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Von der positiven Kraft von Routinen und Ritualen

cheers. / Gaby Av. / Flickr (CC BY 4.0)
geschrieben von Sonia Jaeger

Ein Leben aus dem Rucksack (oder Koffer), an ständig wechselnden Orten, voller Abwechslung und ständig Neuem. So oder so ähnlich sieht das Bild und manchmal auch die Realität von digitalen Nomaden aus. Und ja, die meisten digitalen Nomaden leben ein solches Leben fernab der üblichen Routinen, fernab eines traditionellen Alltags. Doch auch wenn es auf den ersten Blick überraschen mag, so leben viele digitale Nomaden gleichzeitig doch auch ein Leben voller Routinen und Ritualen.

Digitale Nomaden brauchen Arbeitsrituale

Oft beziehen sich diese Rituale und Routinen auf die Arbeit: Auf die Strukturierung der Arbeitszeiten, auf sich wiederholende Abläufe oder Maßnahmen zur Steigerung der Produktivität. Denn während es für die Kreativität durchaus hilfreich sein kann, häufiger für Abwechslung zu sorgen, so erfordert fast jedes Arbeiten, egal wie exotisch es auch anmuten mag, ein gewisses Maß an Routine. Es muss vielleicht nicht immer der gleiche Arbeitsplatz sein, aber das, was wir dann an unserem Laptop tun, das folgt durchaus oft starken Routinen. Da geht es den digitalen Nomaden am Ende ganz ähnlich wie den meisten anderen Menschen.

Die Kuscheldecke reist immer mit

Aber auch über die Arbeit hinaus begegne ich immer wieder digitalen Nomaden, die zahlreiche kleine Routinen und Rituale in ihr Leben eingebaut haben. Der Mensch ist eben doch ein Gewohnheitstier. Oft geht es dabei bei digitalen Nomaden erstmal um das bessere Ankommen und Wohlfühlen an neuen Orten. Vertraute Gegenstände helfen, in einer sich ständig veränderten Umwelt ein Stück Halt zu finden.

Sie helfen auch dabei, es sich an neuen, ungewohnten Orten gemütlich zu machen und heimisch zu werden. Während die eine mit einer Duftkerze reist, hat der andere ein Familienfoto dabei, das er neben dem Bett aufstellt und die nächste reist mit einem kleinen Kuscheltier. Irgendwelche Lieblingsstücke haben die meisten dabei. Das kann von den Socken für den Flug oder dem Allzwecktuch, das immer und überall dabei ist, über das Strandtuch oder dem Schal bis hin zur Kuscheldecke so ziemlich alles sein. Auch ein paar Tropfen vertrautes ätherisches Öl auf dem Kopfkissen können Wunder bewirken, wenn das neue Zimmer zu fremd riecht.

Rituale machen das Leben leichter

Und aus psychologischer Sicht ergibt das auch Sinn! Gerade wenn sich äußerlich viel und häufig verändert, dann ist es hilfreich über Routinen, kleine Rituale und vertraute Gegenstände etwas Konstanz und Ordnung herzustellen. Routinen im Alltag vereinfachen das Leben, wir müssen nicht alles jedes Mal auf’s Neue entscheiden und anders machen, sondern können einige Prozesse automatisiert ablaufen lassen. Das gibt Halt, entlastet und wir können unsere Energie für andere Dinge aufwenden.

Ordnung im Chaos

Auch kleine Rituale können uns das Leben deutlich vereinfachen. Sie machen es uns leichter, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren und sie können dabei helfen, schwierige Momente besser zu überstehen und zu bewältigen. So gibt es auch in den meisten Gesellschaften besonders viele Rituale rund um Krankheit und Tod. Von der Bestattung über spezielle Trauerrituale – sie helfen Gemeinschaft zu fördern und Abschied zu nehmen. Sie schaffen Ordnung im Chaos und geben Halt.

Und was in solch großen schwierigen Zeiten hilft, funktioniert ganz ähnlich auch im Kleinen und Alltäglichem. Tief durchatmen, wenn mal wieder alles schief läuft, einmal um den Block laufen oder erst mal eine Zigarette rauchen. Der Mensch braucht Rituale und wenn wir uns dies bewusst machen und unsere Rituale aktiv pflegen, können wir deren Macht noch besser nutzen. Sowohl in schwierigen Zeiten als auch in guten.

Mit Ritualen das Schöne intensiver genießen

Denn Rituale helfen nicht nur in Krisenzeiten, sondern auch in Bezug auf Positives! Sie ermöglichen, uns das Schöne besonders intensiv zu genießen und uns gezielter darauf zu konzentrieren. Von der morgendlichen Meditation bis hin zum regelmäßigem Sport. Aber auch im ganz Kleinen, Alltäglichem helfen Rituale, zum Beispiel wenn wir vor dem Trinken anstoßen, am Wein riechen und die Farbe genauer betrachten. Je mehr wir auf solche kleinen Details achten und kleine Rituale schaffen, desto besser werden wir den Moment genießen können.

Welche Routinen und Rituale pflegt ihr in eurem Alltag? Zu Hause oder auch unterwegs? Gibt es Gegenstände, die immer mitkommen oder bestimmte Rituale, die ihr regelmäßig genießt?


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Über den Autor

Sonia Jaeger

Dr. Sonia Jaeger ist Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin. Als digitale Nomadin bereist sie die Welt und führt dabei psychologische Beratung online, per Video und Email durch.

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