Future Transport

Weltrekord für E-Fahrzeuge? Proterra E-Bus fährt 1772 KM mit nur einer Akkuladung

PROTERRA-CATALYST-E2-BUS
Bild: Proterra
geschrieben von Marinela Potor

Das US-Unternehmen Proterra hat sich mit dieser neuen Meldung sehr weit aus dem Fenster gelehnt: Angeblich fährt der eigene E-Bus „Catalyst E2 Max Bus“ 1101,02 Meilen (ca. 1772 Kilometer) mit nur einer einzigen Akkuladung. Damit hätte der E-Bus-Hersteller aus Kalifornien einen neuen Weltrekord aufgestellt. Einziges Problem: Bisher bestätigt nur das Unternehmen selbst die Zahl.

„1101,2 Meilen mit nur einer Ladung: Das hat noch kein elektrischer Bus und kein E-Auto vor uns geschafft.“ So selbstbewusst gibt sich der E-Bus-Hersteller Proterra in einer aktuellen Videobotschaft.

Über 1700 Kilometer mit einer vollen Akkuladung: Das wäre in der Tat ein neuer Weltrekord für E-Fahrzeuge. Proterra würde damit den aktuellen Weltrekord von 1631,5 Kilometern brechen. Diesen Rekord hatte der von der Hochschule Offenburg entwickelte „Schluckspecht E“ 2011 aufgestellt. Der neue Rekord von Proterra wäre im direkten Vergleich umso beeindruckender, weil der Schluckspecht E rund 55 Mal leichter ist als der Catalyst E2 Max Bus von Proterra.

Neuer Weltrekord oder leeres Versprechen?

Wenn … ja wenn dies auch tatsächlich wahr sein sollte. Denn wie das Magazin „Mashable“ in einem Bericht betont: Bisher wird diese Zahl nur vom Unternehmen selbst bestätigt.

Sollte die Angabe aber wirklich wahr sein, hätte das weitreichende Folgen für die Elektromobilität, im wahrsten Sinne des Wortes. Solche Reichweiten könnten den E-Fahrzeugen, gerade im Transportbereich, zum Durchbruch verhelfen.

Endlich eine Lösung für das Reichweitenproblem?

Denn auch wenn die Verkäufe für Elektrofahrzeuge leicht steigen, sind Verbraucher immer noch sehr zögerlich, wenn es darum geht, ihren Verbrennungsmotor gegen einen Elektromotor auszutauschen. Egal, wen man fragt, es ist immer eine Sorge, die die Verbraucher plagt – die Reichweite. Das mag man nun technisch oder statistisch unsinnig sein, doch offenbar ist genau diese „Reichweitenangst“ ein Verkaufskiller für Elektrofahrzeuge.

Während es aber für Otto Normalverbraucher durchaus einige – wenn auch noch vergleichsweise wenige – Lösungen für dieses Problem gibt, sieht das in der Logistik- und Transportbranche ganz anders aus. Denn bei einem Elektrofahrzeug verhält sich das Gewicht antiproportional zur Reichweite. Sprich: je höher das Gewicht, desto geringer die Reichweite. Während dies beim Wochenendeinkauf oder für die Urlaubsfahrt mit der Familie noch relativ einfach zu lösen ist, stehen Fahrzeugbauer bei Schwertransportern oder Bussen vor ganz anderen Herausforderungen.

So muss beispielsweise ein 40 Tonnen schwerer LKW nicht nur sich selbst und den Fahrer, sondern normalerweise auch noch einen Container mit einem Gewicht von, sagen wir mal, 20 Tonnen tausende von Kilometer weit fahren. Mit den aktuellen E-Trucks und der derzeitigen Ladeinfrastruktur ist das im Moment nicht flächendeckend umsetzbar.

Auch Busse haben ein ähnliches Problem. Wenn es sich nicht gerade um Busse im Stadtverkehr (kurze Strecken, große Flotte) handelt, sind Elektromotoren bisher noch Mangelware. Niemand will schließlich den Fahrgästen in den Fernbussen zumuten, mitten auf der Strecke Hamburg-München liegen zu bleiben. So sagte Flixbus-Mitgründer Daniel Krauss gegenüber Mobility Mag: „Alternative Antriebe sind für uns ein großes Thema. Aktuell gibt es allerdings noch keine Lösung, die für den Fernbusverkehr geeignet wäre.“

Sollte Proterra tatsächlich einen neuen Weltrekord aufgestellt haben, haben Fernbusanbieter wie Flixbus zumindest eine neue Option. Allerdings könnte es noch eine Weile dauern, bis der erste Proterra Catalyst E2 Max Bus auf unseren Straßen fährt. Bisher gibt es das Modell nämlich noch nicht zu kaufen.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin auf Weltreise und Chefredakteurin vom Mobility Mag. Seit 2013 hat sie keinen festen Wohnsitz mehr und schlägt sich als digitale Nomadin um den Globus.

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