ZUKUNFT

Würdest du 50 Millionen Euro für einen Urlaub im Weltraum zahlen?

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NASA möchte die ISS für kommerzielle Raumfahrt öffnen. (Foto: NASA)
geschrieben von Marinela Potor

Die NASA will im kommenden Jahr private Astronauten zur Internationalen Raumstation schicken. Der Einstiegspreis liegt bei 50 Millionen Euro. Doch abgesehen von der Kostenfrage: Was macht man eigentlich im Urlaub im Weltraum?

Spätestens seitdem Juri Gagarin 1961 als erster Mensch im Weltraum war, beflügelt dieser ferne und vor allem mysteriöse Raum unsere Fantasie. Doch während wir Filme wie Star Trek lieben und mutige Astronauten bewundern, war der Weltraum bislang für die meisten von uns eher eine große und faszinierende Unbekannte. Das könnte sich jetzt ändern.

Nachdem die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos ihre Pforte für private Touristen geöffnet hat, folgt nun auch die US-Raumfahrtbehörde NASA mit einem ähnlichen Konzept.

Von wegen All-Inklusive!

In den nächsten Jahren möchte die US-Raumfahrtbehörde kommerzielle Reisen zur internationalen Raumfahrtstation ISS für private Astronauten anbieten. Nach akutellen Berechnungen der NASA soll ein Hin- und Rückflug umgerechnet rund 51 Millionen Euro kosten.

Nach ersten Schätzungen könnten bis zu zwölf Touristen pro Jahr zur ISS reisen. Es gibt auch Überlegungen für langfristige Aufenthalte. Demnach könnten zwei Gäste zeitgleich bis zu 30 Tage auf der ISS verbringen.

Doch wer jetzt denkt, die 51 Millionen Reisekosten seien ein All-Inklusive-Angebot, irrt gewaltig. Tatsächlich wäre das die Summe, die Unternehmen wie SpaceX oder Boeing für den reinen Transport zur ISS kassieren würden. Lediglich ein kleiner Prozentsatz davon geht an die NASA.

Die NASA verdient vor allem am eigentlichen Aufenthalt im All selbst. Wenn auch die Preise hier, im Vergleich zum Transport, sehr moderat sind. So verlangt NASA die eher bescheidende Summe von etwa 31.000 Euro pro Nacht (pro Crew!), wie das Magazin Vice berichtet. Die exakten Kosten hingen aber von der jeweiligen privaten Mission ab, sagt NASA.

Aus einer ersten Kostenübersicht für kommerziellen Weltraumtourismus wird aber deutlich, dass die Übernachtungskosten nicht alles abdecken. Eine Kilowattstunde Strom kostet zum Beispiel umgerechnet etwa 37 Euro. Der Preis für einen Gigabyte Datenübertragung liegt bei rund 44 Euro.

Weltraumtourismus: Zwischen aufregend und befremdlich

Nun sind Gäste auf der ISS an sich nichts Neues. Seit 1998 hatte die NASA dort schon fast 150 Besucher. Das waren allerdings bislang meist ausgebildete Astronauten, die zu Forschungszwecken in den Weltraum kamen.

Die Tatsache, dass die NASA nun auch private Astronauten für rein kommerzielle Zwecke auf der ISS erlaubt, ist also durchaus ein bedeutender Meilenstein in der Geschichte der Raumfahrt. Damit rückt das so ferne Weltall in greifbare Nähe, zumindest für diejenigen, die es sich leisten können.

Einige finden das aufregend. Für andere ist die voranschreitende Kommerzialisierung des Weltraums sehr befremdlich. Doch wenn man ehrlich ist: Massentourismus zur ISS startet die NASA damit sicherlich nicht.

Auch ist das NASA-Programm zunächst lediglich für private Astronauten gedacht und für Missionen, die einen Bezug zur Arbeit der NASA haben müssen, auch wenn es Überlegungen gibt, das Programm auszuweiten.

Doch abgesehen von der sehr spezifischen Zielgruppe und dem Preis, wären Urlaubsaussichten auf der Internationalen Raumfahrtstation sicherlich nur für wenige Menschen wirklich verlockend.

Was macht man im Urlaub im Weltall?

Zum einen wärst rund um die Uhr auf engstem Raum mit etwa zehn anderen Menschen eingesperrt. Denn die ISS bietet in etwa so viel Platz wie eine Boeing 747. Davon kann man aber nur etwa ein Drittel wirklich nutzen.

Auch die „Schlafzimmer“ haben wenig mit dem zu tun, was du von einem schönen Hotel kennst. Stell dir eher eine Art enges Hochbett vor, bei dem du in einem Schlafsack bist, der an der Wand befestigt ist.

Das kulinarische Angebot auf der ISS sieht auch eher mau aus. Besonders leckeres Essen könntest du nicht erwarten, auch wenn sich bei der Astronautennahrung in letzter Zeit viel getan hat.

Neben den typischen trockenen Tütchen soll es für Touristen aber immerhin auch Brownies und Erdnussbutter geben – und offenbar sehr viele Tortillas. Ach so, und Alkohol ist dort übrigens tabu.

Auch das Freizeitprogramm wäre nicht sonderlich aufregend. Wirklich ins All hinaus spazieren, wirst du wohl nicht dürfen. Die Astronauten sind die meiste Zeit am Arbeiten und haben sicherlich nicht sehr viel Zeit, um mit dir zu plauschen.

Du wirst natürlich durch die Gegend schweben können und eine der wohl besten Aussichten auf unseren Planeten haben. Auch eine Art Fitnessstudio steht zur Verfügung und du kannst sogar vom Weltraum aus tweeten. Das klingt aufregend für zwei Tage, aber wer will das schon einen ganzen Monat lang machen?

Und dann wären da noch die Badezimmer. Auch hier hättest du natürlich keine tolle Badewanne. Genau genommen hast du noch nicht mal ein richtiges Klo. Denn Astronauten sammeln ihre „Ausstöße“ in einem Vakuum-Trichter, beziehungsweise in einer Art Plumpsklo.

All das muss außerdem sehr präzise sein, da es sonst ohne Schwerkraft durch die Gegend fliegt und es dann jemand auch einsammeln muss.

Es ist also ein sehr spezifisches Urlaubspaket, das die NASA da anbietet, das – selbst wenn es irgendwann allgemein zugänglich wäre – wohl nicht sehr viele anlocken würde. Warum macht die NASA das dann überhaupt?

Die NASA hat ein Geldproblem

Zum einen hat die NASA ein Geldproblem. Einerseits möchte sie bis 2024 neue bemannte Missionen zum Mond und Mars umsetzen. Andererseits überlegt die US-Regierung derzeit, der Behörde ab 2024 die finanzielle Unterstützung zu kürzen. Kommerzielle Angebote sind für die NASA daher eine Möglichkeit, um neue Geldquellen aufzutun.

Zum anderen soll damit die New-Space-Economy angeregt werden, sagte NASA-Sprecher Gary Jordan gegenüber Vice.

Das Ziel von NASA ist es nicht, ein profitables Unternehmen zu sein. Vielmehr ist es das Ziel, als staatliche Behörde, die niedrige Erdumlaufbahn zugänglicher zu machen, damit viele Unternehmen profitabel werden können.

Es sollen also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Die NASA soll die nötigen Mittel bekommen, um sich auf Missionen zum Mond und zum Mars zu konzentrieren und US-Firmen, die an der kommerziellen Raumfahrt arbeiten, sollen gestärkt werden.

Ob diese Rechnung aufgeht, bleibt abzuwarten.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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