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Work-At-Home-Parent – die schönste Art der Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

geschrieben von Susanne Bux

Für einige Eltern klingt das sicher sehr verlockend: Den Nachwuchs selber zu Hause betreuen können und nebenher als Work-At-Home-Parent von zu Hause arbeiten. Morgens gemütlich einen Kaffee trinken und nebenher etwas arbeiten, dann eine Pause machen und währenddessen ein bisschen mit den Kindern spielen. Danach etwas zu Essen kochen und sie zum Mittagsschlaf hinlegen und sich selbst nochmal hinsetzen und etwas arbeiten. Ganz flexibel so lange, wie die Kinder eben schlafen…

An dieser Stelle führe ich das Szenario mal nicht weiter aus. So schön harmonisch das auch klingt, bei uns sieht die Realität ganz anders aus!

Work-At-Home ist anstrengend

Das Leben eines Work-At-Home-Parent ist verdammt anstrengend. Das unterschätze ich auch jetzt gerne immer wieder. Stell dir vor, du hast einen Vollzeitjob, für den du 40 Stunden und mehr pro Woche arbeitest. Dieser nimmt dich gedanklich ziemlich ein und du musst immer auf dem Laufenden sein. Und dann hast du noch einen Nebenjob, der dich trotz weniger Arbeitszeit innerlich erfüllt. Er ist dir also sehr wichtig und du möchtest dich da auch reinhängen. So, und nun machst du diese Jobs nicht nacheinander, sondern teilweise gleichzeitig. Beides auf einmal. Ein Handgriff im einen Job, einen Handgriff im anderen Job. Klingt erfolgsversprechend? Nicht wirklich!

Warum mache ich das überhaupt?

Auch wenn das nach einer ziemlich anstrengenden Sache klingt, gibt es gute Gründe, warum ich mich für dieses Lebensmodell entschieden habe – denn genau das ist es: nicht nur ein Arbeitsmodell, sondern auch ein Lebensmodell.

Abwechslung und Energie für den Alltag

Ich habe festgestellt, dass ich keine Stay-At-Home-Mom bin. Ich bin nicht der Typ dazu. Mir hat nach einiger Zeit einfach etwas gefehlt und der Alltag mit den Kindern schien mir über den Kopf zu wachsen. Ich habe gemerkt, dass ich noch etwas anderes brauche. Etwas, dass mir eine Abwechslung und somit auch Energie für den Alltag gibt.

Flexibilität

Mein erster Impuls war: Bewerbungen schreiben und einen Teilzeitjob suchen. Im Bewerbungsgespräch habe ich dann aber gemerkt, dass ich da einen faulen Kompromiss eingehen würde. Der Job an sich schien wie für mich gemacht – er schien alles das zu beinhalten, was mich interessiert und war abwechslungsreich. Aber die äußeren Umstände für den Job waren nicht so ideal. Es gab genau festgelegte Zeiten zu denen ich erscheinen sollte und es wurde erwartet, dass für mich der Job an erster Stelle stehen würde. Was passiert wäre, wenn ich mal wegen kranken Kindern hätte zu Hause bleiben müssen? Ich habe keine Ahnung.

Individuelle Kinderbetreuung

Hinzu kam für uns noch das Problem, dass ich aus vorheriger Erfahrung wusste, dass mein Sohn es nicht so gut findet, wenn er in den Kindergarten „abgeschoben“ wird. Somit kam sowieso nur in Frage, eine Betreuung bei uns zu Hause zu finden.

Arbeiten von zu Hause als Lösung?

Damit hatte ich gleich zwei Herausforderungen zu bewältigen: Ich wollte nicht unflexibel werden durch einen Job und ich wollte meinen Kindern ermöglichen von einer Bezugsperson zu Hause betreut zu werden.

Da kam dann der Gedanke auf, dass vielleicht eine Online-Tätigkeit von zu Hause aus die Lösung für mich sein könnte. Ich könnte damit selber bestimmen wann und wie viel ich arbeite und gleichzeitig kann ich größtenteils selber für die Kinder da sein, solange das gut klappt. Und damit hatten wir uns als Familie entschieden, diesen Weg zu gehen. Da es mir in erster Linie gar nicht um das Finanzielle ging, habe ich mir auch die Freiheit genommen und mich erstmal in Ruhe umgeschaut und vieles ausprobiert.

Work-At-Home-Parent: Mehr Freiheit, aber auch mehr Stress?

Work-At-Home-Parent: Mehr Freiheit, aber auch mehr Stress?

Es ist nicht alles eitel Sonnenschein

Unser Zeitplan in der Familie ist voll gepackt. Da jeder auch mal ungestört arbeiten will, schaut mal der eine, mal der andere von uns Eltern nach den Kindern. Wenn dann aber eine größere Sache außer der Reihe ansteht, müssen wir erstmal Zeit dafür schaffen.

Randvoller Zeitplan

Wie jetzt gerade: Zeitgleich mit unseren Bemühungen, allen Papierkram für ein neues Visum zusammen zu sammeln, Anträge auszufüllen und Behördengänge zu erledigen, kam nun auch noch unsere Vermieterin und teilte uns mit, dass unser Haus verkauft wird. Also mussten wir auch noch ganz unverhofft damit anfangen, nach einer neuen Wohnung zu suchen. Diese Zeit war nirgendwo im Zeitplan vorgesehen. Da es aber alles Dinge sind, die dringend gemacht werden müssen, muss halt anderes wegfallen. Die Versorgung der Kinder sollte das im Idealfall nicht sein – also ist es die Arbeitszeit von einem von uns beiden. Mein Mann arbeitet zwar auch zum großen Teil von zu Hause, aber da er nach Stunden bezahlt wird, fällt meist erst meine Arbeitszeit unter den Tisch.

Motivationseinbrüche

Das zieht ein weiteres Problem nach sich: die Motivation. Wenn ich täglich arbeite, behalte ich meine Gedanken zusammen und bin recht gut im Fluss. Ich weiß, was als nächstes ansteht und die Motivation ist da. Wenn dann aber einige Tage kaum oder gar keine Zeit zum Arbeiten war, dann ist es schwer für mich, mich wieder zu motivieren. Ich muss mich neu reindenken und schnell kommt dann auch das Gefühl auf, dass das sowieso alles nichts bringt, und ich ja doch nie zum Arbeiten komme. Wenn man da nicht aufpasst, ist man ganz schnell in der Selbstmitleidsschiene gefangen (was natürlich wiederum nicht förderlich ist für die Motivation).

Du bist immer greifbar

Es kann auch zur Herausforderung werden, dass du eigentlich immer greifbar bist, wenn du von zu Hause arbeitest. Was prinzipiell als Vorteil gedacht war – dass du nämlich immer in der Nähe bist, kann sich ganz schnell zum Nachteil entpuppen, wenn du etwas konzentriert zu Ende bringen willst. Ich selber habe da noch das zweifelhafte Vergnügen, dass meine Kinder beide Nachteulen sind, die äußerst selten vor mir im Bett sind. Damit habe ich abends keine Ruhe zum Arbeiten. Ich muss also auf jeden Fall einplanen, dass jemand anderes für die Kinder sorgt, wenn ich mal in Ruhe arbeiten möchte.

Was du unbedingt bedenken solltest, wenn du von zu Hause arbeitest

Prinzipiell ist es super, wenn du keine extra Betreuung für deine Kinder brauchst und sozusagen nebenher arbeiten kannst. Wenn deine Kinder allerdings noch klein sind (meine sind 1,5 und 4 Jahre), dann ist das in der Praxis nur bedingt umsetzbar. In dem Alter brauchen sie eben doch sehr viel Aufmerksamkeit und beschäftigen sich selten mal alleine.

Mit der richtigen Einstellung und der richtigen Herangehensweise kann es aber trotzdem ganz gut klappen.

Arbeiten mit Kindern

Du brauchst „kleine Portionen“ an Arbeit, die du schnell erledigen lassen und bei denen auch eine Unterbrechung nicht weiter stört. Bei mir eignen sich da z.B. technischen Basteleien ganz gut. Auch Blogartikel lesen oder Tutorials anschauen geht wunderbar. Manchmal klappt auch die Recherche für einen neuen Artikel. Es ist für mich aber schlichtweg unmöglich eine kreative Arbeit zu machen oder etwas, das etwas mehr Konzentration benötigt, wie z.B. einen Blogartikel zu verfassen.

Wenn du alle zwei Minuten in deinen Gedankengängen unterbrochen wirst, klappt das mit komplexeren Aufgaben einfach nicht mehr. Es ist daher wichtig, dass du auch kinderfreie Stunden hast, in denen du arbeiten kannst. Das muss gar nicht unbedingt viel sein, eine Stunden am Abend während dein Partner mit den Kindern durch die Betten tobt könnte durchaus reichen – du wirst selber merken, wie viel du brauchst. Aber dir sollte eben klar sein, dass sich nicht alles erledigen lässt, während du für die Kinder verantwortlich bist.

Mir hilft es, meine To-Do-Liste einzuteilen in Dinge, die ich nebenher machen kann und in Dinge, die Konzentration benötigen (auf meiner Liste sind die Tasks mit #Kinderarbeit und #Ruhezeit markiert *g*). Wenn ich dann mal zwei Stunden für mich habe, komme ich nicht in Verlegenheit, die Dinge zuerst zu erledigen, die ich auch später mit Kind machen könnte. Ich kann mir wirklich gezielt die Aufgaben vornehmen, für die ich Ruhe brauche.

Eine Variante, die ich selber sehr gerne ausprobieren würde, wäre ein Coworking Space mit angeschlossener Kinderbetreuung. Der Vorteil ist, dass sich jemand um deine Kinder kümmert und du nicht so häufig unterbrochen wirst, während du trotzdem immer noch greifbar bist für deine Kinder. Außerdem kommst du im Coworking Space auch nicht in Versuchung zwischendurch mal eben schnell die Spülmaschine auszuräumen. Leider sind Coworking Spaces mit Kinderbetreuung bisher nur vereinzelt zu finden.

Die Sache mit den Zielen

Ja, man sollte sich immer hohe Ziele stecken, gerade wenn man sich an seine Selbstständigkeit wagt. Das habe ich anfangs auch gemacht. Ich kann dir daher aus eigener Erfahrung sagen: tu es nicht! Am Anfang klappt das ganz gut, aber nach einiger Zeit merkst du, dass du in diesem Tempo nicht Schritt halten kannst. Und der Spagat, der am Anfang noch problemlos erschien, wird von Tag zu Tag schwieriger. Wenn dann deine Ziele zu hoch gesteckt sind, wird der Rückstau an  Aufgaben immer länger und damit nimmt die Motivation immer weiter ab.

Daher rate ich: Steck dir ganz tiefe Ziele, die du auch definitiv erreichen kannst! Es fühlt sich gut an, Ziele zu erreichen! Es stresst dich innerlich, wenn du Ziele immer wieder verfehlst. Das letzte was du als Vollzeit-Elternteil brauchst, ist noch mehr Stress! So lange dir deine Arbeit Spaß macht und du deine Ziele erreichst, gibt sie dir Energie für den Alltag. Wenn sie anfängt dich zu stressen, raubt sie dir Energie. Dann wirst du es nicht lange durchhalten, gleich zwei stressige Jobs täglich zu machen. Den Zweitjob soll im Idealfall eine Bereicherung sein, nicht eine Zusatzlast.

Wenn du deine Selbstständigkeit nicht wie ich nur ein als Nebentätigkeit siehst, solltest du dir gerade mit kleinen Kindern dringend überlegen, ob nicht doch eine andere Form sinnvoller ist für euch. Vielleicht ist es doch besser die Kinder für ein paar Stunden in eine Betreuung zu geben. Oder ihr holt euch Babysitter oder Au Pair, die bei euch zu Hause nach den Kindern schauen.

Pause muss sein

Für Selbstständige, gerade für Blogger scheint das „Vorarbeiten“ in kreativen Phasen eine sehr beliebte Methode zu sein. Und mal ehrlich – gerade als Elternteil klingt das nach einem sehr wichtigen Konzept. Schon nächste Woche kann es passieren, dass du deine Tage mit Betten frisch beziehen, Wäsche waschen und Böden schrubben verbringst, weil die Kinder Magen-Darm haben. Da ist es schon beruhigend zu wissen, dass man auch mal ein bisschen kürzer treten kann. Allerdings sollte man das gerade mit Blick auf die Familie auch nur äußerst sparsam machen. Solche kreativen Phasen sind wirklich sehr verlockend, dann eben ein bisschen länger zu sitzen und etwas zu machen. Aber wenn deine Kinder dich nur noch hinterm Bildschirm sehen, ist das auch nicht ganz Sinn der Sache.

Öfters mal Pause machen

Öfters mal Pause machen

Gute Ideen festhalten

Wie ich schon erwähnt habe, kommen gute Ideen meistens dann, wenn du nicht am Rechner sitzt. Da dein Alltag sicherlich an allen möglichen und unmöglichen Orten stattfindet, empfiehlt es sich, immer einen Notizblock griffbereit zu haben (das Smartphone mit leicht zu bedienendem Notizblock geht natürlich auch). Gute Ideen kannst du dann sofort festhalten und dein Kopf ist wieder frei, um dich auf deine Kinder zu konzentrieren. Mir ging es anfangs so, dass ich eine tolle Idee hatte und die direkt im Kopf gewälzt und bearbeitet, anstatt sie festzuhalten. Dadurch war ich natürlich geistig total abwesend und meine Kinder hatten auch nur wenig von mir. Also – lieber raus aus dem Kopf mit den Ideen.

Job und Nebenjob

Mach dir bewusst: du hast bereits einen Vollzeitjob! Deine Selbstständigkeit ist nur ein Nebenjob! Es sind wirklich zwei Jobs! Und dein Vollzeitjob, deine Kinder, sind der wichtigere Job und sollten immer oberste Priorität haben.

Das bedeutet für mich im Klartext: Wenn ich arbeite, während ich für die Kinder zuständig bin, ist die erste Aufgabe immer, mich um die Kinder zu kümmern, wenn sie was von mir brauchen. Auch wenn das bedeutet, dass ich keine zwei Klicks gemacht bekomme ohne Unterbrechung. Wenn es gar nicht geht, bedeutet das im Extremfall eben auch Laptop zu und Schluss mit Arbeiten. Wenn mein Mann nach den Kindern schaut, bedeutet das für mich – ab in eine ruhige Ecke, wo ich möglichst lange „aus den Augen aus dem Sinn“ bin. Irgendwann fällt mit Sicherheit den Kindern auch wieder ein, dass sie mich ja doch noch brauchen. Bis dahin sollte ich so viel geschafft haben, dass ich ruhigen Gewissens auch Schluss machen kann.

Welches ist die beste Art der Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Es gibt kein gutes und schlechtes Modell. Aber es kann durchaus für jeden individuell ein passendes und unpassendes Modell geben. Es gibt einige Nachteile als Work-At-Home-Parent und manchmal erscheint ein Arbeitsplatz, bei dem die Kinder nicht dabei sind, ganz verlockend. Für uns ist trotzdem dieses Lebensmodell im Moment passend.

Mit kleinen Kindern ist Work-At-Home wirklich anstrengend. Allerdings gibt es mir eben auch die Möglichkeit bei meinen Kindern zu sein und mitzuerleben wie sie aufwachsen. Und ich blicke hoffnungsvoll in die Zukunft, dass die anstrengenden Phasen auch abnehmen werden. Wenn die Kinder älter werden kann ich mich sicher mehr auf meinen Nebenjob konzentrieren.


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Über den Autor

Susanne Bux

Mit ihrem Mann und zwei kleinen Kindern hat Susanne ihre Zelte in Deutschland abgebrochen und lebt derzeit in Neuseeland. Um zukünftig ganz flexibel zwischen alter Heimat und neuer Heimat pendeln zu können, begibt sie sich auf die Suche nach Einkommensmöglichkeiten im Internet und bloggt über ihre Erfahrungen dabei auf einkommenvonzuhause.de.

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