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Rechtsbruch bei Skype-Nutzung: Wie sicher ist der VoIP-Anbieter und welche Alternativen gibt es?

geschrieben von Marinela Potor

Als Skype am 29. August 2003 gelauncht wurde, begann damit eine der vielen Revolutionen des Internets. Der VoIP-Anbieter stellte den Telefonie-Markt in kürzester Zeit komplett auf den Kopf. 13 Jahre und viele Konkurrenten später stellt sich die Frage, ob Skype immer noch das Non-Plus-Ultra im VoIP-Bereich ist. Vor allem wenn es um den Datenschutz geht, sollten Nutzer sich ein paar Alternativen anschauen.

Skype bietet mit einer Kombination aus Voice- und Videochat, Internet-Telefonie sowie Anrufen aufs Festnetz auf allen Plattformen und Geräten eines der umfassendsten Angebote im VoIP-Bereich an. Doch in den letzten Jahren zweifeln immer mehr User an der Sicherheit von Skype. Spätestens seitdem Edward Snowden bestätigte, dass die NSA Skypegespräche abhörte, suchen viele Nutzer nach einer sichereren Alternative. Gerade wer die VoIP-Telefonie beruflich nutzt, muss dabei zusätzlich auch noch auf den Datenschutz seiner Klienten achten.

VoIP-Telefonie gefährdet Privatschutz

Sonia Jaeger ist Psychologin. Derzeit lebt sie in Australien, sie betreut aber über das Internet als Beraterin Klienten aus Deutschland. Der Dienstleister ihrer Wahl ist dabei Skype. Bisher. Denn seit einiger Zeit, hat Jaeger Bedenken und fragt sich:


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„Wie kann ich den Schutz der Daten meiner Patienten garantieren, wenn es Sicherheitslücken beim VoIP-Provider gibt?“

Berufsverbände bringen erste Guidelines für VoIP-Telefonie heraus

Dies ist eine Frage, die nicht nur sie, sondern auch viele Berufsverbände, der Verbraucherzentrale Bundesverband sowie die Bundesnetzagentur, und sogar die Kirchen beschäftigt. Denn Skype ist nicht der einzige VoIP-Anbieter, den es gibt. Generell stellen immer mehr Telekommunikationsunternehmen ihre Telefontechnologie von ISDN auf VoIP um. Das spart den Unternehmen viele Kosten, wirft aber viele Probleme für Berufsgruppen auf, die rechtlich daran gebunden sind, die Daten ihrer Klienten geheim zu halten.

Dahinter steht der § 203 StGB, der den Schutz der Privatsphäre für diese Berufsgruppen regelt. Demnach müssen unter anderem Ärzte, Psychologen, Anwälte, Seelsorger oder auch Angestellte einer Versicherung den Privatschutz ihrer Kunden oder Patienten garantieren. In einem abgeschlossenen Büro oder einer Praxis ist dieser Schutz gegeben. Auch bei ISDN-Telefonen war das bisher kein Problem. Doch wenn Gespräche nun auf einmal als Datenpakete über das Internet übertragen werden, stellt sich die Frage nach dem Datenschutz.

Skype, Hangout oder WhatsApp werden nicht erwähnt

Die Bundesnetzagentur hat dazu eine sehr ausführliche Informationsbroschüre herausgebracht. Auch verschiedene Berufsverbände wie die Bundesärztekammer oder  Anwaltskammern haben Guidelines zur sicheren Nutzung der VoIP-Telefonie in Deutschland veröffentlicht. Diese konzentrieren sich aber bisher vornehmlich auf die Nutzung von Telekommunikationsanbietern in Deutschland, die VoIP Technologie anwenden. Internetanbieter wie Skype, Hangouts oder gar Messenger-Services wie WhatsApp oder Viber werden gar nicht erwähnt.

Das mag in Deutschland tatsächlich noch nicht so aktuell sein. Denn wer seine Kunden von Deutschland aus betreut, wird das Problem eher selten haben. Die wenigsten Anwälte oder Ärzte greifen derzeit zu WhatsApp, um mit ihren Klienten zu telefonieren.

Machen sich Onlineberater durch Nutzung von Skype strafbar?

Arbeitnehmer und Unternehmen werden aber immer mobiler. Wie sieht es in solchen Fällen zum Beispiel mit Onlineberatern im Ausland wie etwa Sonia Jaeger aus? Welche Regelungen gelten für sie? Viele pfiffige VoIP-Anbieter machen sich diese Unsicherheit zu Nutzen. So hat Jaeger vor Kurzem eine E-Mail bekommen, die sie davor warnte, dass sie durch die Nutzung von Skype den § 203 StGB verletzt – und sich damit also strafbar macht. Und damit auch gleich das suspekte Angebot, einen kostenpflichtigen alternativen VoIP-Service zu nutzen.

Ist da wirklich etwas dran? Wird der Patienten- oder Mandantenschutz bei Skype tatsächlich verletzt?

Die Frage hat zwei unterschiedliche Komponenten. Die erste ist eine rechtliche, die zweite eine technische. Welchen Sicherheitsstandard bietet Skype und gibt es überhaupt offizielle Guidelines für die Nutzung von VoIP-Providern für Berufsgruppen, die dem § 203 des StGB unterstehen?

„Es gibt eine Regulierungslücke“

Onlineberater im Ausland bewegen sich derzeit ein wenig in einer Grauzone und umgehen diese Frage meist, sagt Jaeger:

„Bisher lösen das die meisten so, dass wir die Klienten ausführlich aufklären und diese dann unterschreiben, dass sie sich der Risiken bewusst sind.“

Norbert Butz von der Bundesärztekammer erklärt im Gespräch mit Mobility Mag dazu: „Es gibt hier aktuell tatsächlich in Deutschland eine Regulierungslücke. Grundsätzlich gilt aber für Menschen in Heilberufen: Wenn sie nicht aus Deutschland praktizieren, unterliegen sie auch nicht deutschen Regelungen zur Ausübung ihres Berufs. Es gelten lediglich die Gesetze im Aufenthaltsland.“ Das bedeutet also, dass zumindest Berufsgruppen wie Ärzte und Psychologen im Ausland gar nicht an den § 203 gebunden sind, sondern, je nach Aufenthaltsort, an das jewilige örtliche Gesetz.

Das macht es für Onlineberater wie Sonia Jaeger aber nicht unbedingt einfacher. Denn konkret heißt das für mobile Menschen wie sie, dass sie die Gesetze in jedem neuen Aufenthaltsland auch neu recherchieren muss.

Nutzung aus dem Ausland variiert

Bei Anwälten ist dagegen nach Angaben der Bundesrechtsanwaltskammer die jeweilige regionale Anwaltskammer in Deutschland zuständig. „Denn selbst wenn ein deutscher Anwalt aus dem Ausland praktiziert, ist er im Regelfall in einer deutschen Regionalkammer gemeldet. Er müsste sich dann bei dieser Kammer erkundigen, wie der Mandantenschutz jeweils geregelt ist“, erklärt die Geschäftsführerin der Bundesrechtsanwaltskammer Stephanie Beyrich gegenüber Mobility Mag.

Das bedeutet damit: Die gesetzlichen Regelungen zur Nutzung von VoIP-Anbietern aus dem Ausland kann von Fall zu Fall ganz anders aussehen. Von einheitlichen Standards kann also keine Rede sein und genau das sorgt derzeit auch bei diesen Berufsgruppen für Verwirrung.

Doch selbst wenn sich ein Anwalt oder eine Psychologin rechtlich bei der Nutzung von Dienstleistern wie Skype auf der sicheren Seite befinden, bleiben damit viele Unsicherheiten – und bei den Patienten vor allem die Sorge um den Schutz ihrer Daten. Vermutlich möchte auch kein Anwalt oder Arzt, dass die Daten seiner Kunden frei im Internet herumschwirren. Schließlich liegt es ja auch in ihrem Interesse, den Privatschutz der Kunden zu garantieren.

Das führt dann schließlich zur Frage der technischen Sicherheitsstandards bei Skype. Reichen diese für den Datenschutz aus? Und wenn nicht, welche Alternativen gibt es?

Mangelhafter Datenschutz bei Skype

Tatsächlich gibt es einige recht klaffende Sicherheitslücken bei Skype. Während die Skypegespräche, die von Skype-Konto zu Skype-Konto (also rein über eine Onlineverbindung) stattfinden nach Angaben des Unternehmens per 256-bit AES verschlüsselt sind, gilt dies nicht für Anrufe auf mobile Telefone oder aufs Festnetz.

Darüber hinaus speichert Skype auch Anfrufdetails (wenn auch nicht die Anrufe selbst) und legt diese in einer „History“ Datei auf dem Endgerät des Nutzers ab. Das ist für Menschen wie Sonia Jaeger genau dann ein Problem, wenn die Sicherheitsmaßnahmen auf dem Laptop oder PC nicht ausgereift genug sind und diese Informationen in die Hände von Hackern gelangen.

Denn theoretisch dürften die oben genannten Berufsgruppen noch nicht einmal die Namen ihrer Klienten bekannt geben. Selbst ein Dienst wie WhatsApp, der eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anbietet, ist daher keine gute Alternative, da in diesem Fall der Dienst auf die Kontakte im Telefonbuch zugreifen kann, was ebenfalls den § 203 StGB verletzen würde. Selbst wenn das für den Onlineberater rechtlich keine Konsequenzen hätte – kundenfreundlich ist es sicher nicht.

Seit Microsoft-Kauf: Weniger Privatsphäre für Skype-Nutzer

Doch damit nicht genug. Seitdem Microsoft Skype gekauft hat, haben Nutzer noch ein weiteres  Privatsphären-Problem. Wie eine Studie von Ars Technica herausfand, werden Skype-Nachrichten regelmäßig nach auffälligen Inhalten durchsucht.

Skype hat zwar lange versichert, dass eine solche Durchsuchung von Gesprächen oder Nachrichten durch die komplexe Peer-to-Peer-Verschlüsselung gar nicht möglich sei – bis Edward Snowden offenlegte, dass Skype seit 2011 mit der NSA zusammen arbeitet. Und auch Amnesty International kritisiert Skype stark, zudem legt das Kleingedruckte einige Schwächen offen.

Eine andere beunruhigende Studie hat auch gezeigt, dass man allein durch das Abhören der Tippgeräusche der Tastatur bei Skypegesprächen herausfinden kann, was ein Nutzer schreibt. Big Brother lässt also laut und deutlich grüßen.

Sichere VoIP Alternativen zu Skype

Wer also wie Sonia Jaeger die Privatsphäre ihrer Patienten schützen möchte oder sich auch einfach um den Schutz seiner persönlichen Daten sorgt, sollte sich nach Alternativen zu Skype umschauen.

Dabei ist nicht nur die Art der Verschlüsselung wichtig, sondern natürlich auch die Frage nach der Nutzung der Userdaten. Denn selbst wenn ein Dienst wie Hangouts oder WhatsApp Ende-zu-Ende verschlüsselt ist, sammeln Google oder WhatsApp persönliche Nutzerdaten und Metadaten.

Zum Glück gibt es einige Alternativen zu Skype. Die drei Anbieter im Test wurden auf Smartphones (iOS sowie Android) und auf Windows-Laptops alle unter Nutzung desselben WLAN-Netzes getestet. Die Testergebnisse können daher also für andere Endgeräte und Betriebssysteme davon abweichen. Alle Dienste stehen Nutzern gratis zur Verfügung.

Alternativen zu Skype: Bleep

Der BitTorrent-Dienst wird von vielen als eine „App für Geheimnisvolle“ bezeichnet. Bleep nutzt nämlich Peer-to-Peer Verschlüsselung und speichert keine Informationen in Clouds ab wie etwa WhatsApp. Das Besondere dabei ist, dass Bleep keine Möglichkeiten bietet, Geräte miteinander zu synchronsieren. Die Nachricht kann also ausschließlich auf dem registrierten Endgerät erkannt werden.

Allerdings muss man sich entweder mit seiner Telefonnummer oder seiner E-Mail-Adresse anmelden, um Kontakte hinzufügen zu können. Hier kann man sich natürlich eine spezielle Fantasienamen-E-Mail zulegen, um den Datenschutz im Beratungsgespräch zu wahren. Wer das nicht möchte, kann Freunden einen privaten Schlüssel zuschicken, mit dem man sich dann gegenseitig hinzufügen kann.

Ein besonderes Sicherheitsfeature ist zudem die „Whisper“-Option. Hier werden Nachrichten oder auch Fotos 25 Sekunden später wieder gelöscht. In Sachen Sicherheit ist Bleep also eine gute Wahl. Allerdings steht die App derzeit nicht für Linux zur Verfügung und im Test gab es auch große Probleme mit der Nutzung auf dem Android-System.

Auch die Sprachqualität ließ sehr zu wünschen übrig und war weit unter Skype-Standard. Die Inbetriebnahme und Nutzung von Bleep schien ebenfalls komplizierter als Skype. Gerade für Nutzer, die nicht sehr technikaffin sind, kann dies problematisch werden. Ein weiterer Nachteil: Bleep bietet keinen Videochat an.

Alternativen zu Skype: Linphone

Linphone ist eigentlich sogar älter als Skype, hat aber nie den gleichen Bekanntheitsgrad erreicht. Schade! Denn Linphone verspricht sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und darüber hinaus Nutzungsmöglichkeiten auf allen Betriebssystemen. Das Open Source VoIP-Projekt hat interessante Möglichkeiten der Internettelefonie und im Videochat wie etwa das Zusammenführen von Anrufen oder Gruppenchats.

Die Onlinefunktionen können über den hauseigenen und kostenfreien Linphone SIP-Dienst genutzt werden. Sehr sinnvoll – gerade für Onlineberater – ist aber auch die Möglichkeit, Linphone mit einem weiteren VoIP-Dienst mit SIP-Funktion zu kombinieren, und somit auch Anrufe auf mobile Telefone oder das Festnetz tätigen zu können. Das macht die Erstnutzung für Onlineberater zwar komplizierter, für Kunden dann wiederum einfacher.

Hierbei muss man jedoch dann natürlich wieder auf die Sicherheitsprotokolle des VoIP-Services achten. In dieser Nutzung hat Linphone dann aber den entscheidenden Vorteil, dass der Gesprächspartner sich in dem Fall keine neue App zulegen muss und für ihn die Gespräche weiterhin telefonisch ablaufen.

Linphone ist schnell installiert, das Ganze läuft als Anmeldung per E-Mail ab und auch die Nutzung ist sehr einfach. Die Qualität von Videochat und die Telefonie über die App waren im gleichen WLAN-Netzwerk deutlich besser als Bleep und genau so gut wie Skype.

Alternativen zu Skype: Talky

Talky ist, anders als die anderen VoIP-Dienste, keine Applikation, die auf einem Endgerät installiert werden muss. Das ist zwar möglich, aber der Service kann auch direkt über die Website genutzt werden, was natürlich Nutzung und Zugang für sämtliche User sehr simpel macht.

Die Sicherheitsstandards sind auch sehr hoch: Anrufe (Telefonie und Video) werden an beiden Enden verschlüsselt und darüber hinaus ist auch das gesamte Setup gesichert. Metadaten werden damit nicht gespeichert und können nicht durchsickern. Nutzer können außerdem speziell gesicherte „Locked Rooms“ nutzen.

Talky bietet als zusätzliches Feature auch die Möglichkeit, den Bildschirm mit dem Gesprächspartner zu teilen, was bei bestimmten Beratergesprächen sicher ein großes Plus ist. Talky ist von allen drei VoIP-Anbietern am einfachsten im Gebrauch, kann aber wie auch Bleep leider nicht dazu genutzt werden, um auf Handys oder aufs Festnetz anzurufen.

Weitere Anbieter

Neben den getesteten Anbietern, empfehlen Nutzer auch folgende VoiP-Dienste:

  • uTox
  • Discord

uTox gibt es ebenfalls auf allen Plattformen, ist allerdings momentan noch in der Beta-Phase. Der Dienst ist ebenfalls Vorreiter in Sachen Sicherheit, doch Nutzer könnten sich akutell damit noch Bugs einfangen.

Discord stammt eigentlich aus dem Gamer-Bereich, hat sich aber als einer der qualitativ hochwertigsten Dienste hervorgetan. Nutzer beklagen hier aber noch mangelnde Sicherheitsstandards.

Fazit: Nutzer entscheiden, ob sich Alternativen zu Skype durchsetzen können

Es gibt also sichere Alternativen zu Skype, auch wenn Skype aktuell Nutzern viel mehr Anwendungsmöglichkeiten bietet.

Das größte Problem mit diesen Alternativen ist aber, dass sie viel weniger verbreitet sind als Skype. Man müsste also seine Kunden oder Freunde erstmal dazu bringen, sich eine neue App herunterzuladen. Hinzu kommt, dass – wie im Test gezeigt – einige davon nicht so nutzerfreundlich sind wie Skype. Wer also erstmal 30 Minuten an seiner App herum tüfteln muss, um das Video einzuschalten, wird von diesen Alternativen also nicht unbedingt so begeistert sein.

Bevor es hierzu also einheitliche Regelungen oder Guidelines der einzelnen Berufsgruppen gibt, müssen sich Onlineberater aus dem Ausland und alle, die mehr Sicherheit von ihren VoIP-Anbietern erwarten, also erstmal selbst durch den Dschungel der Anbieter kämpfen und dann entscheiden – ob und welche Alternative zu Skype für sie sinnvoll ist.


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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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