassen werden. Andere stört das vielleicht überhaupt nicht, aber was ich damit sagen will: Wir alle haben so unsere Unterkunfts-Eigenheiten und je besser ihr wisst, was euch bei einer Übernachtung wichtig ist, umso besser könnt ihr nach passenden Unterkünften suchen.

… so schläft man

Nachdem ihr euch also klar gemacht habt, was ihr von eurer Unterkunft erwartet, kann es losgehen. Im Netz gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, um Hostels, Hotels, Bed`n`Breakfasts oder private Unterkünfte zu finden.

Hostels

Das erste Hostel, das ich jemals über das Internet gebucht habe, habe ich über Hostelworld gebucht. Ich schaue immer noch gerne hier vorbei, wenn ich auf der Suche nach Hostels bin. Allerdings habe ich den Eindruck, dass sich die Hostel-Preise mittlerweile eher im oberen Preisspektrum befinden. Wenn ihr gerne in Hostels übernachtet, würde ich daher immer empfehlen, die Preise mit mindestens einer weiteren Seite (z.B. Hostelbookers) zu vergleichen. Je nach Unternehmen gibt es oft unterschiedliche Deals mit den Hostels.

In letzter Zeit, bin ich aber dazu übergegangen, Hostels direkt über deren eigene Seiten zu buchen. Der Preisunterschied ist minimal. Das liegt daran, dass Hostels ihre Preise für die Booking-Seiten drücken, Plattformen wie Hostelworld aber 15 Prozent vom Preis für die Vermittlung aufschlagen. Das ist auch absolut legitim, schließlich wollen die Booking-Seiten ja auch was für ihren Service verdienen. Nur mir ist es lieber, das Geld dann direkt an die Hostels zu zahlen. Ich nutze also die Booking-Seiten, um Hostels zu finden und buche das Zimmer dann direkt über die Webseite der Unterkunft.

Hotels

Bei Booking-Seiten für Hotels sieht es preislich schon wieder anders aus als bei den Hostels. Hier sind die Preisunterschiede zwischen Direktbuchung und Reservierung über die Vermittlungsseiten oft enorm. Meine Lieblings-Seite, um Hotelpreise zu vergleichen ist hotelscombined.com. Die Metasuchmaschine kombiniert hier Portale wie booking.com, Venere und Expedia und zeigt zu jedem Hotel die unterschiedlichen Preise dieser Anbieter an, sodass man viel schneller die günstigste Variante buchen kann. Ich buche Hotels aus zwei Gründen: In vielen Ländern sind Hotels billiger als Hostels (da Hostels oft mehr darum bemüht sind, eine nette Atmosphäre zu zaubern als anonyme Hotels) und zweitens, wenn ich weiß, dass ich in der Zeit viel arbeiten muss und keine Zeit haben werde, mich mit anderen Reisenden auszutauschen.

Bed and Breakfasts

Bed and Breakfasts sind für mich eine schöne Mischung aus Hotel und Hostel: Man ist in ganz heimeliger Atmosphäre (Bed and Breakfasts sind oft mit sehr viel Liebe gestaltet), hat aber mehr Privatsphäre (und Luxus) als in Hostels. Das hat aber natürlich auch seinen Preis – weswegen ich es mir nicht leisten kann (und will) nur in B&Bs zu übernachten. Aber so ab und zu will ich mir auch mal was gönnen. Eine Seite, die eine gute Übersicht bietet ist zum Beispiel bedandbreakfast.com.

Private Unterkünfte

Das ist eigentlich meine liebste Form der Unterkunft. Ich finde es immer spannend zu sehen, wie andere Menschen wohnen und die Zimmer, die man in privaten Unterkünften findet, sind oft sehr günstig und bequemer als Hotelzimmer oder Hostelunterkünfte. Das liegt natürlich daran, dass Menschen, die in ihrer Wohnung Zimmer anbieten, selbstverständlich auch Annehmlichkeiten wie eine Küche, Balkon (oder Garten), saubere Dusche und Internet anbieten, da sie dies ja auch alles selber nutzen.

Die erste Anlaufstelle für solche Unterkünfte ist sicher Airbnb. Die Seite bietet nicht nur gute Unterkünfte in oft sehr guter Lage zu fairen Preisen, ich finde die Seite auch klasse, um eine langfristige Bleibe zu finden. Wenn ich zum Beispiel einige Monate an einem Ort verbringe, buche ich fast immer über Airbnb, denn hier kann man eigentlich immer sehr gute Preise für langfristige Unterkünfte finden. Oft kommt noch dazu, dass andere digitale Nomaden oder Reisende in der gleichen Wohnung sind und man so gleich neue Bekanntschaften schließen kann. Gerade wenn der Vermieter noch mit im selben Haus wohnt, hat man darüber hinaus gleich noch einen Einheimischen zur Hand, der einem viele Tipps geben kann.

Couchsurfing

Neben Airbnb nutze ich auch sehr oft und gerne Couchsurfing. Hier kann man auf dem „Sofa“ anderer Menschen übernachten – und das gratis. Dabei muss man aber unbedingt verstehen, dass hinter Couchsurfing eine ganze Philosophie steht. Es hat viel mit Geben und Nehmen zu tun und der Bereitschaft, sich auf andere Menschen einzulassen. Wer couchsurft, sucht nicht nur einfach ein Bett, der möchte andere Menschen kennen lernen und einen Ort mit ihnen gemeinsam erleben. Ich habe über Couchsurfing einige meiner besten Freunde kennen gelernt, Jobs gefunden und so viel über andere Orte gelernt, dass die Seite für mich fast unersetzlich geworden ist. Natürlich schadet es nicht, dass man dadurch auch Geld sparen kann.

Couchsurfen zum Karneval in Brasilien

Ich nutze Couchsurfing aber auch wirklich nur, wenn ich weiß, dass ich mit meinem Gastgeber viel Zeit verbringen kann. Denn wenn ich nur arbeiten muss, habe weder ich noch mein Host etwas von dem Austausch und dann buche ich lieber ein Zimmer in einem Hotel. Wer Couchsurfing nutzt, muss sich aber auch darüber im Klaren sein, dass man zu Gast ist. Das heißt, es gelten die Regeln der Gastgeber und man sollte respektvoll und verständnisvoll sein. Wem das zu viel wird, kann aber auch über die Gruppen auf Couchsurfing viel zu einem Ort erfahren und die Couchsurfer haben oft sehr gute Tipps, um günstige Hotels in einer Stadt zu finden. Es gibt auch Alternativen zu Couchsurfing, wie die Seiten BeWelcome, Hospitality Club sowie den analogen Vorgänger von Couchsurfing, Servus.

Wer sehr flexibel ist, was Zeit und Ort angeht (und das sind die meisten digitalen Nomaden ja), könnte sich auch überlegen, als Housesitter unterzukommen. Hier passt man auf ein Haus und oft auch auf die Haustiere anderer Leute auf (Zeiten schwanken zwischen einer Woche und sechs Monaten) und kann dafür oft in sehr schönen Orten wohnen, entweder umsonst oder man zahlt nur die Nebenkosten. Das kann eine sehr schöne Art sein, in einer tollen Unterkunft längere Zeit sehr günstig zu wohnen. Doch gerade wenn man auch auf Haustiere aufpassen muss, sollte euch klar sein, dass ihr dann natürlich nicht mehr so flexibel seid, was längere Ausflüge in die Umgebung angeht. Bisher habe ich erst ein Mal das Haus einer Freundin gehütet, nutze aber seit Neuestem auch die Seite MindMyHouse, um meine Erfahrungen hier zu erweitern.

Tipps von anderen digitalen Nomaden nutzen

Das finde ich immer eine tolle und auch einfache Möglichkeit, um eine ehrliche Meinung über eine Unterkunft zu bekommen. Wenn ich an einen neuen Ort reise, lese ich vorher viele Reiseblogs und schaue, wo andere denn so übernachtet haben. Gerade die Blogs von anderen digitalen Nomaden sind da sehr hilfreich, da sie auch auf Details wie die Internetverbindung achten. Ich habe auch schon häufig andere Blogger angeschrieben und nach Tipps gefragt und fast immer sehr nette, hilfreiche Antworten und weitere Ratschläge für meine Reise bekommen.

Die meisten Reiseziele haben auch Facebook-Gruppen. Hier findet ihr eine bunte Mischung aus Einheimischen und Expats, die tolle Tipps parat haben – nicht nur zu Unterkünften, sondern auch zu Sehenswürdigkeiten, Ausflugszielen oder Veranstaltungen, die gerade stattfinden. Es gibt darüber hinaus auch viele Netzwerke für digitale Nomaden, wo ihr immer einfach fragen könnt, ob jemand nicht schon mal am gleichen Ort war und eine nette Unterkunft empfehlen kann.

Eine Unterkunft vor Ort finden

In einigen Fällen ist es tatsächlich günstiger, einfach vor Ort nach einer passenden Unterkunft zu suchen. Diese Erfahrung habe ich in vielen weniger touristischen Orten in Südamerika gemacht. Hier gibt es meist wenig Couchsurfer oder andere digitale Nomaden und Netzwerke, bei denen man um Rat fragen kann und Unterkünfte über das Internet zu buchen ist hier teuer. Trotzdem finden sich oft beim Suchen vor Ort viele Möglichkeiten zu sehr fairen Preisen, die es sich aber einfach nicht leisten können (oder wollen) im Internet Werbung zu machen.

Die eine richtige Unterkunft gibt es also nicht. Genau so wenig wie es die eine ideale Plattform gibt, um eine passende Bleibe zu finden. Vielmehr ist mein Tipp: Sucht parallel auf mehreren Portalen nach einer Unterkunft, um dann die beste Alternative für euch zu wählen.


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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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