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Was hat VW da für einen blöden Werbespot gedreht? [Kommentar]

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Volkswagen steckt die Frau im Werbeclip zum neuen E-Golf in eine fürsorgliche Rolle als Mutter. (Foto: Screenshot / YouTube)
geschrieben von Vivien Stellmach

Die britische Werbeaufsicht will nicht, dass Geschlechter-Stereotype im Fernsehen verbreitet werden. Und hat darum einen Volkswagen-Werbespot zum neuen E-Golf verboten, in dem Männer als Helden dargestellt werden. Das ist gut. Aber was hat der Autohersteller sich bei dem blöden Clip überhaupt gedacht?

Eigentlich hätte Volkswagen einen schönen Werbeclip für seinen neuen Elektro-Golf produzieren können. Wenn der Autohersteller ein bisschen mehr wie BMW an die Sache herangegangen wäre.

Aber VW hat keinen frechen Spot gedreht, der humorvoll an der Grenze zum Geschmacklosen schrammt. Stattdessen veröffentlichte das Unternehmen einen sexistischen Clip, der gleich mehrere (weiße) Männer als innovative Helden in den Fokus rückt.


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Und was ist mit den Frauen? Nun ja, am Ende lässt VW eine junge Mutter passiv auf einer Parkbank sitzen und dabei zusehen, wie einer dieser männlichen Innovationsbolzen im neuen E-Golf an ihr vorbeizieht, während sie ihr Kind fürsorglich im Kinderwagen hütet.

Im eingeblendeten Schriftzug heißt es dazu: „Wenn wir lernen uns anzupassen, können wir alles erreichen.“

Merkt Volkswagen eigentlich etwas?

In der heutigen Zeit, in der wir für ein friedliches und tolerantes Miteinander wieder auf die Straße gehen, liegt so ein Werbespot unter der Gürtellinie.

Dabei geht es gar nicht so sehr darum, dass Frauen sich vom Clip angegriffen oder diskriminiert fühlen könnten. Recht kann man es sowieso nie allen machen.

Es stellt sich viel mehr die Frage, ob VW überhaupt gemerkt, beziehungsweise in Erwägung gezogen hat, dass der Spot stereotype Rollenbilder beleben und eine sexistische Botschaft vermitteln könnte.

Falls es ein Versehen war, dass sich unter den innovativen Helden keine Frau befindet, hätte VW spätestens beim Anschauen des Clips darauf aufmerksam werden und etwas ändern müssen.

Und wenn es so gewollt war, hätte VW sich bewusst sein müssen, dass auf diesem Planeten Menschen leben, die sich durch solche Werbespots in einer sexistischen beziehungsweise abwertenden Denke gegenüber Frauen bestärkt fühlen oder stereotype Geschlechterklischees gutheißen und weiter alt eingesessene Vorurteile pflegen.

Ein großes Unternehmen wie VW trägt bei der Verbreitung seiner Werbebotschaften daher immer auch Verantwortung. Und die hat der Autobauer mit diesem Clip nicht übernommen. Vor allem, weil die Werbung nicht einmal witzig ist. So kann man die Verbreitung der stereotypen Geschlechterklischees auch nicht damit rechtfertigen.

So oder so stellt sich deshalb die Frage: Was hat Volkswagen da für einen blöden Werbespot gedreht?

Britische Werbeaufsicht verbietet VW-Clip

Eine ähnliche Ansicht vertritt auch die britische Werbeaufsicht Advertising Standards Authority (ASA) – und hat die Werbung in Großbritannien deshalb aus dem Verkehr gezogen.

Der Clip verstoße laut der ASA gegen neue Richtlinien gegen die Verbreitung von Geschlechterklischees, die am 14. August 2019 in Kraft getreten sind. Zuschauer hätten sich auch über „die Wiederholung schädlicher Geschlechter-Stereotypen“ bei der Aufsichtsbehörde beschwert.

Volkswagen wehrte sich gegen das Verbot.

Der Spot solle nämlich die Anpassungsfähigkeit an eine neue Umgebung ausdrücken, welche bei männlichen Astronauten in der Schwerelosigkeit ebenso gefordert sei wie bei einer jungen Mutter, deren Leben ein Neugeborenes verändert – weil dies ja bei weiblichen Astronauten oder jungen Vätern nicht der Fall ist.

Und von diesem Gedanken soll man als Zuschauer dann auf den E-Golf schließen. Völlig logisch.

Die britische Behörde blieb glücklicherweise standhaft, deshalb müssen sich die Fernsehsender auch an das Ausstrahlungsverbot halten. Gut so.

Zum Weiterlesen:


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Über den Autor

Vivien Stellmach

Vivien Stellmach ist seit Mai 2019 Redakteurin beim Mobility Mag.
Nebenbei schreibt sie als freie Autorin über alternative Musik für das VISIONS Magazin. Sie liebt Fußball, steht seit ihrem siebten Lebensjahr selbst auf dem Rasen und hält zum SV Werder Bremen.

5 Kommentare

  • Merkt IHR eigentlich noch etwas?
    Gibt es sonst keine Probleme? Das ist ein stinknormaler Werbeclip! Aber was macht ihr damit? Ihr sucht. Ihr sucht solange, bis ihr etwas findet, um dann aufzustacheln.

    Kranke Welt.

  • Meinung schön und gut, aber ich persönlich finde diesen Spot absolut nicht sexistisch. Erst wenn man anfängt zu suchen und den „bösen Konzernen“ mal wieder versucht eins auzuwischen kann man vielleicht sexistisch Ansätze finden. Obwohl das bei vielen Spots so viel schlimmer ist und da hauptsächlich gegen Männer vorgegangen wird. Aber hey, wenns um unsere weiblichen Mitmenschen geht ist das geheule immer riesen groß obwohl das viele garnicht so Engstirnig sehen.

  • Meine Güte, man kann es auch übertreiben. Ich sehe jeden Tag Werbung bei der die Frau als die überlegene dargestellt wird und der Mann der Depp/Trottel ist und kein Mensch/Organisation regt sich auf.

  • E-Gold? Wie soll man ernsthaft über Rollenbilder diskutieren, wenn eine AutorIN solche Fehler macht?
    Würde man einen Mann ernst nehmen, der sich über (real existierende) Vorurteile gegenüber Vätern auslässt, die zur Kindererziehung Zuhause bleiben, wenn er von Bazooka statt Manduca schreibt.
    Mit solchen Laienfehlern zementiert man bestenfalls obsolete Geschlechterrollen.

    • An der Stelle lag der Fehler tatsächlich bei der Schlussredaktion und nicht bei der Redakteurin, aber was wären wir ohne so aufmerksame Leser, die sogar in kleinstgedruckten Bildunterschriften Vertipper entdecken – vielen Dank für den Hinweis!

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