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Zug und Hotel oder Urlaub im Wohnmobil: Was ist besser fürs Klima?

Ein Wohnmobil an einem Strand.
Wie gut ist das Reisen im Wohnmobil fürs Klima? (Foto: Pixabay / Siggy Nowak)

Die Deutschen lieben den Urlaub im Wohnmobil. Doch ist das gut fürs Klima? Eine aktuelle Studie zeigt nun: In bestimmten Fällen ist der Urlaub im Campervan fast genauso nachhaltig wie eine Zugreise mit Hotelübernachtung.

Fridays for Future hin, globale Erwärmung her: Wenn es ums Reisen geht, interessieren sich die wenigsten Deutschen fürs Klima. Lediglich 15 Prozent der deutschen Urlauber sagen, dass ihnen Klimaschutz beim Reisen sehr wichtig sei.

Dabei macht es einen gewaltigen Unterschied fürs Klima, wie du in den Urlaub fährst. Insbesondere wer per Flugzeug oder mit dem Kreuzfahrtschiff verreist, sorgt damit für hohe Emissionswerte.


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Doch wie sieht das eigentlich mit Reisemobilen aus? Ist das Reisen im Wohnwagen oder Wohnmobil gut oder schlecht fürs Klima? Und wie steht Caravaning im direkten Vergleich zu anderen Reiseformen da?

Genau das wollte der deutsche Caravaning Industrieverband wissen und hat dafür beim Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) eine Studie in Auftrag gegeben.

Die Ergebnisse zeigen: Je nach Urlaubsziel und Unterkunftsart ist das Reisen im Reisemobil nachhaltiger als man vermuten würde.

Im Vergleich: Rügen, Frankreich und Skandinavien

Denn eigentlich sind insbesondere die schweren Reisekolosse – oftmals noch mit Zug-Pkw – nicht das, was man sich unter einem umweltfreundlichen Fahrzeug so vorstellt. Trotzdem sind sie insbesondere bei kurzen Anreisen und längeren Aufenthalten nachhaltiger als so manch andere Urlaubsform.

Das zeigt jedenfalls der Vergleich vom Ifeu.

Für seinen Reisevergleich hat das Ifeu drei verschiedene Urlaubsszenarien für zwei Personen verglichen:

  • Eine 14-tägige Reise von Frankfurt am Main nach Rügen
  • Ein Südfrankreich-Trip von 21 Tagen von Frankfurt am Main nach Marseille
  • Eine Skandinavien-Rundreise von ebenfalls 21 Tagen

Als Haupt-Fahrzeuge haben die Forscher Reisemobile, den eigenen Pkw, den öffentlichen Personenfernverkehr, ÖPFV (Zug und Fernbus) sowie Flugzeug miteinander verglichen.

Um wiederum die Treibhausgas-Emissionen für den ganzen Urlaub zu ermitteln, wurden folgende Aspekte mit einbezogen:

  • Emissionen der unterschiedlichen Transportmittel bei der Anfahrt
  • Wärme- und Stromverbrauch beim Aufenthalt (mit länderspezifischem Strommix)
  • Transport vor Ort

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Auch schauten die Forscher sich für den Vergleich unterschiedliche Unterkünfte an. In der Studie wurden dazu Campingplätze, Stellplätze und Hotels betrachtet.

Je nach Reiseziel, Anreisefahrzeug und Übernachtungsform zeigten sich damit aber auch teilweise sehr unterschiedliche Auswirkungen aufs Klima.

Pauschale Aussagen funktionieren nicht

Es ist zum Beispiel nicht immer ausnahmslos besser für die Umwelt mit einem Pkw in den Urlaub zu reisen als mit dem Wohnmobil. Und auch Zugreisen sind nicht so gut fürs Klima, wenn du sie mit einem Hotelaufenthalt verbindest.

Gleichzeitig verursachst du mit einem Hotelaufenthalt in Skandinavien weniger Emissionen als in Deutschland, weil der Strommix dort deutlich mehr erneuerbare Energien enthält. Gleiches gilt für Frankreich, weil der Strom im Land hauptsächlich aus Kernkraft gewonnen wird.

Pauschale Aussagen wie: Reisen im Wohnmobil ist besser fürs Klima als Reisen im Pkw kann man daher eigentlich fast nie machen.

Gleichzeitig zeigt die Studie aber, dass die Urlaubsanreise per Bahn und Fernbus durchweg nachhaltiger ist als jede andere Anreiseform. Kombinierst du wiederum eine Bahn- oder Busreise mit einem Campingaufenthalt, ist die Klimabilanz eindeutig am besten.

Doch darüber hinaus gibt es kleine aber feine Unterschiede.

Rügen: Reisemobil und Zug liegen fast gleichauf

Ein Urlaub auf Rügen im Reisemobil auf dem Stellplatz hat fast die gleiche Klimabilanz wie ein Rügen-Urlaub, bei dem du im Zug oder Bus anfährst und dann im Hotel übernachtest. Das liegt am ungünstigen deutschen Strommix im Hotel.

Die nachhaltigsten Urlaubsformen sind dagegen eine Anreise per ÖPFV und ein Aufenthalt auf dem Campingplatz sowie die Anreise im Pkw mit Übernachtung auf dem Campingplatz.

Am schlechtesten fürs Klima ist in diesem Szenario wiederum die Anreise im eigenen Auto und ein Hotelaufenthalt.

Für Südfrankreich sieht es dagegen schon anders aus.

Südfrankreich: Reisemobil und Campingplatz besonders klimaschädlich

Hier ist nämlich der Urlaub im Reisemobil mit Aufenthalt auf einem Campingplatz die klimaschädlichste Urlaubsform. Selbst die Anreise im eigenen Pkw mit Hotelaufenthalt ist nachhaltiger, wenn auch nicht sehr viel.

Hier machen sich vor allem die Emissionen aus der langen Anfahrt bemerkbar sowie die Tatsache, dass Hotels emissionsärmeren Strom aus Kernkraftwerken nutzen.

Auch hier bist du aber am nachhaltigsten mit Zug und Bus und Aufenthalt auf dem Campingplatz unterwegs.

Skandinavien: Auto nachhaltiger als Reisemobil

Bei der Skandinavien-Rundreise haben die Forscher die Anfahrt im ÖPFV herausgenommen.

Im direkten Vergleich zwischen Reisemobilen und Pkw schneidet hierbei der Pkw am besten ab. Die nachhaltigste Kombination ist dabei die Rundreise im Auto mit Campingplatz-Übernachtung, gefolgt von der Rundreise im Auto mit Hotelübernachtung.

Die schlechteste Klimabilanz hat hier aber die Kombination aus Reisemobil und Campingplatz-Übernachtung.

Wie gut ist das Wohnmobil fürs Klima?

Hier muss man leider zu einer unbeliebten Antwort greifen: Es kommt darauf an. Grundsätzlich sind Reisemobile nicht die nachhaltigsten Transportmittel. Insbesondere im Vergleich zum Zug oder Fernbus, aber teilweise auch zum Auto fällt die Klimabilanz nur mittelmäßig aus.

Hier gilt: Je kürzer die Anreise und je länger der Aufenthalt, umso besser ist die Bilanz. Andersherum gilt: Bei langen Anreisen und kurzen Aufenthalten schadest du mit deinem Wohnmobil dem Klima mehr.

Eine nachhaltigere Alternative kann hier Campersharing sein. Dabei kannst du zum Beispiel per Zug anreisen und dir dann vor Ort ein Reisemobil über eine Sharing-Plattform ausleihen.

Damit kannst du deinen Urlaub im Wohnmobil genießen und das Klima schonen.

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Über den Autor

Marinela Potor

Marinela Potor ist Journalistin mit einer Leidenschaft für alles, was mobil ist. Sie selbst pendelt regelmäßig vorwiegend zwischen Europa, Südamerika und den USA hin und her und berichtet über Mobilitätstrends aus der ganzen Welt. Seit 2016 ist sie Chefredakteurin von Mobility Mag.

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